Vom Hunsrück ins Wittlager Land "Mehr Natur, bitte" wünscht sich Bärbel Ossowski aus Barkhausen

Die Brennnessel ist eine Heilplanze, die aber nicht in jedem Garten gern gesehen ist. Bärbel Ossowski weiß ihren Wert zu schätzen. Foto: Cornelia MüllerDie Brennnessel ist eine Heilplanze, die aber nicht in jedem Garten gern gesehen ist. Bärbel Ossowski weiß ihren Wert zu schätzen. Foto: Cornelia Müller

Barkhausen. Im Garten von Bärbel Ossowski in Barkhausen sind Wildkräuter willkommen. Deren bunte Blüten sind nicht nur schön anzusehen, sie erhalten auch die Artenvielfalt.

Am Osterberg 3. Hier wohnt Bärbel Ossowski. In einem kleinen Holzhaus, das aussieht wie ein Gartenhaus. Rund um das Häuschen grünt und blüht es. Hier zeigt sich die Natur in ihrer Üppigkeit, nicht in Reih und Glied. Hier blühen rosafarbene Acker-Kratzdistel und blaue Kugeldistel, Dost und Flockenblume, Veilchen und Schafgarbe, Salbei und Nachtkerze. Lauter Wildpflanzen.  

Die Kugeldistel sieht nicht nur hübsch aus, sie lockt auch Bienen und andere Insekten an. Foto: Cornelia Müller

Aus Raupen werden Schmetterlinge

Auch Pflanzen, die als Unkraut gelten und bei anderen Gärtnern Kopfschütteln und Naserümpfen ernten, haben hier in Barkhausen ihren Platz – die Brennnessel zum Beispiel. Weil die Pflanze „Energie pur“ sei, so die 77-jährige Gärtnerin, und Futterpflanze für immerhin 40 verschiedene Tagfalter-Raupen. „Jeder findet Schmetterlinge schön, aber vorher sind es Raupen. Und denen nützt kein Schmetterlingsflieder, sondern die brauchen anderes.“ Ungedüngte Grasflächen. Wildpflanzen. Brennnesseln.

Energie pur: Die Samen der Brennnessel lassen sich auch in der Küche nutzen. Foto: Cornelia Müller

Bärbel Ossowski ist in der Natur groß geworden, wie sie sagt. Auf einem Hof in Schleswig-Holstein, sehr ländlich, mit vielen Tieren. „Mein Opa hat mir die Natur nahe gebracht und alles gezeigt.“ Von ihm habe sie auch ihren Wissensdurst und ihre praktische Veranlagung: „Bis heute baue ich meine Vogelkästen zum Teil selbst.“

Nach dem Studium der Veterinärmedizin und einem Auslandsaufenthalt in England arbeitete die Tierärztin viele Jahre lang auf einem Schlachthof. „Das war Knochenarbeit, aber ich bin ein Mensch, der gern anpackt, und habe mich dafür eingesetzt, dass dort mit den Tieren möglichst gut umgegangen wurde.“

Kleines Holzhaus mit Garten

Von Schleswig-Holstein aus verschlug es die Naturfreundin in den Hunsrück, wo sie 10 Jahre lang gutmütige und robuste „Tennessee Walking Horses“ züchtete, und von dort ins Wittlager Land und nach Barkhausen. „In der Zeitung stand damals: Kleines Holzhaus in einem Garten zu vermieten. Daraufhin habe ich mich vorgestellt und konnte einziehen.“ Der Garten sei seinerzeit noch „ziemlich kahl“ gewesen, erinnert sie sich. „Also habe ich alsbald in Absprache mit meiner Vermieterin begonnen, das zu ändern.“

Unzählige Wildpflanzen erfreuen das Auge und die Tierwelt. Foto: Cornelia Müller

Die ersten Pflanzen habe sie als „Blumentopfgarten“ aus dem Hunsrück mitgebracht, alles weitere sei später als Steckling oder Ableger hinzugekommen. „Nichts Gekauftes“, betont die Pflanzenliebhaberin. Und vor allem keine Exoten, denn: „Was hier lebt, braucht das, was hier wächst.“ Die ganze Natur sei eine große Kette. „Wenn man ein Glied herausnimmt, fällt der Rest herunter.“

Ameisen sind willkommen

Ihr Garten ist ein Paradies für Insekten. Für Raupen, aus denen einmal Schmetterlinge werden. Für Bienen, Schwebfliegen und Hummeln. Für Ameisen, die dort ungestört einen Ameisenhügel errichtet haben. Auch für die Vögel, die sich von den Insekten ernähren. Und schließlich für die Besitzerin des Gartens selbst und alle, die vorübergehen und sich an der lebendigen Vielfalt erfreuen.

Lebendige Vielfalt wichtig

Dass genau diese lebendige Vielfalt immer weniger wird, sieht Bärbel Ossowski mit Sorge. Sie beklagt den übermäßigen Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat: „Die Natur hat eine große Pufferkapazität, aber nicht endlos. Die Schäden sieht man erst nach Jahren oder Jahrzehnten, manchmal nach Generationen.“ Schon jetzt gebe es immer weniger Schmetterlinge und Vogelarten und sie habe auch schon mitansehen müssen, wie junge Schwalben im Nest verhungert seien, weil es nicht genügend Insekten für sie zu fressen gegeben habe.

Vögel und Insekten wissen Wasserstellen im Garten zu schätzen. Der in die Tränke gelegte Stein dient Insekten als sicherer Landeplatz. Foto: Cornelia Müller

Der Mensch müsse wieder lernen, die Zusammenhänge der Natur zu verstehen und mit der Natur, nicht gegen sie, zu arbeiten, ist Bärbel Ossowski überzeugt. Mit ihrem persönlichen Garten Eden will sie einen Beitrag dazu leisten und wünscht sich von anderen: „Nachmachen, bitte“. Also nicht immer alles „schier“ machen im Garten und am Straßenrand, sondern einer heilsamen Wildnis Raum geben. 

Am Parkplatz am Friedhof

Blühstreifen seien ein guter Anfang. „Ich habe auch schon mit unserem Ortsvorsteher Uwe Schnittker gesprochen, am Parkplatz am Friedhof eine kleine Fläche zu lassen, wo Wildpflanzen stehen bleiben dürfen.“ Denn: „Die Natur braucht uns Menschen nicht. Wir brauchen die Natur.“


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