In der Regel gegen Krämpfe Wittlager Kräuterkunde im September: Gänsefingerkraut

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Bad Essen. Am bekanntesten ist Potentilla anserina, so der botanische Name, als Gänsefingerkraut. Pfarrer Kneipp bezeichnete es auch als Krampfkraut, was auf sein Hauptanwendungsgebiet in der Pflanzenheilkunde schließen lässt: Seinen Einsatz als krampflösendes Mittel, um den auch die Bad Essener Kräuterfrau Christine Welzel-Leinker weiß.

Gänsefingerkraut – welch ein herrlich altmodischer und sprechender Name. In diesem Fall gibt er Aufschluss auf den Standort des Krautes, das nämlich bevorzugt auf Gänsewiesen wuchs, also auf Wiesen, auf denen Gänse weideten und die nicht zu trocken waren. Und so findet man das Kraut – ein Rosengewächs mit silbrig gefiederten Blättern und einer gelben, in ihrer Form an die Blüte der Erdbeere erinnernden, Blüte – nach wie vor auf nährstoffreichen, feuchten Wiesen und an Wiesenrändern.

Aber auch im Garten, so wie im heilenden Garten von Christine Welzel-Leinker, kann man das Ausläufer bildende Kraut heimisch werden lassen. Und das lohnt sich, denn aus seinen Bestandteilen, vorzugsweise den Blättern, lässt sich ein heilsamer Tee zubereiten, den die Kräuterfrau bei Magen- und Darmkrämpfen empfiehlt. Hierzu übergießt man einen Teelöffel vom getrockneten Kraut, bei frischem Kraut etwas mehr, mit einem Viertelliter kochenden Wasser, lässt diesen Tee ungefähr zehn Minuten ziehen und genießt davon etwa drei Becher am Tag.

Nächtliche Wadenkrämpfe

Vor allem aber auch bei Regelschmerzen tut der Tee gute Dienste; hierbei lässt er sich auch bestens im Verhältnis 1:1 mit Frauenmantel mischen. „So manche Frau, die ansonsten regelmäßig auf Mittel wie Buscopan angewiesen war, konnte durch diesen Tee darauf verzichten“, berichtet Christine Welzel-Leinker. Diesen Erfolg erklärt sie sich durch die nachgewiesene krampflösende Wirkung des Gänsefingerkrauts auf die glatte Muskulatur, also jener Muskulatur, mit der unser Magen-/Darmtrakt, unsere Harnwege und die Gebärmutter ausgestattet sind. Den Frauen rät Christine Welzel-Leinker den Tee etwa ein bis zwei Tage vor Einsetzen der Regel anzuwenden.

Auch wer zu nächtlichen Wadenkrämpfen neigt, kann mit dem Gänsefingerkraut-Tee gute Erfolge erzielen. In diesem Fall sollte er kurmäßig, also über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen, genossen werden. Aufgrund der darin enthaltenen Gerbstoffe ist der Tee außerdem ideal bei Entzündungen des Mund- und Rachenraumes. Ein weiteres Anwendungsgebiet sind leichte Durchfälle oder Bauchschmerzen bei Schulkindern. „Für sie sollte der Tee aber keinesfalls zu stark sein, sondern so gekocht werden, dass sie ihn mögen“, sagt Christine Welzel-Leinker.

Vorsicht: Verwechslungsgefahr!

Leicht zu verwechseln ist das Gänsefingerkraut mit dem Rainfarn (botanisch Tanacetum vulgare), allerdings nur im Austrieb, bevor sich die Blüten entwickeln. Auf den ersten Blick nämlich gleichen sich die gefiederten Blätter, wenngleich die des Gänsefingerkrauts im Grün silbriger und in der Form etwas rundlicher sind (siehe Foto). An seinen gelben Knopfblüten lässt sich der Rainfarn schließlich aber deutlich vom Gänsefingerkraut unterscheiden. Dennoch sollte man aufpassen, denn der Rainfarn wirkt schon in geringen Dosen toxisch, weshalb er früher zur Wurmkur eingesetzt wurde. Daher ist er auch als Wurmkraut geläufig.


In ihrem „heilenden Garten“ in Bad Essen-Eielstädt gibt Christine Welzel-Leinker regelmäßig Seminare zur Heilkraft unserer heimischen Kräuter. Sie weiß, wie und wann welches Kräutlein zu ernten und zu verarbeiten ist, und wie die Tees, Öle und Tinkturen, die sie daraus herstellt, ihre Wirksamkeit am besten entfalten. Für die Leser des Wittlager Kreisblattes stellt sie jeden Monat eine Heilpflanze vor.

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