Es tut sich was im alten Gemäuer Glockengeläut und ein „Escape-Room“ bald in der Burg Wittlage

Vor dem Abnehmen: So saß der Glockenturm auf dem Dach. Foto: Lars HerrmannVor dem Abnehmen: So saß der Glockenturm auf dem Dach. Foto: Lars Herrmann

Bad Essen. Wann genau die Glocke der Wittlager Burg verstummt ist, lässt sich kaum noch herausfinden. Manche der ganz in der Nähe lebenden Anwohner schätzen, dass es 10 oder 15 Jahre her sein könnte. Fakt ist aber: Schon in wenigen Wochen wird sie wieder läuten. Und einen Escape Room wird es auch bald geben.

Die neuen Besitzer der Burg, die Verantwortlichen der Kinderhaus-Wittlager-Land-gGmbH, haben die Glocke vor rund einer Woche vom Turm nehmen lassen, um sie restaurieren und bald wieder draufsetzen zu können. Doch nicht nur das: Auch eine der alten dunklen Gefängniszellen im drei Meter dicken Burggemäuer wird bald als „Escape Room“ für Live-Abenteuerspiele genutzt werden. Start soll im September sein (siehe auch: "Offizielle Einweihung mit vielen Gästen auf der Burg Wittlage").

Foto: Thomas Achenbach

Gruselig ist es hier oben im Inneren des Burgturms durchaus. Tote Vögel liegen auf dem staubüberdeckten hölzernen Zwischenboden. Ein Turmfalke beäugt einen mürrisch durch das Drahtfenster. Und in den alten Gefängniszellen, die den Gerüchten zufolge sogar in den 50er Jahren, zumindest aber im Zweiten Weltkrieg noch genutzt worden sein sollen, ist es stockdunkel, sogar am hellichten Tag. 

Foto: Thomas Achenbach

Warum in einer der Zellen ein alter Knochen liegt – der aussieht wie ein menschlicher Beinknochen -, hat auch noch keiner herausgefunden. Immerhin ist ein Draht darin befestigt, also vielleicht ist er nur eine Attrappe. Bald sollen sich hier eingesperrte Rollenspieler an ihrer Befreiung versuchen können, wie Lars Herrmann als Pressesprecher beschreibt. Denn eine der Zellen wird in Kürze zu einem „Escape Room“ umfunktioniert. An der dazugehörigen Rätselgeschichte, die die Spieler dann lösen müssen, wird derzeit gearbeitet. Was darin eine wichtige Rolle spielen wird: Die Historie der Burg Wittlage. 

Foto: Thomas Achenbach

Wieviel Geschichte in diesem Gemäuer steckt, zeigt sich hier und da an vielen Details. Einer der hölzernen Querbalken, die im Oberbereich des Burgturm-Inneren verbaut sind, trägt die Jahresbezeichnung 1769 – zu diesem Zeitpunkt war die Burg bereits 460 Jahre alt. Und die alte und mittlerweile stehengebliebene Turmuhr, die ebenfalls in Kürze wieder laufen soll , ist im Jahre 1887 eingebaut worden - mitsamt des dazugehörenden Uhrwerks, das ebenfalls bald repariert wird.

Foto: Thomas Achenbach

So hatte es der Kinderland-Geschäftsführer Tim Ellmer kürzlich bei der Wiedereinweihung angekündigt:

„Die Glocke soll noch in diesem Sommer läuten!"

Am Dienstag vor einer Woche erfolgte der erste Schritt in Sachen Glocken-Reparatur: Den einfach auf das Dach des Burgturms aufgesetzten kleineren Glockenturm haben Bauarbeiter mit Hilfe der Maschinen von Hoff Kranbetrieb aus Vechta von der Spitze abgenommen. 

Foto: Lars Herrmann

Aktuell sind zwei Unternehmen dabei, die Restaurierung voranzutreiben: Die Firma Heinrich Düvel aus Hunteburg hat einen neuen Glockenturm gebaut, der auch schon fast fertig ist. Das Restaurieren der Glocke selbst sowie des dazugehörenden Uhrwerks im Turminneren übernimmt die Firma Korffhage aus Melle – jenes Unternehmen, das schon 1887 für den Ersteinbau gesorgt hatte. 

Über diese Mechanik sind Uhrwerk und Uhr miteinander verbunden. Foto: Thomas Achenbach

Die einzige Neuerung wird sein: Das Uhrwerk bekommt einen Motor für das automatische Aufziehen. Das hatte bis vor einigen Jahren noch ein Mitarbeiter händisch vornehmen müssen. Die Arbeiten sollen schon bald abgeschlossen sein: Geplant ist, dass Ende Juni Glocke und Uhr wieder eingebaut und funktionsfähig sind.  

Foto: Lars Hermann

Gefördert wird die insgesamt rund 20 500 Euro teure Maßnahme mit einer Finanzspritze der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung (NBU) – diese gibt zur Sanierung des Glockenturms 16 200 Euro dazu. Aber nicht nur der Turm soll wieder mit neuem Leben gefüllt werden, sondern auch alle anderen zur Burg gehörenden Gebäude. 

Foto: Thomas Achenbach

So will das Kinderhaus Wittlager Land das ehemalige Amtshaus daüfr benutzen, dort Schulklassen und andere Übernachtungsgäste unterzubringen, im Heuerhaus hat ein Inklusionscafé den Betrieb aufgenommen, und in der ehemaligen Rentei wird eine Wohngruppe für Kinder und Jugendliche Platz finden, die bislang in Bissendorf-Ellerbeck untergebracht ist. Die Kinder werden mächtig stolz sein, dass sie sich bald als Burgbewohner fühlen dürfen, sagt Lars Herrmann schmunzelnd.  

Blick aus dem oberen Turmfenster auf das Wittlager Land. Foto: Thomas Achenbach

Doch auch die allgemeine Bevölkerung soll wieder verstärkt auf die Burg eingeladen werden: „Wir planen auf dem Gelände regelmäßige Veranstaltungen wie Begegnungsfeuer, Sommerfest, Weihnachtsmarkt und Turmführungen“, wird Tim Ellmer vom Kinderhaus Wittlager Land in einer Pressemitteilung zitiert. Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung fördert eigenen Angaben zufolge Umwelt- und Naturschutzprojekte sowie Projekte zugunsten der Entwicklungszusammenarbeit und der Denkmalpflege.  


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