Ehrenamtliche Zeit verschenken Zwei Syrer setzen sich in Bad Essen für andere ein

Von Christa Bechtel

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Ibrahim Abdullah und seine Ehefrau Rania Othman engagieren sich ehrenamtlich in Bad Essen, insbesondere im Altenpflegeheim Simeon und Hanna. Foto: Christa BechtelIbrahim Abdullah und seine Ehefrau Rania Othman engagieren sich ehrenamtlich in Bad Essen, insbesondere im Altenpflegeheim Simeon und Hanna. Foto: Christa Bechtel

Bad Essen. Am 15. Dezember 2015 kamen Ibrahim Abdullah und seine Ehefrau Rania Othman mit ihren drei Kindern nach Bad Essen. Seitdem haben sich die syrischen Flüchtlinge in besonderer Weise integriert und setzen sich äußerst engagiert ehrenamtlich für Andere ein. Insbesondere im Altenpflegeheim Simeon und Hanna in Eielstädt.

„Eine Hand wäscht die andere; man muss nicht nur die Hände nehmen, sondern sie auch geben“, nennt der syrische Facharzt Radiologie nur einen seiner Beweggründe, warum er jeden Tag für Gespräche im Altenzentrum zur Verfügung steht. Gerade als Arzt würde er sich freuen, seine Teamfähigkeit, Flexibilität einzubringen. „Die älteren Leute sind wie meine Großmutter oder Großvater.“ Daher würde er diese Zeit gerne verschenken.

Praktikum im Betreuungsbereich

Rania Othmann, die in Syrien als Medizinisch-technische Assistentin tätig war, gerne mit ihren Töchtern tanzt und Musik hört, absolviert derzeit bei Simeon und Hanna ein Praktikum im Betreuungsbereich. An ihrem Deutsch müsse sie noch arbeiten, meint sie lächelnd mit Blick zu ihrem Mann, der schon ziemlich gut Deutsch spricht und die Sprache liebt. „Ich lese Thomas Mann und habe auch Karl May „Winnetou I, II und III“ gelesen“, erklärt der frühere Chef des Gesundheitszentrums in Damaskus schmunzelnd.

Über die Balkanroute

Aufgrund des grausamen Bürgerkriegs in Syrien flüchtete die fünfköpfige Familie vor drei Jahren zu Fuß, per Schiff, Bus, Zug. Erste Anlaufstelle war die Türkei. „Dafür mussten wir 10.000 Dollar bezahlen“, erläutert der Radiologe, dem die Sicherheit seiner Kinder über alles geht. Die beiden Töchter und der Sohn waren bei der Flucht sieben, neun und elf Jahre alt. Von der Türkei aus ging es für die Syrer nach Griechenland über die Balkanroute nach Deutschland, wo sie am 28. September 2015 in Sprockhövel bei Wuppertal ankamen. Weitere Stationen waren Münster, Hesepe, Bad Essen.

„Heimat ist nicht der Ort der Geburt, sondern es ist der Ort der Freiheit. Und dieses Land hat mich unterstützt, so dass es jetzt meine Heimat ist“, unterstreicht Ibrahim Abdullah. Beide schätzen an Bad Essen besonders: „Jeder kennt Jeden – und wir möchten nicht von hier wegziehen. Wir lieben unsere Nachbarn, die Beziehungen mit den Deutschen“, akzentuiert der Syrer, der einmal pro Woche mit einem Bad Essener Schach spielt. Und: „Ich lebe für meine Kinder“, betont Abdullah, dessen Angehörige größtenteils in Amerika leben.

Gymnasium Bad Essen

Ihre Sprösslinge besuchen das Gymnasium Bad Essen, sprechen mittlerweile perfekt Deutsch und haben Freundinnen beziehungsweise Freunde gefunden. „Als ob sie hier geboren sind. Und sie bringen gute Noten mit nach Hause“, strahlen die Eltern. Rania hat zwar oft Heimweh, da ihre Familie noch in Syrien ist. Aber: „Wenn sich alles mal beruhigt hat, würden wir gerne besuchsweise dort hinfahren“, sagt sie leise. Denn beide wünschen sich, irgendwann die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. „Wir haben drei tolle Kinder, die in Deutschland arbeiten und etwas Neues machen können“, hebt der Facharzt hervor.

Arzt und Radiologe

Wie sehen sie ihre Zukunft in Bad Essen? Rania Othmann würde nach dem Praktikum gerne eine Ausbildung zur Altenpflegerin absolvieren. „Wir würden das auch unterstützen, wenn Frau Othmann etwas besser Deutsch sprechen kann“, signalisiert Heimleiter Martin Reutepöhler sogleich. Ibrahim Abdullahs sehnlichster Wunsch wäre: „Wieder als Arzt und Radiologe zu arbeiten“, hofft der 50-Jährige auf eine Stelle. Da ihm jedoch die ehrenamtliche Arbeit bei Simeon und Hanna sehr ans Herz gewachsen ist, „würde ich die am Wochenende weiter ausführen.“

Kürzlich fanden dort zwei Grillfeste statt, wo das Ehepaar ebenfalls tatkräftig mit im Einsatz war. Denn sich in Bad Essen voll und ganz zu integrieren ist beiden mehr als wichtig.


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