Außergewöhnliche Tiere in Rabber Mal was anderes auf dem Grill: Bad Essener verkaufen Straußenfleisch


Bad Essen. Hähnchen, Schwein oder Rind landen häufig auf dem Grill oder in der Pfanne. Wie wäre es mal mit etwas außergewöhnlicherem Fleisch? Im Bad Essener Ortsteil Rabber züchten Jörn und Christina Vogelpohl Strauße im Nebenerwerb. Ab Mai werden die Jungvögel geschlachtet. Das Fleisch verkaufen die jungen Eltern anschließend in ihrem Hofladen.

Auf der Weide neben dem Haus der Vogelpohls lassen sich die Jungtiere die Sonne auf ihr Gefieder scheinen. Gemütlich stolzieren sie umher – bis sich zwei Ziegen einen Spaß erlauben und auf die Strauße zurennen. Die Vögel stieben auseinander, flattern mit den Flügeln und laufen aufgescheucht umher. Als die Ziegen die Lust verlieren, kehrt Ruhe ein.

Jörn und Christina Vogelpohl sehen dem Treiben gelassen durch das Küchenfenster zu. Seit 2015 betreiben sie auf ihrem Hof in Rabber die Straußenzucht im Nebenerwerb. Es ist ein Hobby, das sich selbst finanziert, wie die beiden sagen. Dass sie auf den Strauß gekommen sind, sei Zufall gewesen. Nachdem sie den Hof von Jörns Eltern übernommen hatten, wollten sie die große Weidefläche nutzen. „Eigentlich wollten wir erst schottische Highland-Rinder nehmen“, sagt der 32-jährige Jörn Vogelpohl. Ein Bekannter habe ihn dann auf Strauße aufmerksam gemacht. Und zufällig wollte der Züchter aus Alfhausen, bei dem sich das Ehepaar umsah, seine Tiere abgeben. Die Vogelpohls schlugen zu und übernahmen die vier Zuchttiere.

Heute sind Lady, Ebby und Rowdy etwa sechs Jahre alt. 

Foto: Nadine Grunewald

Von ihrem Hahn, dem vierten Zuchtvogel, mussten sich die Vogelpohls vor Kurzem trennen. „Der war nicht ohne. Er ist richtig aggressiv geworden“, sagt Jörn Vogelpohl.

Mit einer Größe von drei Metern und einem Gewicht von 130 Kilo sei es auch ein besonders großes Exemplar gewesen. „Die Tiere können einen mit einem Tritt töten“, sagt Jörn Vogelpohl. Dennoch mögen sie ihre Tiere: ihre Art und ihr Wesen, und dass sie so treudoof sind. 

„Wenn die Sonne scheint, rennen sie auf die Weide und fangen an zu tanzen.“

Weil sie keinen Hahn mehr haben, müssen Vogelpohls die Eier in diesem Jahr erstmals dazu kaufen. Die Brutanlage, die in einem Gebäude auf dem Hof steht, baute der gelernte Maschinenbauer selbst. Gleich daneben befinden sich zwei Ausläufe, in denen die Küken nach dem Schlupf die erste Zeit verbringen, bevor sie auf die Weide dürfen. 

Derzeit müssen Vogelpohls täglich etwa eine Dreiviertelstunde für die Pflege der Strauße einplanen. In dieser Zeit füttern sie die Tiere, kontrollieren den Zaun und die Weide und schauen nach, ob die Strauße gesund sind. 

Seit der Hahn nicht mehr da ist, sei es recht ruhig geworden. Doch mit der Ruhe ist es vorbei, wenn der Nachwuchs geschlüpft ist. „Die Küken sind sehr anspruchsvoll“, sagt Christina Vogelpohl.

In den ersten Wochen dürfen die kleinen Strauße laut der 30-Jährigen nur klein geschnittenes Gras, gehackte Brennnesseln und Haferflocken essen. Langes Gras könnte sich um den Magen wickeln, die Tiere dann trotz vollem Magen verhungern. Und damit nicht genug: Scheint die Sonne zu stark oder ist es zu nass, müssen sie den Nachwuchs reinbringen. „Von alleine machen die das nicht. In der Natur würde sich der Hahn darum kümmern“, sagt Christina Vogelpohl.

Vögel werden mit einem Jahr geschlachtet

Klein bleiben die Tiere jedoch nicht lange. Als Küken wiegen sie laut Jörn Vogelpohl zwischen 600 und 700 Gramm. Nach einem Jahr erreichen sie ein Gewicht von etwa 100 Kilo. In dem Alter werden sie geschlachtet. Dafür bringen Vogelpohls die Tiere ab Mai zu einem Schlachthof nach Dinslaken, der Strauße schlachten darf. Derzeit leben sechs Jungtiere bei ihnen. Namen geben sie dem Nachwuchs im Gegensatz zu den Zuchttieren nicht, um keine zu starke Bindung zu den Tieren aufzubauen. Ganz leicht sei es trotzdem nicht, sie schlachten zu lassen, findet die 30-Jährige:

„Wenn es einem nicht leid tun würde, würde man sich auch nicht gut um die Tiere kümmern. Es kommt immer darauf an, wie man aufwächst. Ich komme von einem Vollerwerbshof und kenne das nicht anders.“

Einen Teil des Straußenfleisches verkaufen die Vogelpohls an ein Bad Essener Restaurant. Den Rest bieten sie in ihrem Hofladen an. Einige Kunden, die auf den Geschmack gekommen sind, würden regelmäßig Straußenfleisch bei ihnen kaufen. Die Verkaufstermine veröffentlichen Vogelpohls auf ihrer Internetseite. Zwischen 25 und 30 Kilo nutzbares Fleisch erhalten sie pro geschlachtetem Tier. Was nicht direkt verkauft wird, wird eingefroren. 

Das Fleisch kommt laut Jörn Vogelpohl komplett aus den Keulen. Es ist rot und sieht aus wie Rindfleisch. Vom Geschmack her ist es kräftiger als Rind, aber milder als Wild. „Es ist sehr gesundes Fleisch, sehr mager und fettarm. Und es ist zart und verträglich“, sagt der 32-Jährige. Seiner Empfehlung nach sollte die Garzeit ein Drittel kürzer sein als bei Rindfleisch. „Straußenfleisch sollte innen noch etwas rosa sein. Da muss man keine Angst vor Salmonellen haben. Wenn man es durchgart, ist es richtig zäh.“

Foto: Nadine Grunewald

Seit sie ihre Straußenzucht betreiben, essen Jörn und Christina Vogelpohl selbst auch mehr Straußenfleisch als andere Fleischsorten. Laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung aßen Deutsche 2017 im Schnitt rund 59,7 Kilogramm Fleisch. Das mit Abstand beliebteste stammt weiterhin vom Schwein. Geflügelfleisch erfreut sich demnach seit Jahren einer wachsenden Beliebtheit. Allerdings waren dem Statistischen Bundesamt zufolge 2017 unter den über 1,5 Millionen Tonnen geschlachtetem Geflügel lediglich 115,7 Tonnen Strauß. 

Der Vogel passt auf den Hof Vogelpohl – nicht nur wegen des Namens. Für den Eigenbedarf züchtet das junge Paar auch alte Hühnerrassen und pflanzt alte Tomatensorten an. Christina Vogelpohl: „Wir wollen die Vielfalt haben und die alten Sachen erhalten.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN