Viele Begegnungen in 50 Jahren Enge Verbindung zwischen Wittlager und Bolbecer Familien

Von Christa Bechtel

Karsten Dreinhöfer (links) wurde von Bürgermeister Dominique Metot mit einem Buch ausgezeichnet. Foto: Christa BechtelKarsten Dreinhöfer (links) wurde von Bürgermeister Dominique Metot mit einem Buch ausgezeichnet. Foto: Christa Bechtel

Bolbec. Am 5. Oktober 1969 begründeten der Bürgermeister von Bolbec und der Landrat des Landkreises Wittlage im Rathaus von Bolbec mit der Unterzeichnung einer Urkunde ihre Partnerschaft. Ein Jahr später wurde am 3. Mai 1970 auf der Burg Wittlage die Partnerschaftsurkunde auf deutscher Seite unterzeichnet, sodass die Städtepartnerschaft der drei Gemeinden Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln im Altkreis Wittlage und der französischen Stadt Bolbec in diesem Jahr und 2020 ihr 50-jähriges Bestehen feiern können.

In Frankreich fanden dazu jetzt die offiziellen Feierlichkeiten statt. Dabei machte sich eine gut 60köpfige Reisegruppe mit den drei Bürgermeistern Timo Natemeyer, Klaus Goedejohann und Rainer Ellermann an der Spitze auf den Weg, um an diesem Jubiläum teilzunehmen. Darunter einige, die seit teilweise über 50 Jahren mit dabei sind.

„Während unserer ersten Fahrt 1969 nach Bolbec war der Bus lange nicht so komfortabel wie heute. Wir haben sogar in Dinant in Belgien übernachtet - einschließlich Landrat Dr. Hans Massmann und Oberkreisdirektor Willy-Ernst Nernheim“, erinnert sich Dieter Spanger aus Bohmte, der weiter schmunzelnd erzählt: „Wir hatten von der Sparkasse alle Wechselgeld in französischen Franc bekommen. Am nächsten Morgen im Hotel stellte Dr. Massmann fest, dass sein Umschlag mit Geld fehlte. Später fand man ihn im Papierkorb.“ In Bolbec sahen Brigitte und Dieter Spanger zum ersten Mal ihre Gasteltern, das Ehepaar Le Breton. Noch ahnten sie es nicht, aber die Freundschaft hält bis heute an. „Wir haben alles mitgemacht wie Kommunion der Kinder oder diverse Freudenfeste“, zählt Spanger auf, der sich von Beginn an für die Partnerschaft engagierte.

Jean Pierre Blondel gehört zu den Mitbegründern der Partnerschaft Bolbec-Wittlage. Foto: Christa Bechtel


„Vor 50 Jahren war ich im Jugendorchester der Realschule Bad Essen mit Harry Jahns an der Spitze. Bei der Gründung der Partnerschaft waren wir mit dem Orchester eingeladen, in Bolbec zu spielen“, denkt Irmhild Köster aus Venne bis heute gerne an dieses besondere Ereignis zurück. Damals sei sie in die Familie Latron mit fünf Kindern gekommen. „Die konnten kein Wort Deutsch und ich konnte ein bisschen Schul-Französisch“, sagt sie lächelnd. An diesen ersten Besuch sollten sich noch viele anschließen. „Ich bin sehr dankbar, dass ich nach wie vor die Kinder dieser Familie treffen kann. Das finde ich sehr schön, weil das erinnert und zusammenbindet.“

Die unterzeichnete Partnerschaftsurkunde. Foto: Christa Bechtel


„Vor 50 Jahren war ich elf Jahre alt und habe an dem Austausch im Mai 1970 in Wittlage teilgenommen. Ich gehörte damals zu einer Volkstanzgruppe und wir haben zur Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde getanzt“, erzählt Martiné Gille, seit Dezember 1990 Vorsitzende des Comités d‘Echanges Inter-Nations in Bolbec. Ab September 1969 hatte sie „Deutsch“ als erste Fremdsprache. Untergebracht war sie bei Familie Kroll, „die zwei Söhne haben. Alle sprachen Englisch; damit hatte ich noch nicht begonnen, sodass ich Deutsch sprechen musste. Ich habe dann mit ganz einfachen Sätzen für die anderen übersetzt“, schildert die 61-Jährige, die ihren Deutschlehrer Charles Maurant an ihrer Seite hatte, der 21 Jahre Vorsitzender des Comités war, das 1967 gegründet wurde.

 „Der Anfang der Partnerschaft war ein Austausch zwischen dem Jugend-Rotkreuz von Wittlage mit Hanns-Eberhard Dreinhöfer und einigen anderen“, blickt Martiné Gille zurück, die von ihrem ersten Besuch im Wittlager Land sowohl von der Kultur, als auch von der Gegend sehr beeindruckt war.

„Vor 52 Jahren hatte ich keine Lust, Französisch zu lernen. Hanns-Eberhard Dreinhöfer (beim Landkreis Wittlage als hauptamtlicher Jugendpfleger angestellt und Mitbegründer der Partnerschaft) war bei uns und sagte zu meinen Eltern: ‚Wir suchen Quartiere für 30-40 Franzosen, die im Sommer kommen.‘ Meine Eltern sagten sofort zu, obwohl ich „Nein“ sagte. Dann kamen die Franzosen an und es war eine ganz tolle Stimmung“, schwärmt Jutta Lange-Lücht aus Bad Essen.

Ins Moor gerutscht

Bei einem dieser Ausflüge rutschte sie mit Prof. Dr. Karsten Dreinhöfer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Orthopädie in Berlin, ins Moor. „Sehr peinlich – und meine spätere Gastmutter Marie Huguette Mus hat gesagt: ‚Das Mädchen kommt zu uns.‘ Damit fing alles an und seitdem bin ich mit Familie Mus befreundet“, erläutert die Lehrerin im Ruhestand, die 1969 mit ihren Eltern und Geschwistern nach Bolbec zu Familie Mus fuhr. „Damals haben wir eine Woche lang die Vorarbeit wie Fahnen nähen geleistet – und dann war eine Riesenfete.“

Zur „l´Armada“, dem Großseglertreffen in Rouen, konnten die Wittlager Gäste die schönsten Segelschiffe nebst Begleitprogramm genießen. Foto: Christa Bechtel


„Ich freue mich darüber, weil ich meinen Vater früher oft verpasst habe. Oder nicht gesehen habe, weil mein Väterchen diese Partnerschaft mit aufgebaut hat, betont Karsten Dreinhöfer, der zum Jubiläum extra aus Berlin angereist war. „Ich war das erste Mal 1965 in Bolbec in einem VW Käfer. Traumhaft! Als kleiner Vierjähriger habe ich mich nur unter dem Tisch versteckt“, erzählt Dreinhöfer. In den 60er Jahren sei einer der französischen Jungs zu ihnen nach Bad Essen gekommen.

Ein Essen nach dem anderen

 „Er wollte vor der Armee fliehen und nicht im Algerienkrieg mitkämpfen, hat für ein Jahr bei uns gewohnt – und wurde mein großer französischer Bruder.“ 1969 sei für ihn das größte Fest gewesen, „was ich bisher erlebt hatte. Es dauerte acht Stunden und es gab ein Essen nach dem anderen.“ Was bis heute übrigens so geblieben ist….


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