Arbeit von sechseinhalb Jahren Was ein Forscher über Bad Essens Vergangenheit herausgefunden hat

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Die Keimzelle: Der Meyerhof bei der Bad Essener Wassermühle gilt als historischer Ursprung der Essener Mark beziehungsweise der heutigen Gemeinde. In dem Hauptgebäude befindet sich inzwischen eine Arztpraxis. Foto: Bastian RabeneckDie Keimzelle: Der Meyerhof bei der Bad Essener Wassermühle gilt als historischer Ursprung der Essener Mark beziehungsweise der heutigen Gemeinde. In dem Hauptgebäude befindet sich inzwischen eine Arztpraxis. Foto: Bastian Rabeneck

Bad Essen/Duisburg. „Bad Essen ist historisch hoch interessant.“ Das sagt einer, der es wissen muss. Der Historiker Jonas Hübner wurde kürzlich für seine Arbeit über die Essener Mark in Hannover mit dem Preis für niedersächsische Landesgeschichte ausgezeichnet. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt der 35-Jährige, was das Besondere an der alten Markgenossenschaft ist.

„Zuerst einmal findet sich im Osnabrücker Staatsarchiv ein großer Bestand an historischen Quellen, die Auskunft über die damaligen Verhältnisse in der Essener Mark geben“, erklärt Hübner. Genauer gesagt behandelt er in seiner Arbeit die Zeit vom späten 16. bis ins frühe 19. Jahrhundert. Die zahlreichen gut erhaltenen Schriftstücke bestärkten den Historiker in seiner Entscheidung, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Die Idee dafür kam jedoch von seinem Doktorvater, bei dem er an der Uni Duisburg-Essen promoviert. „Er hatte sich bereits mit Markgenossenschaften im 18. und 19. Jahrhundert beschäftigt“, sagt Hübner.

Gemeinschaftliche Nutzung

Eine Markgenossenschaft war übrigens ein Nutzungsverband, der mehrere ländliche Siedlungen umfasste. Charakteristisch für so eine Gemeinschaft war, dass landwirtschaftliche Flächen, Wälder, Weiden und Heiden im gemeinsamen Besitz aller Nutzungberechtigten waren. In der Essener Mark wurden in erster Linie die Viehweide, Brenn- und Bauholz sowie die Plaggen – die oberste Bodenschicht, welche als Dünger verwendet wurde – gemeinschaftlich genutzt.

So simpel ist zumindest die Theorie. Die Realität war jedoch vor dem Hintergrund einer ständischen Gesellschaftsordnung weitaus komplexer. Wer viel Land besaß, hatte auch das meiste zu sagen. Und das waren in der Essener Mark nun einmal das Osnabrücker Domkapitel sowie die Rittergüter Hünnefeld und Ippenburg. Dem nachgestellt waren die Bauern und darunter die Heuerlinge, die gegen Geld und Arbeit bei den Landwirten ein Stück Pachtland und ein Dach über dem Kopf bekamen.

„Anders als heute, wo vor dem Gesetz Gleichheit für alle herrscht, glaubte die Bevölkerung damals an eine gottgewollte Ordnung der Ungleichheit – und die wurde bei der Nutzung der Mark nach Kräften verteidigt“, sagt Hübner. In diesem Fall saß natürlich der am längeren Hebel, der ohnehin über umfangreichere Nutzungsrechte verfügte. „Bis zu den Agrarrerformen des 18. und 19. Jahrhunderts war dies ein sehr stabiles System, das selbst bei Streitigkeiten nicht infrage gestellt wurde“, erläutert Hübner seine Forschungsergebnisse. Erst die Reformen entbanden die einfachen Leute von ihren Verpflichtungen gegenüber den hohen Herren und beendeten die ständische Ungleichheit.

Altdeutsche Schrift

Fast fünf Monate studierte Hübner die alten Verwaltungsakten des Domkapitels und der Rittergüter, die eben solche Verhältnisse für das frühe Wittlager Land belegen. „Bis ich die Quellen in altdeutscher Schrift fließend lesen konnte, hat es allein drei Wochen gedauert“, sagt der 35-Jährige.

Gelernt hat Hübner in dieser Zeit zum Beispiel, dass die Essener Mark weniger und zugleich auch mehr als die heutige Gemeinde Bad Essen umfasste. Die Bauerschaften Essen, Eielstädt, Harpenfeld, Hüsede, Lockhausen, Rattinghausen, Wehrendorf sowie Hitz- und Jöstinghausen, Stirpe, Ölingen und Bohmte gehörten dazu.

Familiärer Bezug

Seit sechseinhalb Jahren beschäftigt sich der geborene Gütersloher nun schon mit der Essener Mark. Seit Abschluss seines Studiums der Geschichtswissenschaft an der Uni Bielefeld arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Duisburg-Essen. „Tatsächlich habe ich aber sogar einen familiären Bezug zum Landkreis Osnabrück“, sagt Hübner. Die Familie seiner Mutter stamme aus der Bauernschaft Drantum bei Melle.

Prämierter Historiker: Seit 2011 beschäftigt sich Jonas Hübner an der Uni Duisburg-Essen als Doktorant mit der Essener Mark. Foto: Photoshop Olfs

Auf die Auszeichnung für niedersächsische Landesgeschichte für seine Arbeit ist Hübner besonders stolz. „Beschäftigt man sich über so lange Zeit mit einem Thema, fängt man an, sich damit zu identifizieren“, erklärt der Historiker. Da sei die Freude groß, wenn diese Arbeit auch anerkannt wird und sich Interessenten melden. Einige Bad Essener hätten bereits angefragt, wann seine Arbeit zu lesen sein wird. Denen konnte er verkünden, dass er im kommenden Jahr dazu ein Buch veröffentlicht.


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