Serie „So klingt das Wittlager Land“ „Happy Jazz Society“ aus dem Altkreis gründete die lokale Jazz-Szene

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Spielen die Tanzmusik der 1920er: Posaunist Dieter Litsche (von links), Gründer Christian Hennig (Sousaphon), Lutz Schäfer (Banjo), Eddy Horn (Clarinette) und, Eckart Ditting (Cornet). Foto: Happy Jazz SocietySpielen die Tanzmusik der 1920er: Posaunist Dieter Litsche (von links), Gründer Christian Hennig (Sousaphon), Lutz Schäfer (Banjo), Eddy Horn (Clarinette) und, Eckart Ditting (Cornet). Foto: Happy Jazz Society

Bad Essen. Folk, Rock, Metal, Schlager und vieles mehr: Der Altkreis Wittlage hat eine große Bandbreite an musikalischen Projekten zu bieten – und wir stellen sie in unserer Serie „So klingt das Wittlager Land“ vor. In Teil fünf blickt die „Happy Jazz Society“ auf vierzig Jahre Bandgeschichte zurück und erzählt, wie sie zum Motor der lokalen Jazz-Szene avancierte.

„Während andere in unserem Alter sich zum Kegeln oder Golfspielen trafen, kamen wir damals zum Musikhören zusammen“, erinnert sich der Bad Essener Dieter Litsche (79) an die Ursprünge der „Happy Jazz Society“. Aus dem Musikhören wurde dann irgendwann Musikmachen – das war 1977. Sieben Freunde vereinte Gründer Christian Hennig damals in Bissendorf zur „Happy Jazz Society“. Das war der Anfang einer jahrzehntelangen Bandgeschichte.

„Jazz fiel aus der Reihe“

Erste Auftritte fanden privat bei Freunden oder auf Geburtstagen statt. „Wir hatten Spaß an der Musik, aber Jazz fiel aus der Reihe und war nicht so gefragt“, sagt Litsche. Gerade beim älteren Publikum war das Genre verpönt. „Uns wurde vorgeworfen ‘Neger-Musik‘ zu spielen“, sagt Posaunist Litsche. Das rührte natürlich noch aus Zeiten der Nazi-Propaganda, die die Musik aus Übersee per se verteufelte. Die Bandmitglieder empfanden das Improvisieren und freie Spiel ohne Noten dagegen eher als befreiend und ließen sich von der Kritik nicht beirren.

Noch in ihrem Gründungsjahr riefen sie in der Lagerhalle das Osnabrücker Dixielandmeeting ins Leben. 16 Jahre lang gaben sich Jazz-Größen aus ganz Deutschland und den Niederlanden dort jährlich auf der Bühne die Ehre. Mit der Zeit wurde deutlich: Die Skepsis gegenüber Jazz schlug in Begeisterung um. Dennoch war die Auswahl an Combos eher klein. „Lokal gesehen waren wir die Jazz-Szene“, schmunzelt Litsche. Dabei kam es der Band besonders zugute, dass ihre Mitglieder über Bramsche, Bad Essen, Bissendorf und Osnabrück verteilt waren. So hatte jeder sein Gebiet, in dem er nach Möglichkeiten für Auftritte wildern konnte. Und siehe da: Nach den schwierigen Anfangsjahren kamen die Angebote von ganz alleine.

„Es wird nie langweilig“

Nach über 40 Jahren besteht die Oldtime-Jazz-Band heute aus fünf Mitgliedern: Neben Litsche ist nach wie vor Gründer Christian Hennig am Sousaphon sowie Eddy Horn an der Clarinette und Eckart Ditting am Cornet dabei. Lutz Schäfer stieg im Januar 2018 ein und vertritt einen erkrankten Kollegen am Banjo. Für den Bad Essener Berufsmusiker nimmt der Jazz einen besonderen Platz unter den Musikgenres ein: „Es wird nie langweilig, diese Songs zu spielen. Durch die Improvisation entsteht immer wieder etwas Neues. Kein Stück wird morgen auf der Bühne genauso klingen wie heute.“ Litsche ergänzt: „Jazz ist Musik, die aus dem Bauch heraus gespielt wird. Wir spielen die Tanzmusik der 1920er Jahre, die früher wie heute Aufbruchstimmung vermittelt und viel Kreativität erfordert.“

Um die zahllosen Auftritte im In- und Ausland zu dokumentieren stellte die „Happy Jazz Society“ einen Bildband mit Zeitungsausschnitten und Konzertplakaten zusammen. „Wir sehen das als Dokumentation einer langen Freundschaft“, sagt Litsche. Auch die ersten Aufnahmen der Combo, die noch auf Vinyl gepresst wurden, dienen diesem Zweck. Aufgenommen wurde damals im heimischen Studio. Ein Nachbar hatte alte Ausrüstung vom NDR aufgekauft, mit der die ersten Stücke festgehalten wurden. Die Orte, an denen die Band aufgetreten sind, sind so vielfältig, dass sie sich gar nicht auf ein spezielles Highlight festlegen wollen.

Jam-Session am Flughafen

„Wir haben schon auf dem Brocken im Harz gespielt, mit Bundespräsident Wulff den Haller Willem eingeweiht und sogar als Begleitband auf einem Kreuzfahrtschiff gejazzt“ berichtet Litsche. Ein besonderes Erlebnis hebt er dennoch hervor: Die Band hatte einen Segeltrip entlang der türkischen Küste geplant, am niederländischen Flughafen Schiphol wurde jedoch am Tag der Abreise gestreikt. Stundenlang sei kein Flieger gestartet. Um sich die Wartezeit zu versüßen, holte die Band ihre Instrumente raus und startete eine spontane Jam-Session in der Flughafenhalle. „Dann rückten auf einmal einige Polizisten mit Knüppeln an“, erzählt Litsche. Als diese sahen, was vor sich ging, hätten sie jedoch gut gelaunt angefangen ihre Knüppel als Taktstöcke zu schwingen, anstatt die Musiker abzuführen. „Musik kann eben nichts kaputtmachen“, kommentiert Banjospieler Lutz Schäfer.

Dieter Litsche (links) und Lutz Schäfer von der „Happy Jazz Society“ präsentieren die ersten Schallplatten der Combo und einen Bildband zu der rund 40-jährigen Bandgeschichte. Foto: Bastian Rabeneck

Der nächste Auftritt der „Happy Jazz Society“ im Wittlager Land findet am Samstag, 19 Januar, in Bührmanns Deele in Bad Essen statt. Der Eintritt zu der Benefiz-Veranstaltung für Kinder beträgt 10 Euro, das Konzert beginnt um 18 Uhr. Außerdem lädt die Band jeden letzten Montag im Monat zu einer öffentlichen Probe ins Hotel Högers ein. Der nächste Termin ist der 28. Januar ab 20 Uhr.


So klingt das Wittlager Land

Dieser Beitrag ist Teil der Serie „So klingt das Wittlager Land“. Darin stellen wir in loser Folge Bands, musikalische Projekte und Solokünstler aus dem Altkreis vor. Wir reden mit ihnen über ihre Ziele und Träume als Musiker, was das faszinierende aber auch das schwierige am Musikmachen ist, und wie viel Zeit und Energie sie dafür aufbringen. Haben Sie selbst Vorschläge, welche Musiker einen eigenen Artikel bekommen sollte? Dann benachrichtigen Sie uns per E-Mail an b.rabeneck@noz.de.

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