Federkernmuseum der Firma Agro Hässliches Entlein wird in Barkhausen zum Schwan

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Barkhausen. Das Gebäude an der Stiegestraße 1 in Barkhausen hat eine lange Geschichte. Sie lässt sich bis in das Jahr 1588 zurückverfolgen. Verschiedene Umbauten und Erweiterungen im Laufe der langen Zeit münden jetzt in eine aufwendige Renovierung. Das Ergebnis: ein Museum rund um Federkerne und ein Gästehaus der Firma Agro.

Was sich aktuell als Schmuckstück einschließlich Gartenanlage im Stil des Bauerngartens präsentiert, erforderte umfangreiche Planungen, Arbeiten und Investitionen. Vor rund vier Jahren wurde der Anfang gemacht. Die Firma Agro, die im Besitz der Familie Grothaus ist, übernahm die historische Hofstelle der Familie. Es sollte etwas mit den baufälligen Gebäuden geschehen.

Doppelte Funktion

Zuständig für die Organisation: Jan Wagner, Geschäftsführer bei Agro. Aber es sollte nicht „einfach“ renoviert werden. Das Gebäude der Familie Grothaus sollte ein Museum beherbergen, das über die Vielfalt, Geschichte und Entwicklung der Federkerne, die die Geschäftsgrundlage der Firma Agro bilden, informiert. Dafür wiederum ist Verena Dimper, bei Agro für das Marketing verantwortlich, zuständig.

Beim Betrachten des Ensembles ist kaum noch vorstellbar, wie der Zustand der Gebäude bei Baubeginn war. Wagner: „Ich hatte Bedenken, in das Nebengebäude zu gehen, bevor es abgestützt war.“ Mit gutem Grund. Teile des Hauses lagen in Erde, Balken waren weggegammelt, es gab eine deutliche Neigung.

Denkmalschutz

Und eigentlich war manches anders vorgesehen, als es sich nunmehr darstellt. Die Erklärung: Als die ersten Baupläne eingereicht wurden, wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Das erforderte Änderungen, vieles musste neu gedacht werden, so der Geschäftsführer. Ständig galt: Bretter, die zu retten sind, werden erhalten. Reste dienen unter anderem als Fensterbänke.

Energiestandards erfüllt

Die Denkmalpflege ließ letztlich nicht zu, dass im Obergeschoss des Haupthauses Wohnungen entstanden. So kam das zweite Gebäude, die Remise von 1856 ins Spiel, die nur von Außen denkmalgeschützt ist. Wagner: „Das Ständerwerk wurde ertüchtigt, die kaputten Gefache herausgelöst, wieder gefüllt, verputzt, mit Dämmung versehen... Den Abschluss bilden eine Lehmschicht und Farbe.“ So sind sogar die geforderten Energiestandards moderner Gebäude erfüllt.

Apropos Energie: Eingesetzt wird Erdwärme (mit rund 600 Metern laufende Bohrung) mit einer Gaszusatzheizung. Verena Dimper verweist darauf, dass die Technik weitgehend „versteckt“ ist . Sie ergänzt: „Es war eine Herzensangelegenheit der Familie Grothaus, dass das Stammhaus erhalten bleibt.“

Fehlende Balken wurden im Innern durch solche ersetzt, die aussehen, als ob sie immer schon dort gewesen wären. Bei einer Führung heißt es: „In diesem Haus gibt es gefühlt keinen rechten Winkel.“ Das erleichterte die Arbeit der Handwerker nicht gerade. Können und Handarbeit waren gefragt.

Probeliegen möglich

Die Remise enthält heute neben Küche und Wohnzimmer fünf Schlafzimmer mit individuellem Badezimmer. Und jedes der Betten ist mit einer anderen Matratze ausgestattet – sozusagen zum Probeliegen.

Das wiederum ist auch Bestandteil des Museums, wo zudem die Experimentierfreude der Besucher gefragt ist. Experimente gehen der Frage nach: Welcher Federtyp bewegt sich unter Druck wie? Nicht minder wichtig: Wie ist die Luftdurchlässigkeit der Produkte? Insgesamt gilt: Im Museum werden Funktion und Entwicklung der Federkerne erklärt. Dimper: „Nur wer sich mit dem Thema Matratze befasst, kann ein für ihn geeignetes Produkt finden.“

QR-Codes vermitteln bewegte Bilder

Jan Wagner sagt: „Jeder kann sich das Museum selbst mit Hilfe eines iPads erschließen.“ Verena Dimper ergänzt: „An den Maschinen befinden sich QR-Codes, die aktiviert werden können und dann die Arbeitsvorgänge in Bewegung zeigen – ohne Risiko für Besucher.“ „Eines der Videos entstand in einem Betrieb, wo heute noch per Hand gearbeitet wird.“ Andere Maschinen wechselten quasi direkt aus der Werkshalle in Wittlage nach Barkhausen. Dabei wiederum spielte das Gewicht eine Rolle. Boden und (abschüssige) Zuwegung mussten tragfähig sein...

Bei der Fahndung nach den richtigen Materialien für das denkmalgeschützte Gebäude stand immer wieder die Frage im Vordergrund: „Was passt, sieht gut aus, ist besonders und sicher?“

Kreative Lösung

Übrigens: Im Obergeschoss des Hauptgebäudes befindet sich ein Besprechungsraum inklusive aktueller Präsentationsmedien und Gästehaus nebenan. Und selbstverständlich wurden Stühle mit Federkernpolsterung gefunden. Eine besonders kreative Lösung wurde für den Giebel gefunden – er ist gleichzeitig geschlossen (wie es der Denkmalschutz fordert) und offen, wie es der Wunsch nach Tageslicht braucht. Möglich ist beides dank beweglicher Lamellen.


Die Firma Agro mit Sitz im Bad Essen-Wittlage ist ein Familienbetrieb mit heute rund 700 Mitarbeitern. Gegründet wurde er 1948 von Friedrich Grothaus. Zunächst wurde viel Hand- und Heimarbeit geleistet. Als Wolfgang Grothaus die Firma 1979 übernahm, war er Chef von 12 Mitarbeitern. 1989 wurde der Standort in Barkhausen zu klein, es erfolgte der Umzug nach Wittlage, wo ein Bahnanschluss zur Verfügung steht. Inzwischen ist mit Sabine und Christian Grothaus die 3. Generation im Unternehmen verantwortlich.

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