Kunst des nachhaltigen Kleidens Schafstallregionale Bad Essen startet in dritte Runde

Von Christa Bechtel

Andreas Arlinghaus Deutschmann, Annette Ludzay und Luisa Korte statteten jetzt der Modedesignerin Annette Schneider (2.v.r.) in ihrem Atelier „Paletot Mode im Loft“ in Osnabrück einen Besuch ab. Foto: Christa BechtelAndreas Arlinghaus Deutschmann, Annette Ludzay und Luisa Korte statteten jetzt der Modedesignerin Annette Schneider (2.v.r.) in ihrem Atelier „Paletot Mode im Loft“ in Osnabrück einen Besuch ab. Foto: Christa Bechtel

Bad Essen. In diesem Jahr geht es vom 29. Juni bis 29. Juli in die dritte Runde der beliebten Ausstellungsreihe der „Schafstallregionale“. Diesmal lautet das Thema „Upcycling – Von der Kunst des nachhaltigen Kleidens“. Die Ausstellungseröffnung ist am Freitag, 28. Juni, 20 Uhr, im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße

Längst ist das bewährte Schafstallregionale-Team mit Michael von Jakubowski, Andreas Arlinghaus Deutschmann, Thomas Bochniak, Luisa Korte und Annette Ludzay in die heiße Vorbereitungsphase getreten. Erst kürzlich statteten sie den Ateliers „Paletot Mode im Loft“ in Osnabrück (Modedesignerin Annette Schneider) sowie „tragbar – Mode & Textil Uycycling“ in Bielefeld (Katrin Stallmann) einen Besuch ab.

 „Für die Ausstellung ist uns wichtig: Wo werden Dinge überhaupt produziert? Und Annette Schneider ist da ein gutes Beispiel dafür, dass sie die Kreationen entwirft, aber auch direkt vor Ort produziert. Und ein Auge darauf hat, dass die Stoffe, die sie einkauft, fair produziert und aus natürlichen nachhaltigen Materialien sind“, stellt Annette Ludzay, Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins Bad Essen heraus.

Vor gut 28 Jahren hatte Annette Schneider die Idee, ihr Atelier „Paletot Mode im Loft“ in Osnabrück zu eröffnen. „In meinem ersten Leben habe ich ‚Geisteswissenschaften‘ auch mit großer Leidenschaft studiert. Da ich aber schon mit zwölf Jahren begann, meine Kleidung selbst zu nähen, habe ich nach Abschluss meines Studiums das zu meiner Profession gemacht und ein zweites Studium in Hamburg an der Modedesign Akademie angeschlossen, um mich dann sofort selbständig zu machen“, erläutert sie ihren Werdegang.

Gegen schnellen Verbrauch

Seitdem Annette Schneider Kleidung herstellt versucht sie, dem Trend ‚Mode‘, nämlich dem schnellen Verbrauch mit dem schnellen Werte- und Zeitverfall entgegenzuwirken, indem sie Kleidung kreiert, die eine lange Zeit überdauern darf. „In jeder Hinsicht, sowohl von der ästhetischen Ausstrahlung, als auch von der Funktionalität und natürlich auch von ihrer Qualität – sowohl von der Verarbeitung, als auch vom Material“, betont die Modedesignerin. 

Zudem ist ihr wichtig, „dass ich für meine Stoffe gerade stehe.“ Daher beschränkt sie sich auf Materialien, „die ausschließlich in Europa hergestellt werden, weil ich da weiß, unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen sie gemacht werden. Und lege schwerpunktmäßig Wert darauf, dass sie auch zertifiziert sind“, listet Schneider auf, die aber auch mit sehr kleinen und sehr qualitativen deutschen Webern zusammenarbeitet. Das Herz ihrer Tätigkeit ist für die Osnabrückerin: „Dass ich meine Kleidung selbst entwerfe, alles sozusagen aus meiner Feder fließt, also vom Entwurf bis zur Fertigstellung ist alles in meiner Hand. Die Produktion übernehmen meine beiden Schneiderinnen.“

Hier stellt Annette Schneider zwei Teile aus der aktuellen Frühjahr-Sommer-Kollektion „Licht + Schatten“, die zu einem Outfit kombiniert wurden, vor. Foto: Christa Bechtel


Zur Schafstallregionale wird sich Annette Schneider mit ihrer aktuellen, aber auch mit Stücken aus vergangenen Kollektionen präsentieren. „Den Schwerpunkt werde ich auf Nachhaltigkeit legen“, akzentuiert die Designerin. Seit über einem Jahr ist sie auch Dozentin an der Universität Osnabrück, Fachgebiet „Textiles Gestalten“. Schneider: „In meinem ersten Seminar sind Theaterkostüme für das Shakespeare-Stück „Der Sturm“ gestaltet und produziert worden. Vier davon haben wir tatsächlich realisiert – ausschließlich aus Wegwerfmaterialien, nämlich gebrauchter Bühnennessel und Buchseiten aus gelesenen Büchern. Das ist als Theaterkostüm in einer Naturweiß-Ästhetik umgesetzt worden, die ebenfalls in Bad Essen gezeigt werden.“

Katrin Stallmann, die das Atelier „tragbar“ in Bielefeld betreibt, möchte während der Schafstallregionale darauf hinweisen, dass der Konsum – besonders im Bereich „Mode“ so nicht weiter gehen kann. Foto: Christa Bechtel


Beim nächsten Besuch im Atelier „tragbar“ in Bielefeld stellte Katrin Stallmann dar, dass sie die „Schafstallregionale“ als eine Möglichkeit ansieht, um darauf hinzuweisen, dass der Konsum so nicht weiter gehen kann. Besonders im Bereich Mode. Daher zeigt sie Ideen auf, möchte damit aber nicht belehren, sondern inspirieren. „Jeder kann ein kleines Stückchen ändern und dabei in verschiedenen Bereichen ansetzen, zum Beispiel eben in der Mode“, sagt die Designerin. Ihre Philosophie: „Durch Upcycling wird gebrauchten Wertstoffen mittels Veränderung, Erneuerung und Kreativität eine neue Ästhetik und Wertigkeit zugefügt, so dass diese Ressourcen nicht ungenutzt als Ausschuss entsorgt werden.“

Mit Workshops

Momentan wächst das Projekt „Schafstallregionale“ noch. So ist zurzeit als weiterer Aussteller Thorsten Pohle im Gespräch, der aus alten echten Pelzen neue modische Kleidung herstellt. Worauf man des Weiteren gespannt sein darf, sind die Pläne für begleitende Workshops. Die Bad Essenerin Schmuckdesignerin Peggy Mewes wird beispielsweise „Alter Schmuck im neuen Glanz“ anbieten oder Katrin Stallmann „Vom Hemd zum Kleid“. „Da sitzen noch einige Überraschungen drin, sodass man insgesamt auf die Ausstellung mehr als gespannt sein darf“, sagt Annette Ludzay.


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