Angebote der Dreschgemeinschaft Am Tag des offenen Denkmals Stellmacherei in Hüsede besichtigt

Von Eckhard Grönemeyer

Die Esse zum Schmieden von Eisenreifen war in Betrieb. Foto: Eckhard GrönemeyerDie Esse zum Schmieden von Eisenreifen war in Betrieb. Foto: Eckhard Grönemeyer

Hüsede. Ein umfangreiches Programm erwartete die Besucher am „Tag des Denkmals“ am Festplatz der Dreschgemeinschaft am Maschweg in Hüsede. Ein Highlight war die Besichtigungsmöglichkeit der einstigen Stellmacherei Hegener mit dem komplett erhaltenen Inventar.

Das gewohnte „Abdreschen“ fand bei sonnigem Wetter vor vielen Besuchern statt, die auch die Möglichkeit hatten, ausgestellte Alt-Traktoren zu besichtigen. Aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums der Betriebshalle der Dreschgemeinschaft hatte die Hüseder Back-Gemeinschaft Brotspezialitäten und Platenkuchen am Dorfplatz im dortigen Backhaus zubereitet – der Verkauf fand im Versammlungsraum der Dreschgenossenschaft statt. Angeboten wurde auch hausgemachter Pickert nach Wittlager Landart.

Eine echte Herausforderung

Für die Hüseder Dorfgemeinschaft eine Herausforderung, das umfangreiche Veranstaltungsangebot auf die Beine zu stellen. Schon Tage vorher hatte die Dreschgemeinschaft die großen Werkstatträume der einstigen Stellmacherei Hegener für die öffentliche Besichtigung aufbereitet. Fritz Hegener, der selbst beim väterlichen Betrieb das Stellmacherhandwerk erlernte und mit den Tischlern und Zimmerleuten einst im Bohmte die Berufsschule besuchte, führte alle interessierten Besucher durch die große Werkstatt, in der in der Blütezeit bis zu neun Mitarbeiter beschäftigt waren.

Von Ackerwagen zu Bussen

In drei Generationen wurde die Stellmacherei betrieben, 1953 erfolgte schleichend die Aufgabe, nachdem eisenbereifte Ackerwagen nicht mehr benötigt wurden. Zum Schluss erfolgte  im Betrieb Hegener noch Karosseriebau, indem für Omnibusse Holzrahmen-Karossen gefertigt und diese mit Blechen verkleidet wurden. Ein sieben PS-Motor trieb über eine Welle an der Decke mit mehreren Transmissionsriemen bis zu sieben Holzbearbeitsmaschinen an, jedoch nur jeweils zwei konnten gleichzeitig betrieben werden.

Hauptaufgabe der Stellmacher war es einst die Radnarben und die eisenbereiften Räder der bäuerlichen Ackerwagen herzustellen. Auch die Esse, also die offene Feuerstelle, zum Schmieden der Eisenringe gehörte zur Ausstattung der Stellmacherei. Der hohe Schornstein mit einem rund 36 Zentimeter starken Mauerwerk erinnert daran, dass dieses Handwerk einst einen „goldenen Boden“ besaß, heute jedoch nicht mehr benötigt wird.

Standort ausnahmsweise gewechselt

Das Hüseder Backteam versorgte die Besucher mit gewohnt guter Backware, etwa Kürbisbrot mit eingearbeitetem Kürbismus vom Hokadio, Rosinen- und Körnerbrot aber auch Blechkuchen mit unterschiedlichen Belägen. Sonst findet der Verkauf am Dorfplatz statt, diesmal im Versammlungsraum der Dreschgenossenschaft.

Die Preise von einst in D-Mark. Foto: Eckhard Grönemeyer

Pickertbacken live

Pickert wurde auf den Pickertplatten, die auf den alten mit Holz beheizten Küchenmaschinen standen, zubereitet. Besucher hatten die Gelegenheit zu sehen, dass hier nicht vorgefertigte Pickertscheiben aufgebacken werden, sondern dass Kartoffeln vor Ort geschält und gerieben wurden. Es qualmte kräftig, aber das gehört zum traditionellen Pickertbacken, wobei die Pickertplatten nur mit Speckscheiben eingerieben werden. Gerne wird Pickert mit Butter, mit Apfelmus oder Rübenkraut gereicht.

Foto: Eckhard Grönemeyer

Viele Alt-Traktoren, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte gab es zu besichtigen. Technisch Interessierte konnten mit den Eigentümern der Fahrzeuge fachsimpeln. Am Nachmittag wurde wie gewohnt die Dreschmaschine in Gang gesetzt, angetrieben mit einem Transmissionsriemen. Die Kraft lieferte ein Lanz-Buldog. Ein ganzes Fuder Weizen musste gedroschen werden, Olaf und Christof Wenig „fütterten“ die Dreschmaschine mit den aufgeschnittenen Garben. 

Bindemäher im Einsatz

Vor wenigen Wochen war eine Fläche Weizen mit einem Bindemäher gemäht worden von den Aktiven der Dreschgemeinschaft. Die trockenen Garben wurden dann wie traditionell auf einen eisenbereiften Wagen aufgeladen, die Ladungssicherung erfolgte mit einem Bindebaum. Der beladene Wagen wurde in einer bäuerlichen Remise untergestellt, damit Körner und das Stroh nicht nass wurden. So staubte es erheblich beim Abdreschen, und die Arbeitskräfte erfreuten sich an kühlen Getränken. 

Nachjustieren erforderlich

Was den Zuschauern auffiel war, dass der Transmissionsriemen anfangs nicht richtig rund lief, so dass hier die fachkundigen Handwerker der Dreschgemeinschaft nachjustieren mussten. Übrigens kostet ein solcher dreißig Meter langer Riemen bis zu 2000 Euro. Das ausgedroschene Getreide erhielt der Hüseder Landwirt, der die Weizenfläche der Dreschgemeinschaft zur Verfügung gestellt hatte. Den Mitgliedern der Dreschgemeinschaft wurde harte Arbeit über Stunden abverlangt. Sie hatten jedoch vorgesorgt und sich bei der Vesper, dem zweiten Frühstück, an einem üppigen Frühstücksbuffet auch mit Grillhaxen gestärkt. 

Übrigens: Die Dreschgemeinschaft würde sich über Nachwuchskräfte freuen, die sich aktiv in die technische Arbeit einbringen wollen – hieß es beim Abdreschen.


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