Langer Atem gegen Schnellstraße Grüne Kandidatin zu Gast bei Bad Essener Bürgerinitiative

Sprachen sich gegen die angedachte neue Trasse der B 65 aus: Lutz Mardorf, Luise von dem Bussche-Hünnefeld, die Landratskandidatin der Grünen, Anna Kebschull, Elisabeth Mardorf, Klaus Fricke, Philip von dem Bussche-Ippenburg und Lene von dem Bussche-Hünnefeld. Foto: Kerstin BalksSprachen sich gegen die angedachte neue Trasse der B 65 aus: Lutz Mardorf, Luise von dem Bussche-Hünnefeld, die Landratskandidatin der Grünen, Anna Kebschull, Elisabeth Mardorf, Klaus Fricke, Philip von dem Bussche-Ippenburg und Lene von dem Bussche-Hünnefeld. Foto: Kerstin Balks

Harpenfeld. Am 26. Mai wählt der Landkreis Osnabrück einen neuen Landrat oder eine neue Landrätin. Die Bürgerinitiative "Stoppt die B 65 neu" nimmt dies zum Anlass, die Kandidaten einzuladen – um die Argumente gegen den Bau der neuen Trasse vorzustellen und, umgekehrt, die Position der Politiker zum Thema kennenzulernen. Den Anfang machte jetzt die Kandidatin der Grünen, Anna Kebschull.

"Wir sind nicht gegen die Wirtschaft, aber wir wollen die Unsinnigkeit der Meldelinie darstellen", dies klarzustellen war das Anliegen von Philip von dem Bussche im Gespräch mit Anna Kebschull, der Kandidatin der Grünen für die Landratswahl 2019. Eine Umgehungsstraße für Wehrendorf sei durchaus sinnvoll, rechtfertige jedoch in keiner Weise das weiträumig angelegte Vorhaben. 

Auch wenn es erwartungsgemäß bei der grünen Politikerin keiner Überzeugungsarbeit bedurfte, so waren es doch ausschließlich Sachargumente, die diskutiert wurden. Besagte Meldelinie, wie die im Bundesverkehrswegeplan gelistete Trasse heißt, führt teilweise durch Landschaftsschutzgebiete, durch zusammenhängende landwirtschaftliche Nutzflächen und durch ein Wassergewinnungsgebiet. Sie würde durch Zubringerknoten weitere Flächen zerschneiden und widerspreche zudem, so die Auffassung der Bürgerinitiative, dem touristischen Selbstverständnis der Gemeinde Bad Essen als Città Slow.

Anna Kebschull, die sämtlichen Argumenten beipflichtete, verwies zudem auf die besonderen geologischen Gegebenheiten: Wie auch bei der jüngsten Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative vorgetragen, plant der Wasserverband Wittlage nämlich die Beantragung des betroffenen Trinkwassergebietes als Wasserschutzgebiet. Ein ausgewiesenes Wasserschutzgebiet aber, so Kebschull, würde die Machbarkeit der angedachten Trasse erschweren. 

Stärkung der Schiene

Sie sieht die Zukunft in der Stärkung der Schiene – sowohl für den Güter- wie auch für den Personenverkehr. Das Hafenprojekt dürfe ohnehin nicht ohne Gleisanschluss gedacht werden; der ÖPNV im Landkreis müsse ausgebaut werden. Dafür beabsichtige sie sich als Landrätin stark machen. Auch wolle sie, so sie denn gewählt werden sollte, die Argumente gegen die neue B 65 "auf politischer Ebene höher platzieren", schließlich sei Osnabrück ein großer Landkreis, dessen Landrat oder Landrätin auf jeden Fall gehört werde. Darüber hinaus müsse man die "verwaltungsrechtlichen Stellschrauben nutzen" und Gespräche mit dem Bund, den Ländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und den Verkehrsträgern führen – für ein besseres Verkehrskonzept, das die Trasse letztlich überflüssig mache. Kebschull lobte die Bürgerinitiative "Stoppt die B 65 neu": Mit bürgerschaftlichem Engagement, mit transparenten Prozessen und Teilhabe lasse sich viel bewegen – "auch wenn man einen langen Atem braucht", den die Initiative aber offensichtlich besitze.

Weitere Gespräche mit den Kandidaten der anderen Parteien, Michael Lübbersmann (CDU), Horst Baier (SPD) und Frank Vornholt (unabhängig) finden in den kommenden Wochen statt; am Samstag, 11. Mai, lädt die Bürgerinitiative wieder zu ihrem Schnatgang. Er wird voraussichtlich in Hünnefeld beginnen und in der Remise von Ippenburg enden.



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