Lesung mit Hans Pleschinski Fakten und Fiktion in Bad Essen kunstvoll verwoben

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Der Autor Hans Pleschinski las in der Wiehen-Buchhandlung in Bad Essen aus seinem jüngsten Buch „Wiesenstein“. Foto: Rainer WestendorfDer Autor Hans Pleschinski las in der Wiehen-Buchhandlung in Bad Essen aus seinem jüngsten Buch „Wiesenstein“. Foto: Rainer Westendorf

Bad Essen. Der Münchner Autor Hans Pleschinski las in der Wiehen-Buchhandlung Bad Essen aus seinem jüngsten Werk „Wiesenstein“. Darin geht es um die letzten Monate im Leben des Literatur-Nobelpreisträgers Gerhart Hauptmann.

Der Schriftsteller Gerhart Hauptmann (1862-1946) sei heute schon fast vergessen, so Ute Heisinger von der Wiehen-Buchhandlung an. „Aber Hans Pleschinski hat es mit seinem neuen Roman geschafft, dass man Hauptmann wieder liest“. Ihm gelinge es nämlich meisterhaft, Fakten ud Fiktion miteinander zu verweben.

Schulen und Straßen

Der Autor dankte für das einführende Lob. Immerhin, so der Schriftsteller, seien aber derzeit in Deutschland noch zahlreiche Schulen, Plätze und Straßen nach Hauptmann benannt. „So unbekannt muss man erst einmal werden...“

Pleschinski hat 2014 dem Großdichter Thomas Mann mit dem Roman „Königsallee“ ein brillantes Denkmal gesetzt und einen Bestseller gelandet. Mann schätzte Hauptmann übrigens nicht besonders.

Nun beschäftigt sich Pleschinski mit Gerhart Hauptmann. Er hat intensiv recherchiert und Neues über das Leben des Autors weltbekannter Werke wie „Die Weber“ – Kaiser Wilhelm II. kündigte nach der Uraufführung dieses Stücks im Deutschen Theater voller Zorn seine dortige Loge – „Die Ratten“, „Der Biberpelz“ oder „Bahnwärter Thiel“ zutage gefördert.

Die Villa Hauptmanns

„Wiesenstein“, das ist der Name der Villa Hauptmanns in Agnetendorf im schlesischen Teil des Riesengebirges. Heute ist dort ein Museum untergebracht. Im Roman beschreibt Hans Pleschinksi – ergänzt durch Rückblenden – die letzten eineinhalb Jahre des Dichters. Schwerkrank reist der Schriftsteller gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Margarete Marschalk aus dem Sanatorium in Dresden nach der Bombardierung der Stadt im Februar 1945 ab und kehrt unter vielen Mühen in seine Villa zurück. Eine Geschichte, die gut dokumentiert, aber nie erzählt worden sei, so der Münchner Autor.

Eine bizarre Situation

In Wiesenstein verbringt er seine letzten Monate im Kreis seiner Frau und seines Personals. Köchin, Zofe, Gärtner und Butler kümmern sich um die beiden, während der Krieg tobt und die Front immer näher rückt. Eine bizarre Situation, wie Pleschinski eindrucksvoll schildert. „Wiesenstein war wie ein Raumschiff, das über dem Schlachtfeld mit Tod und Untergang schwebte“, sagte Pleschinski.

Der Nobelpreisträger

Hauptmann wird beschützt und schützt gleichzeitig seine Mitbewohner durch die Anerkennung, die er als Nobelpreisträger genießt. Dass Hauptmann von den Nazis instrumentalisiert wird, weil er in Gegenrichtung zu den beginnenden Flüchtlingsströmen nach Schlesien zurückkehrt, ist dem Autor nicht bewusst. Vielleicht habe der Dichter diese Realität aber auch ausgeblendet.

Eine schützende Hand

Nach Kriegsende halten Polen und Russen ihre schützende Hand über Gerhart Hauptmann; sie respektieren den berühmten Schriftsteller. Wie Hans Pleschinski in der Wiehen-Buchhandlung Bad Essen sagte, soll Josef Stalin Hauptmanns Drama „Die Weber“ sehr geschätzt haben. Letztlich behandele das Buch zwei Untergänge, so der Gast. Das Ende Gerhart Hauptmanns und das des alten Schlesiens. Ein wenig sei das Leben in der Villa Wiesenstein wie auf der Titanic: Auf der Brücke werde noch Musik gemacht, während das Schiff sinke.

Die nächste Lesung

Am Freitag, 19. Oktober, findet die nächste Autoren-Lesung in der Wiehen-Buchhandlung an der Lindenstraße statt. Dann liest um 20 Uhr der mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Autor Norbert Horst aus „Kaltes Land“.


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