„The Chambers“ begeistern Konzert der Superlative in St. Nikolai Bad Essen

Von Christa Bechtel


Bad Essen. Nach zwei Stunden bebte die Kirche St. Nikolai in Bad Essen vom Stampfen, Pfeifen und Klatschten eines begeisterten Publikums. Auslöser für diese Begeisterungsstürme waren „The Chambers“ aus Köln, die ein Konzert der Superlative präsentiert hatten.

Und der Berliner Moderator von „Music Contact System“, Lutz Dollfusz, meinte nur lakonisch: „Niedersachsen – so viel Emotionen!“

Nachdem Hausherr Pastor Arnd Pagel die Besucher willkommen geheißen hatte, eröffneten „The Chambers“ ihr Programm voller Virtuosität, technischer Perfektion, aber auch mit hörbarer und sichtbarer Spielfreude mit dem „Winter“ aus Vivaldis „Die vier Jahreszeiten. Dabei kam das Schroffe und Harte dieser Jahreszeit mit Zähneklappern, Fußstampfen, klirrender Kälte und Eislaufen in f-moll daher. Der Mittelsatz stellt als Kontrast einen lieblichen, zarten Winterregen dar, wobei die sanfte Pizzicato-Begleitung der Solovioline von Artem Kononov auch an das Fallen von Schneeflocken erinnerte. Er ist es auch, der als Konzertmeister viele Stücke „runter“ arrangiert, da sie oft für Orchester geschrieben sind oder er komponiert neue.

Melodie und Harmonik

Teilweise hat Kononov sie auch für den Panflötisten Ion Malcoci speziell arrangiert. Wie die „Pavane op. 50“, die Gabriel Fauré 1887 für „Orchester mit Chor ad libitum“ schrieb. Mit der intensiven Expressivität einer schlichten Melodie und Harmonik, aber auch mit einer reichen Klangfarbenpalette zeichneten die Kölner die zart melancholische Atmosphäre nach. Mitgebracht hatte das Ensemble ebenfalls zwei bekannte Stücke von Pjotr Tschaikowski: „Souvenir d’un lieu cher“ (Erinnerung an einen geliebten Aufenthalt), das an das Landgut seiner Gönnerin Frau von Meck erinnert.

Später nach der Pause folgte dann der Marsch aus dem Ballett „Der Nussknacker“. Höchst eindringlich und mit überschäumenden Emotionen geriet ebenfalls die Interpretation von Paganinis Capriccio No. 24 und es war schon faszinierend, wie die Musiker aufeinander abgestimmt waren. In die Pause ging´s mit Bachs Konzert für Violine und Streicher G-moll BWV 1056.

Die „Teufelstrillersonate“

Giuseppe Tartinis Sonate G-moll wird auch die „Teufelstrillersonate“ genannt und ist seine berühmteste Violinsonate. Ein Glanzstück, mit dem „The Chambers“ vollends die Herzen ihres Publikums eroberten. Als Solist bestach bravourös Arsenis Sellalmasids, der geradezu Jubelstürme erntete. Während „Cockeye´s Song“ von Ennio Morricone und aus dem Film „Once upon a Time in America“ dominierte die Panflöte – und das Auditorium ließ sich von dieser Melodie einfach nur verzaubern.

Hervorragende Streicherkultur

Pablo de Sarasate gilt als der Inbegriff des mediterranen Geigenvirtuosen im späten 19. Jahrhundert. Musikgenuss pur bekamen die Besucher mit seiner Carmen Fantasy op. 25 serviert, die das Ensemble in ein besonderes Arrangement gesetzt hat. Feurig, mit viel Vitalität und Temperament fingen „The Chambers“ hier das spanische Kolorit ein – ein Höhepunkt im Programm. Mit Frische, Präzision und hervorragender Streicherkultur plus Melodika wollten sie als Schlusspunkt von Franz Liszt die „Ungarische Rhapsodie zu Gehör bringen. Doch ohne zwei Zugaben - „Fiddler on the Roof“ aus dem Musical Anatevka und „Moon River“ – ließ das begeisterte Publikum sie nicht gehen.


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