Eine große Hommage an die Liebe Schauspielerin Kerstin Wittstamm gastierte im Schafstall

Von Christa Bechtel

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Mit ausgeprägter großer Spielfreude brachte Kerstin Wittstamm von der Freien Bühne Wendland „Die Eisprinzessin“ nach Bad Essen in den Schafstall. Foto: Christa BechtelMit ausgeprägter großer Spielfreude brachte Kerstin Wittstamm von der Freien Bühne Wendland „Die Eisprinzessin“ nach Bad Essen in den Schafstall. Foto: Christa Bechtel

Bad Essen. Am zweiten Abend der Literatur- und Musiktage verwandelte sich der Bad Essener Schafstall in eine Kleinkunstbühne. Dort präsentierte in einer Doppelvorstellung Kerstin Wittstamm von der Freien Bühne Wendland den Besuchern gleich zwei märchenhafte Stücke für Erwachsene: „Die Eisprinzessin“ und „Die Geschichte einer Tigerin“. Für die entsprechende Technik sorgte Regisseur Caspar Harlan.

In ihrer Begrüßung konnte Annette Ludzay, Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins Bad Essen, etliche Wiederholungstäter vom Vorabend willkommen heißen. Dabei wünschte sie sich: „Ich fände es schön, wenn wir auf Dauer hier eine Kleinkunstbühne hätten.“ Dieser Wunsch wurde mit spontanem Beifall belohnt. „Die Eisprinzessin“ von Friedrich Karl Waechter hatte Ludzay während der „Kulturellen Landpartie“ im Wendland gesehen. „Ich war total beeindruckt“, gestand sie.

Mit Leben gefüllt

Sodann füllte Kerstin Wittstamm das spartanische Bühnenbild – ein roter Vorhang, auf dem ein Feuer loderte, sowie eine Liege- und Sitzfläche – mit ausgeprägter großer Spielfreude mit Leben. Dabei schlüpfte sie genial mit der entsprechenden Mimik, Gestik und Stimmlage in die verschiedenen Charaktere. Schön und kalt thront die Eisprinzessin auf ihrem Berg aus Eis. In heißer Liebe entflammt nähert sich der sizilianische König und wirbt um sie mit all seiner Kraft, bis sie ihn tötet. Da schaltet sich, als weise Strippenzieherin, des Teufels Großmutter ein und gibt dem König eine zweite Chance.

Verkleidet als ein sizilianisches Mädchen nähert er sich erneut der Frau seiner Träume und holt sie mit dieser List von ihrem Eisberg herunter. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Schiffsreise Richtung Sizilien. Während die Mädchen auf den Wellen schaukeln, beginnt das Eis zu schmelzen. Eine wunderbare Parabel zwischen Feuer und Eis, zwischen Sizilien und Nordmeer, ein Spiel über das Begehren und die Macht, aber auch eine große Hommage an die Liebe, an ihre menschenverändernde und lebensgebende Kraft.

Ein uraltes Stück

Bevor Kerstin Wittstamm nach der Pause erneut die Bühne betrat, erklärte Caspar Harlan: „Sie sehen jetzt etwas ganz anderes. Wir haben aus der Schublade ein uraltes Stück ausgegraben, was wir schon immer spielen wollten, es aber nie getan haben.“ Es sei „Die Geschichte der Tigerin“ von Dario Fo. „Der Spezialist für Stegreiftheater. Er war in China und hat diese Geschichte gehört und war tief beeindruckt von den Bauern, wie sie ihm das vorgespielt haben – und hat daraus ein Theaterstück gemacht. Was man unbedingt wissen sollte: In China hat der Tiger eine allegorische Bedeutung. Von einem Mann, einer Frau oder einem Volk sagt man, dass es den ‚Tiger‘ hat, wenn es Widerstand leistet, mit aller Kraft, auch wenn es unangenehm, gefährlich wird.“

Mit nachdrücklicher Natürlichkeit spielte Kerstin Wittstamm nun „Die Geschichte einer Tigerin“, ein chinesisches Volksmärchen über einen Soldaten, der bei den Revolutionstruppen von Mao Tse Tung mit marschierte. Er wird bei einem Angriff der Konterrevolutionäre schwer verwundet und sucht sterbend Unterschlupf in einer Felsenhöhle. Dort begegnet er einer Tigerin, die ihn mit ihrer Spucke letztendlich heilt. „Tigerspucke ist ein wunderbares Heilmittel“, unterstrich die Schauspielerin, die mit ihrer grandiosen Wandlungsfähigkeit am Ende frenetischen Beifall und Bravorufe erntete – was bei ihr für ein strahlendes Lächeln sorgte.


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