Schafstall-Regionale bis 29. Juli Nachhaltige Kleidungskunst im Schafstall in Bad Essen

Von Christa Bechtel

Die ausstellenden Kleidungskünstler der 3. Schafstall-Regionale: Annette E. Schneider (v.l.), Katrin Stallmann, Thorsten Pohle, Ina Pohle-Holz, Peggy Mewes. Es fehlt Christiana Claas. Foto: Christa BechtelDie ausstellenden Kleidungskünstler der 3. Schafstall-Regionale: Annette E. Schneider (v.l.), Katrin Stallmann, Thorsten Pohle, Ina Pohle-Holz, Peggy Mewes. Es fehlt Christiana Claas. Foto: Christa Bechtel

Bad Essen. Unter dem Motto „Upcycling – Von der Kunst des nachhaltigen Kleidens“ lädt die 3. Bad Essener Schafstall-Regionale bis zum 29. Juli donnerstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr an nachhaltiger Kleidung/Schmuck-Interessierte ein

Veranstalter ist der Kur- und Verkehrsverein Bad Essen in Kooperation mit dem Kunst und Museumskreis Bad Essen. Für den musikalischen Rahmen sorgte zur Eröffnung das Zucker-Ei Duo - Rita Klinkert und Claus Leffler.

Wir freuen uns ganz besonders, dass wir wieder die Sommerpause im Schafstall füllen dürfen“, erklärte zur Begrüßung Luisa Korte von der Tourist Info. Für das Thema „Nachhaltigkeit“ – auch ganz im Sinne der Fair-Trade- und Cittaslow-Town Bad Essen – habe man verschiedene Kleidungskünstler eingeladen. Gleichzeitig wies sie auf den Secondhand-Markt im Séparée sowie auf die Taschen aus Plastiktüten von Christiana Claas. Im lockeren Gespräch stellte Annette Ludzay, Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins Bad Essen, die Ausstellenden und ihre Intentionen vor.

Luisa Korte von der Tourist Info hieß die Besucher im Bad Essener Schafstall zur 3. Schafstall-Regionale willkommen. Foto: Christa Bechtel


Studentischen Seminararbeiten 

Ein besonderes Herzstück der Ausstellung sind die studentischen Seminararbeiten aus dem Bereich „Textiles Gestalten“ der Universität Osnabrück, die Annette E. Schneider von „Paletot Mode im Loft“ Osnabrück mit einigen Studenten kreiert hat. Zwölfjährig begann Annette Schneider Bettlaken zu zerschneiden oder zerlegte getragene Oberhemden ihres Vaters, um daraus ihre Kleidung zu nähen. „Das, was ich unter gutem Design verstehe, muss architektonisch klar konstruiert sein, es muss bequem tragbar sein. Es muss für die Frau von heute sein, die sich nicht zehnmal am Tag umziehen kann, es muss morgens bis abends funktionieren. Und, das ist für mich das Allerwichtigste: Ich arbeite gegen den Wettlauf mit der Zeit, was in unserer Branche das Normale ist“,  erklärt die Modedesignerin ihre Beweggründe, wie sie ein Design entwickelt.

 „Das eine Gültigkeit über eine lange Zeit hat.“ Der zweite Teil ihrer Ausstellung beinhaltet die  besagten Bühnenkostüme zu Shakespeares „Sturm“ aus recycelten Materialien. „Dafür haben wir Materialien wie Nessel oder alte Buchseiten benutzt, die eigentlich weggeworfen wären.“

Bühnenkostüm zu Shakespeares „Sturm“ aus recycelten Materialien. Foto: Christa Bechtel


„Zum Upcycling gekommen bin ich, weil ich Modedesign in Bielefeld studiert habe“, erläuterte Katrin Stallmann von „tragbar“ aus Bielefeld. Schnell klar sei ihr nach ihrem Studium gewesen: „Wenn ich angestellt bin werde ich Sachen produzieren, die irgendwo auf dem Boden liegen – und niemand wird es wertschätzen“, veranschaulichte sie, wie ihr Label „tragbar“ entstand. Weiter ergänzte sie: „Ich habe dann angefangen, erste Secondhandteile zu kaufen und die umzuarbeiten. Dafür müssen die Qualität, die Bequemlichkeit, der Stil und das Design passen.“

Zur Sache

Workshops
Parallel zur Schafstall-Regionale finden verschiedene Workshops statt: Unter dem Motto „Alter Schmuck in neuem Glanz“ gestaltet Peggy Mewes am Freitag, 5. Juli, 18 bis 21 Uhr, in ihrem Atelier am Kirchplatz mit den Teilnehmern aus vorhandenen Ketten oder Broschen (bitte mitbringen) ein neues Schmuckstück (20 Euro pro Person plus Material). Am Samstag, 20. Juli wird Katrin Stallmann von 14 bis 18 Uhr im Schafstall Bad Essen mit maximal 10 Teilnehmern aus einem Hemd eine Bluse oder ein Kleid kreieren (20 Euro inklusive Material). „Pelz Upcycling“ – lassen Sie sich beraten! lautet am Samstag, 27. Juli von 11 bis 17 Uhr mit Thorsten Pohle die Devise im Schafstall. Dieser Workshop ist kostenfrei; Anmeldung 05232-3033.


Thorsten Pohle und Ina Pohle-Holz führen das Unternehmen „Pelzmode Pohle“ in Lage in vierter Generation. „Wir haben das Pelzhandwerk schon in unserer Kinderzeit kennengelernt, als es sich zu einem Massenprodukt aufgebaut hat. Aber: „Seit 25 Jahren gibt es im Raum Osnabrück kaum noch Kürschner und in Lippe sind wir die letzten“, ging er auf das aussterbende Handwerk ein. Doch: „Wir haben uns gesagt, dass wir immer umgearbeitet haben, weil es das nachhaltigste Kleidungsstück der Welt ist. Es hat eine Lebensdauer von bis zu 60 Jahren.“ Sie hätten sich dann gefragt: Was kann man für einen Stoff nehmen, der auch noch nachhaltig ist? „Den wir mit den Pelzen kombinieren können.

Taschen aus Plastiktüten von Christiana Claas. Foto: Christa Bechtel


So sei 2018 die Idee geboren worden: „Wir machen etwas aus alten Armeezelten, denn ich brauchte einen wetterfesten Stoff. Zudem ist der Pelz verhüllt“, so Pohle mit Blick auf die verschiedenen Jacken-/Mäntel Kreationen. „Die man in das Jahr 2019 transportieren kann.“ Aus alten Nerzmützen stellt der Kürschner sogar Teddys her.

Kreierte Kleidung von Katrin Stallmann von „tragbar“ aus Bielefeld. Foto: Christa Bechtel


Peggy Mewes von „Kleinodien“ Bad Essen hat schon als Kind ihre Leidenschaft entdeckt, Schmuck zu basteln. Deshalb wählte sie den Weg, Goldschmiedin zu werden. Seit mittlerweile 14 Jahren besteht ihr Geschäft am Kirchplatz in Bad Essen und im 12. Jahr ihre Zweigstelle an der Dielinger Straße in Osnabrück. „Ich finde das faszinierend, denn es verbinden sich mein Design, meine Ideen mit den Wünschen der Kunden“, so die Schmuckdesignerin.

Nachhaltig kaufen

Zur Ausstellung präsentiert sie einzigartig ausgewählte Schmuckkreationen, die mal Familienschmuck waren Alles in allem eine Ausstellung, die zu Inspirationen anregt, um aus alter Kleidung oder Schmuck Neues zu kreieren. „Hier kann sich jeder für seinen eigenen Kleiderschrank, für seine eigenen Möglichkeiten Anregungen holen und schauen, was geht. Und wir haben neben den Exponaten auch Informationen dazu: wo gibt es eine Internetadresse, einen Laden oder einen Anbieter, der auch upgecycelte Dinge macht oder faire Kleidung verkauft“, so Annette Ludzay, die es mit den Kleidungskünstlern schön findet, dass sich das Bewusstsein der Konsumenten ändert, die da sagen: „Wir wollen nicht mehr so viel verbrauchen  – wir wollen nachhaltig kaufen. 


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