Erste Autolackiererei im Altkreis Wittlage Malermeister Heinrich Wlömer aus Lintorf verzierte Bauwerke und Urkunden

Blick vom Waldrand auf die Ortschaft Lintorf in den 1950er Jahren – Ölgemälde von Heinrich WlömerBlick vom Waldrand auf die Ortschaft Lintorf in den 1950er Jahren – Ölgemälde von Heinrich Wlömer

Lintorf. Etwa 200 Bildmotive auf Leinwand schuf der Malermeister Heinrich Wlömer, der am 17. August 1909 in einem kleinen Fachwerkhaus an der Lintorfer Kirchhofsburg geboren wurde. Er verzierte außerdem Gebäude, Urkunden und Autos.

Er war auch als Schriftenmaler geschätzt und viele seiner Schriftdokumente zierten Sakralbauten, öffentliche Gebäude und Urkunden. Seine künstlerische Schaffenskraft verband er mit seinem Malerbetrieb, der mit seinem Wohnhaus bis heute in der Ortsmitte von Lintorf im ehemaligen Apothekergarten zu finden ist und in dritter Generation weiterbetrieben wird.

Heinrich Wlömer. Repro: Eckhard Grönemeyer


Nach der Schulentlassung erlernte Heinrich Wlömer bei dem damaligen Meisterbetrieb Hermann Vocke an der einstigen Bahnhofsstraße, heute Nikolaistraße, in Bad Essen das Malerhandwerk. Hermann Vocke war selbst ein begnadeter Künstler, der viele Bilder mit Motiven aus dem Wittlager Land schuf, und der Wlömer inspirierte, sich nicht nur als Maler zu betätigen, sondern auch künstlerisch. 

In der Meisterschule in Osnabrück erkannten seine Ausbilder seine fachlichen und künstlerischen Fähigkeiten und förderten ihn. Mit Pinsel und Farbe konnte er umgehen und er erlernte perspektivisches Zeichnen während der Meister-Ausbildung. So begann er alsbald erste Motive auf die Leinwand zu bringen.

Bilder aus Kriegszeit

Seine Ehefrau Elly, geborene Korsmeyer, hatte Heinrich Wlömer in seinem Lehrbetrieb Vocke in Bad Essen kennen gelernt. Während der Kriegszeit war er in Norwegen eingesetzt. Die Winterlandschaft dort in ihrer Klarheit faszinierte ihn, so dass er als Soldat einige Bilder auf Leinwand 1943 anfertigte und diese mit der Post nach Hause schickte. Die Bilder kamen an und hängen noch heute in den Wohn- und Geschäftsräumen der Tochter Erika Kiparski.

Bei der Verlegung an die russische Kriegsfront wurde der Militärzug, in dem sich auch Wlömer befand, von Tieffliegern angegriffen und beschossen. Schwer verletzt kam Heinrich Wlömer in ein Lazarett in Lübeck und später nach Osnabrück, wo die britischen Streitkräfte nach Kriegsende die Besatzungszone verwalteten. Heinrich Wlömer hat diese schwere Kriegsverletzung mit den Folgeschmerzen wahrscheinlich vor dem Tod an der gefürchteten russischen Kriegsfront oder den sibirischen Gefangenenlagern bewahrt. 

Erste Autolackiererei im Altkreis

Gemeinsam mit seiner Ehefrau baute Wlömer direkt in der Ortsmitte von Lintorf auf einem etwas ansteigenden Gelände kurz nach der Währungsreform sein Wohnhaus, angeschlossen eine kleine Werkstatt und ein damals kleiner Papierladen. 

Er gründete auch die erste Autolackiererei im Altkreis Wittlage. Zunächst ganz primitiv auf der Diele seines Wohnhauses wurde Anfang der 1950er Jahre von ihm der erste VW-Käfer mit der geteilten Heckscheide lackiert. Die Kinder durften nicht auf die Diele, weil der Autolack noch trocknen musste; nur ein Huhn kam durch das Katzenloch und lief einmal längs über Haube und Dach und hinterließ im frischen Lack mit den Hühnerkrallen einen „tiefen Eindruck“. Was heute womöglich als künstlerisches Design gelten würde, musste damals mühsam abgeschliffen, gespachtelt und neu lackiert werden. Fortan kam kein Huhn mehr auf die Diele.

Lintorf verbunden

Heinrich Wlömer gestaltete Urkunden und viele Sakral- und öffentliche Gebäude mit besonderen Wandschriften. Fotos: Eckhard Grönemeyer


Heinrich Wlömer verstarb am 7. April 1978 im Alter von nur 67 Jahren, sicher an den Spätfolgen seiner Kriegsverletzung, die ihm zeitlebens ein Handicap war. Seine künstlerische Schaffenszeit währte gut 30 Jahre, in denen er Ölgemälde wie Landschaftsbilder, Bauwerke, dies auch oft als Auftragsarbeiten, Stillleben und Blumenmotive, schuf. Verzierte Schriften auf Dokumenten, Urkunden und großformatig an und in Gebäuden waren eine weitere Spezialität. Seiner Lintorfer Heimat war Wlömer sehr verbunden, zeitweise auch als Mitglied im Gemeinderat und in örtlichen Vereinen und Institutionen.


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