Lukas Barban mag Gewitter Hobby-Meteorologe erforscht das Wetter im Wittlager Land

Das Gewitter in Hördinghausen fotografierte Lukas Barban am 30.August 2015. Die Blitze schlugen in nördlicher Richtung in Levern ein. Foto: Lukas BarbanDas Gewitter in Hördinghausen fotografierte Lukas Barban am 30.August 2015. Die Blitze schlugen in nördlicher Richtung in Levern ein. Foto: Lukas Barban

Hördinghausen. Die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes sind Lukas Barban aus Bad Essen-Hördinghausen zu ungenau. Er fährt Gewittern hinterher und veröffentlicht seine Prognosen auf seiner Facebook-Seite "Wiehengebirgswetter".

Von Beruf ist Lukas Barban Schornsteinfeger, aber das Wetter fasziniert ihn bereits seit Kindertagen. Als der 26-Jährige mit elf Jahren auf seinem Kettcar durch Hördinghausen gefahren ist, "schlug ein Blitz in unmittelbarer Nähe von mir ein", berichtet Barban. "Ich hatte natürlich Angst, aber gleichzeitig war ich total fasziniert. Ich wollte wissen, wann Gewitter entstehen."

Schornsteinfeger Lukas Barban ist Hobby-Meteorologe. Foto: Jana Henschen

Er fing an, das Wetter zu beobachten, und als er weniger Kind und mehr Jugendlicher war, begann er Wetterkarten zu lesen. "Ich bin kein mega Profi, aber ich kann das Wetter ein bisschen erklären", so der Hobby-Meteorologe. Die Isobare, also Verbindungslinien zwischen Orten gleichen Luftdrucks, zeigen Tief- und Hochdruck an. An der Art, wie sich ein Tiefdruckgebiet dreht, könne man gut erkennen, in welche Richtung sich ein Tiefdruckgebiet bewegt.

Mit Rad zum Gewitter

Das Gewitter in Hördinghausen (24.06.2016) zieht in Richtung Osten ab. Foto: Lukas Barban

Als Jugendlicher ist er mit seinem Fahrrad dem Wetter und besonders gerne Gewittern hinterhergefahren. "Einmal in der Bohmterheide tat es echt weh", sagt er. Dort habe er gesehen, wie die dunklen Wolken auf ihn zukamen – bis das Unwetter direkt über ihm war und die Hagelkörner auf ihn prasselten. Komplett durchnässt sei er dann nach Hause gefahren. "Aber ich bin mit einem Lächeln nach Hause, weil es für mich ein Kick war und interessant." Seine Eltern wussten von seinem Hobby, hätten ihn aber nicht abhalten können, aufs Rad zu steigen oder nachts aufzustehen, um Blitze am Himmel zucken zu sehen.

Nachtblitz in Hördinghausen am 9. Juni 2014. Foto: Lukas Barban


Mit 14 Jahren wettete er mit zwei Lintorfern: "Am Nachmittag um, sagen wir, 15.30 Uhr wird Schnee liegen." Der Wetterdienst hatte für diesen Tag keinen Schnee vorhergesagt. "Natürlich gehörte da auch ein bisschen Glück dazu, aber es hat geklappt", blickt Barban zurück und grinst.

Wetter am Wiehengebirge

Die Wettervorhersagen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) seien auf größere Regionen wie beispielsweise das südliche Niedersachsen bezogen und träfen deshalb nicht so gut das Wetter am Wiehengebirge. Als Beispiel nennt er den Starkregen am 26. August 2010. Der DWD habe eine Niederschlagsmenge von 40 bis 80 Millimeter (mm) für die nächsten 36 Stunden im Landkreis Osnabrück vorhergesagt. Während im Wittlager Land 180 mm herunterkamen (zum Vergleich fielen sonst 60 bis 70 mm Regen im Monat), kamen in Steinfurt fast 300 mm Regen in 36 Stunden.

"Das Wiehengebirge trennt das Wetter. Schauer schaffen es oft nicht über den Berg."Lukas Barban

Er sagt: "Osnabrück liegt hinter dem Berg und das Wittlager Land oder Lübbecke davor." Deshalb hat er Anfang des Jahres auf Facebook die Seite "Wiehengebirgswetter" erstellt, auf der er den Menschen im Wittlager Land und allen am Wiehengebirge Wetterprognosen gibt und bei Rückfragen gerne erklärt, wann ein Phänomen wie eine Windhose entsteht.

Böenfront morgens in Hördinghausen am 10. Juni 2014. Foto: Lukas Barban

In seinem Facebook-Post am Freitag, 29. März, schreibt er:


Er nutzt das Wetterradar des DWD und die Karten und Hinweise auf der Internetseite von "wetteronline.de" oder der Seite von Jörg Kachelmann. Eine Wetterwarnung würde er nicht herausgeben. "Das kann nach hinten losgehen und unnötig Angst verbreiten", erklärt Barban.

Schlechte Handy-Apps

Zu den Prognosen von Handy-Apps sagt er: "Das passt zu 80 Prozent nicht, vor allem bei einem Sturmtief oder Gewitter." Man könne da zwar die Postleitzahl eingeben und im Display stünde Bad Essen oder Hördinghausen, aber tatsächlich gibt es in Bad Essen keine Wetterstation, sondern die nächsten sind in Rahden und Belm. Die Wetterprognosen aus Osnabrück treffen seiner Meinung nicht auf das Wittlager Land zu. Allein im Landkreis Osnabrück könne das Wetter sehr unterschiedlich sein. Oft sei nur ein regionaler Streifen beispielsweise von einem Sturm oder einem Gewitter betroffen.

Neben dem Interesse an der Entstehung des Wetters, kam das der Fotografie dazu. "Ich habe meinen Vater gefragt, wie man Blitze fotografieren kann und er meinte 'das ist ganz schwierig'. Ich habe es dann ausprobiert und auch geschafft." Wie das folgende Bild von einem Nachtblitz in Wimmer eindrucksvoll zeigt:

Nachtblitz am 14.06.2016 in Bad Essen-Wimmer. Foto: Lukas Barban

Auch die Milchstraße hat er mit seiner Kamera fotografiert, indem er mit Kurz- und Langzeitbelichtung die Szene einfing und mehrere Bilder schoss, die er in einem Fotobearbeitungsprogramm zusammenlegte, damit die Milchstraße schärfer zu sehen ist. 2,5 Stunden habe die Bearbeitung gedauert.

Die Milchstraße fotografierte Lukas Barban in der Nacht am 3.Oktober 2013 auf dem Preußisch Oldendorfer Aussichtsturm. Foto: Lukas Barban


Die Meteorologie und Fotografie betreibt er als Hobby, weil ihm bei der Berufsfindung damals davon abgeraten wurde und so sagt der Schornsteinfeger, der im Namen des Glücks unterwegs ist: "Wenn es ein Hobby ist, dann macht es mehr Spaß."


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