Neele Pettig hofft auf viele schöne Rollen Bad Essenerin ist Schauspielerin und Sängerin aus Leidenschaft

Von Christa Bechtel

Die Bad Essenerin Neele Pettig wollte immer Schauspielerin und Sängerin werden. Inzwischen hatte sie bereits  einige interessante Engagements.  Foto: Christa BechtelDie Bad Essenerin Neele Pettig wollte immer Schauspielerin und Sängerin werden. Inzwischen hatte sie bereits einige interessante Engagements. Foto: Christa Bechtel

Bad Essen. Immer wenn die Bad Essenerin Neele Pettig in ihrer Kindheit Filme sah, wo Kinder mitspielten, wuchs in ihr der Wunsch: Das möchte ich auch machen. Ihre Liebe zur Bühne entdeckte sie über den Gesang im Bad Essener Grundschulchor bei Thekla Schäfer. Es blieb nicht beim Wunsch.

Inzwischen hatte sie Engagements am Theater Rudolstadt, bei den Bad Hersfelder Festspielen, im „Hamlet“ in der Opernwerkstatt am Rhein, in der „Dreigroschenoper“ am Staatstheater Wiesbaden oder im „Faust 2“ am traditionsreichen Schauspiel Frankfurt, dem größten Sprechtheater in der Rhein-Main Region, das als überregional profilierte Bühne auch deutschlandweit beachtet wird. 

„Das waren für mich die Anfänge – und dann hat sich das so eingenistet. Es war immer ein Traum von mir“, blickt Neele Pettig zurück. Im Urlaub in Spanien habe sie das erste Mal auf einer Bühne gestanden. „Wir sind angekommen und dann war ich zwei Wochen als Fabius in „Arielle“ im Theater. Als wir wieder abreisten, waren alle braun, nur ich nicht“, erzählt sie lachend. 

Bühnenreife

Nach ihrem Abitur, das sie 2010 am Carolinum Osnabrück absolvierte, begann sie im Februar 2011 ihre Ausbildung an der Wiesbadener Schule für Schauspiel (WSfS) zur Schauspielerin, die sie mit der „ZAV Bühnenreife“ 2014 abschloss. Von 2014 bis 2019 schloss sich ihr Studiengang Bachelor of Arts in Intermedia an der Universität Köln an und sie absolvierte von 2009 bis 2011 eine Gesangsausbildung.

Schauspiel Frankfurt

„Mein erstes größeres Engagement war am Schauspiel Frankfurt unter Günter Krämer. Da waren wir als Studentinnen der Mädchenchor im „Faust 2“, die große Bühnenluft schnuppern durften“, erklärt sie. Direkt nach der Ausbildung sei sie in einer kleinen Rolle in der „Dreigroschenoper“ am Staatstheater Wiesbaden gewesen. „Bin aber währenddessen schon nach Köln gezogen, wo ich mein Zweitstudium begonnen habe“, so Pettig, die seit 2016 im „Hamlet“ in der Opernwerkstatt am Rhein die Ophelia spielt. „Dort darf ich sehr viel singen. Das ist sehr schön, weil es das erste Mal ist, dass ich Gesang mit Schauspiel verbinden kann. Das liegt mir sehr am Herzen“, betont die 28-Jährige, die seit 2017 auch sehr viele Synchronisierungen übernommen hat. „Das ist ebenfalls eine Herzensangelegenheit, was ich sehr gerne mache, auch mit Gesang“.

Auswendiglernen ist ein Muss

Wie bereitet Neele Pettig sich auf ihre Rollen vor? „Der größte Schritt ist, die Rolle zu bekommen. Da hat man seine Vorsprechrollen für das Theater, die man spielt und da ist die Vorbereitung. Einfach versuchen, Spaß zu haben und über nichts nachzudenken, als über die Situation, in der man gerade ist. Um wirklich frei zu sein, zu spielen“, antwortet die junge Schauspielerin. Wenn sie Castings für Film und Fernsehen hat, bekommt man meistens Texte für die Rollen. "Da ist es super wichtig, die Texte so gut zu können, dass man nicht darüber nachdenken muss“, weist sie darauf hin, dass das Auswendiglernen ein Fleißpart ist. 

Danach würde man schauen, in welcher Zeit lebt die Figur, was sind die wichtigen Punkte, was die Krisenherde, was beschäftigt die Figur gerade? Pettig: „Man muss Entscheidungen treffen, mutig sein und sich für einen Weg entscheiden, den man dann geht. Und ich finde, dass man auch den nötigen Abstand braucht, um manchmal erkennen zu können, warum eine Figur das macht, um es dann spielen zu können. Aber man muss auf jeden Fall die Figur lieben, egal wie böse sie ist.“

Harten Zeiten

Gab es in ihrer Schaupiel- und Gesangskarriere Ereignisse, die ihr besonders haften geblieben sind? „Es gab viele negative Sachen, gerade in der Theaterbranche. Was für mich hart war: Als ich mit 23 Jahren aus der Ausbildung kam, dass dann Rollenabsagen kamen, weil ich schon zu alt für die Rollen war. Das muss man schlucken“, sagt sie. Gerade am Theater gebe es viele Sachen, die heftig und hart seien. Der Grund: „Es ist nicht viel Geld da, und wenn es da ist, ist es nicht für die Schauspieler. Da muss man den Job sehr lieben.“ Weil es da sogar hin bis zu persönlichen Beleidigungen und Angriffen gehe, wenn der Stress groß ist. „Man muss sich immer wieder klar machen: Ich bin trotzdem was wert. Ich bin ein Mensch und wenn es zu viel ist, muss ich was sagen. Auch wenn das heißen kann, dass dieser Regisseur nie wieder mit mir arbeitet, weil ich mich gewehrt habe“, plaudert sie aus dem „Theater- und Filmkästchen“. 

Kleine tolle Momente

Genauso habe es schöne Erlebnisse gegeben. „Vor allem die Freundschaften, die man schließt, und die Vorstellungen, die man spielt – und jede ist anders. Aber auch die gemeinsame intensive Zeit; man weint zusammen, man lacht zusammen und irgendwann bringt man dieses ‚Baby‘ auf die Bühne. Da gibt es viele kleine tolle Momente, denn sonst bleibt man auch nicht dabei.“ 

Kann man davon leben? „Jein. Man muss sehr viel arbeiten, sehr viele Stücke parallel in der freien Szene machen, um davon leben zu können. Im Festengagement kann man davon leben. Und wenn man viel dreht, viel Synchro macht oder Sprecher ist, geht es auch. Aber die wenigsten Schauspieler in Deutschland drehen soviel, dass sie davon leben können. Es ist ein harter Job“, weiß sie inzwischen.

Viele Wünsche

Wünschen würde sich Neele Pettig: „Dass es für Frauen gleichberechtigt wird, denn sie bekommen immer noch weniger Gage am Theater. Dass die Leistung mehr zählt und weniger die Leute, die man kennt. Und dass in der Filmwelt in Deutschland ein bisschen mehr gemischt wird, sodass auch unbekannte Gesichter zu sehen sind. Ansonsten  – dass viele schöne Rollen auf mich warten.“


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