Waldspaziergang in Bad Essen Warum Waldbaden gut tut und nichts mit schwimmen zu tun hat

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Tut gut und entspannt: ein Waldbad. Luise Korte von der Touristinformation in Bad Essen ist Waldbademeisterin. Foto: Nadine GrunewaldTut gut und entspannt: ein Waldbad. Luise Korte von der Touristinformation in Bad Essen ist Waldbademeisterin. Foto: Nadine Grunewald

Bad Essen. Gewöhnliche Spaziergänge zwischen Bäumen gehören der Vergangenheit an. Der neue Trend heißt Waldbaden. Auch in Bad Essen kann man auf diese Weise in die Natur eintauchen und sich entspannen. Der Wald wirkt sich sogar positiv auf die Gesundheit aus. Ein Bad im Wald.

Das Laub raschelt unter unseren Füßen, beim nächsten Schritt knackt ein herabgefallener Ast, der auf dem weichen Boden liegt, und über uns am Himmel trillern Vögel. Sinneseindrücke wie diese wahrzunehmen, darum geht es beim Waldbaden, zu dem mich Luisa Korte von der Touristinformation in Bad Essen mit in den Wald nimmt. Die 26-Jährige ist ausgebildete Waldbademeisterin. Mit Schwimmen hat der Job jedoch nichts zu tun. 

„Das haben die meisten zuletzt als Kind gemacht.“Luisa Korte

„Es geht darum, in die Atmosphäre des Waldes einzutauchen“, erklärt Korte. Dazu lässt sie die Menschen, die sie zum Waldbaden mitnimmt, auch schon mal Dinge anfassen oder daran riechen: saftige Blätter im Sommer, nasses Laub im Herbst, Rinde oder Moos. „Das haben die meisten zuletzt als Kind gemacht“, sagt sie. 

Luisa Korte genießt die Waldbäder. Foto: Nadine Grunewald

Trend aus Japan

Waldbaden ist ein Trend, der aus Japan zu uns geschwappt ist. Dort heißt es „Shinrin Yoku“, was übersetzt so viel bedeutet wie baden in der Waldluft. In Japan wird das als Teil eines gesunden Lebensstils gepflegt und ist sogar fester Bestandteil der staatlichen Gesundheitsversorgung. Auch Peter Mayer, Leiter des Bundesforschungszentrums für Wald in Österreich, empfiehlt, sich selbst den Wald zu verschreiben. „Aufenthalte im Wald können sich ganz generell positiv auf unser Wohlbefinden auswirken, positive Emotionen steigern und negative verringern“, sagt er. Studien aus Asien ergaben, dass nach einem Spaziergang im Wald der Blutdruck der Testpersonen gesunken war, das Herz ruhiger schlug und sich die Muskeln entspannten. Um fundierte Aussagen über die Wirkung des Waldes auf die Gesundheit treffen zu können, bedarf es laut Mayer jedoch noch weiterer Forschungen.

Waldspaziergang seit einem Jahr in Bad Essen

Korte und ihre Kollegen haben das ursprüngliche Waldbaden, das bis zu drei Stunden dauern kann, auf die Bad Essener abgestimmt und ein wenig abgeändert. Hier heißt es Waldspaziergang. 

Auf dem Parkplatz des Bad Essener Schafstalls treffen sich die Teilnehmer der Waldspaziergänge. Foto: Nadine Grunewald

Die 26-Jährige führt die Teilnehmer im Wechsel mit drei Kolleginnen seit einem Jahr immer samstags für etwa eine Stunde in den Wald. „Eine Stunde hat eigentlich jeder Zeit“, sagt Korte. Die Übungen sind zudem weniger spirituell als sie es beim ursprünglichen Waldbaden zum Teil seien. Mitmachen muss diese niemand. Rund 100 Leute nahmen in diesem Jahr an den Waldspaziergängen in Bad Essen teil, neben Anwohnern auch Kurgäste. Manche von ihnen sind seitdem regelmäßig dabei. Ab Mai 2019 geht es wieder jeden Samstag in den Wald. Einen Sondertermin gibt es am 12. Januar: Nach dem winterlichen Waldspaziergang wird ein Glühweintrinken angeboten.

Waldbaden in Bad Essen

Sondertermin am 12. Januar 2019
In Bad Essen bietet die Touristinformation seit einem Jahr samstags Waldspaziergänge an. Diese dauern etwa eine Stunde und werden von Waldbademeisterin Luisa Korte oder einer ihrer drei Kolleginnen angeboten. Die Termine gibt die Touristinformation bekannt. Im kommenden Jahr geht es wieder im Mai los. Am 12. Januar gibt es aber einen Sondertermin: Da bietet die Touristinformation einen winterlichen Waldspaziergang mit anschließendem Glühweintrinken an. Die Waldspaziergänge finden unabhängig von der Teilnehmerzahl statt.
Treffpunkt ist der Parkplatz am Schafstall. Interessierte können ohne Anmeldung dorthin kommen. Die Teilnahme kostet drei Euro, mit Kurkarte ist sie kostenlos. Undatierte Tickets für die Waldspaziergänge können auch vorab in der Touristinformation gekauft werden.
Teilnehmer sollten sich passend kleiden, auf geeignetes Schuhwerk achten und eventuell etwas zu trinken mitnehmen. Grundsätzlich kann jeder mitkommen, es sei denn, die Person ist auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen. 

Gedankenreise und Meditationsübung

Unser Waldspaziergang beginnt nach einer kleinen Gedankenreise. Langsam setzen wir einen Fuß vor den anderen. Das ist das wichtigste am Waldbaden, sagt Korte: zu schlendern, nicht zu gehen. „Dabei kann man nach links und rechts gucken und viel mehr wahrnehmen. Allerdings fällt das Schlendern nicht allen leicht.“ Und tatsächlich: Nach jeder Unterbrechung, die wir einlegen, muss man sich erst wieder dazu zwingen, nicht in seinen normalen Tritt zurück zu fallen. Die erste Pause legen wir bereits nach wenigen Metern ein. Bei einer Meditationsübung an einer Weggabelung atmen wir tief ein und aus und versuchen, die Verkehrsgeräusche sowie das Vogelgezwitscher auszublenden und den eigenen Körper zu spüren. 

„Der Stress von der ganzen Woche ist danach verflogen.“Luisa Korte

Korte liebt es, durch den Wald zu gehen. Obwohl die Waldspaziergänge zu ihrer Arbeit gehören, nimmt sie diese nicht als solche wahr. „Ich kann mir da selber diese eine Stunde nehmen und entspannen. Der Stress von der ganzen Woche ist danach verflogen.“ Diesen positiven Aspekt betont auch Peter Mayer vom österreichischen Bundesforschungszentrum für Wald. In der heutigen sehr schnelllebigen Zeit, in der Phasen der Entspannung und Erholung viel zu oft zu kurz kämen, sei das Waldbaden eine Entspannungsmöglichkeit in der Natur. „Gepaart mit der Geräuschkulisse im Wald, dem typischen Waldgeruch, den für das Auge wohltuenden Farben und der Bewegung an der frischen Luft können sich solche Aufenthalte im Wald bestimmt positiv auf das allgemeine Wohlbefinden auswirken.“

Mayer zufolge wird angenommen, dass unter anderem ätherische Öle und andere Stoffe dafür verantwortlich sind, die manche Bäume absondern. Diese chemischen Verbindungen werden Terpene genannt. Laut japanischen Forschern sollen sie die menschlichen Abwehrkräfte stärken und zu einer erhöhten Produktion der weißen Blutkörperchen oder Killerzellen führen.

Den Wald entdecken

Terpene hin oder her: Es riecht herrlich im Wald an diesem schönen Wintertag. Gemächlich schlendern wir weiter, entdecken Schnitzereien in Stämmen und schön geformte Äste. Dann öffnet Korte ihren Rucksack, in dem sie neben einem Pflasterset und Wasser Material für eine weitere Übung aufbewahrt. Sie holt ein kleines Blatt Papier heraus, auf dem doppelseitiges Klebeband klebt. Mit Blättern, Erde, Moos, Tannennadeln und allem, was wir sonst noch im Wald finden, basteln wir eine Collage, fühlen, riechen und entdecken dabei den Wald. 

Der Wald auf Papier: Das Ergebnis der Waldcollage mit Nadeln, getrockneten Blättern und Moos. Foto: Nadine Grunewald

Inzwischen ist es ganz still geworden, nur die Bäume knarzen im Wind. Wir schauen nach oben und sehen zu, wie sich die Wipfel bewegen. Es wirkt entschleunigend. „Ich bin kein Baumumarmer, aber ich mag Bäume richtig gerne“, sagt Korte. „Wir Menschen sollten manchmal ein bisschen mehr so sein wie sie. Sie stehen in Gruppen zusammen, sind geerdet und keiner nimmt dem anderen das Licht weg.“

Positive Wirkungen setzen schnell ein

Nach einer knappen Stunde sind wir fast am Ende unserer Runde durch den Wald angekommen. Sehr weit sind wir nicht gegangen, aber darauf kommt es auch nicht an. Wir fühlen uns entspannt. Peter Mayer zufolge zeigen Erfahrungen, dass die positiven Wirkungen im Wald recht schnell einsetzen und laut Studien aus Asien sogar längere Zeit nachwirken können. Auch in Deutschland, dem waldreichsten Land Mitteleuropas, hat man die heilende Wirkung des Waldes erkannt: In Mecklenburg-Vorpommern sind in den vergangenen Jahren die ersten Naturräume speziell für die therapeutische Nutzung gestaltet worden. 

Bevor wir den Waldspaziergang beenden, wird noch eine Runde gedehnt. Luisa Korte zeigt eine Übung. Foto: Nadine Grunewald



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