Historischer Markt „Blaue Wunder“ mit uraltem Handwerk in Bad Essen

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Bad Essen. Der Historische Markt in Bad Essen hat sie vor Jahren zusammengebracht: den Blaudrucker Georg Stark aus Jever und Hermann Kohlhaus aus Bohmte.

Hermann Kohlhaus hatte seinerzeit bei seiner Schwester zwei alte Musterbücher mit Blaudrucken entdeckt und sofort gewusst, dass es sich um etwas Besonderes handelte. Am Stand des Blaudruckers beim Historischen Markt sprach er den Mann aus Jever an und überließ ihm die historischen Bücher, die aus dem Jahr 1820 stammen. Hermann Kohlhaus, dessen Großvater Hermann und Vater Erich Blaudrucker und Färber waren, wusste sofort, dass die Bücher dort an der richtigen Adresse waren. (Weiterlesen: Warum der Marktmeister auch nach 21 Jahren noch mit Herzblut dabei ist)

Mit Leib und Seele

Georg Stark wiederum, seit Jahrzehnten Blaudrucker mit Leib und Seele, nahm die Bücher mit in seine Werkstatt, die eine von nur noch sieben Betrieben in Deutschland ist, wo die traditionelle Technik des Textildrucks angewendet wird. Eine Handwerkskunst, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts von der Industrie verdrängt wurde.

Der gelernte Schlosser und studierte Historiker Stark nutzte die Musterbücher, die aus dem Wittlager Land kamen, um Stoffe aus der damaligen Zeit zu drucken. So wurde unter anderem ein „Wittlager Stoff“ mit Bad- Essen-Muster gedruckt. Der Historische Markt macht‘s möglich.

Und die Musterbücher aus Bohmte kommen in blaugedruckter Form auch 2018 beim Historischen Markt in Bad Essen wieder zu textilen Ehren.

Auch in Wehrendorf gab es einst die Blaudruckerei Harmeyer, wie Stark in der Ortschronik und auf einem alten Gemälde entdeckt hat. Zum Historischen Markt startet er deshalb einen Aufruf: Wer die berühmten blau-weißen Stoffe oder sogar alte Musterbücher noch zu Hause hat, der sollte sie doch bitte während des Marktes beim Blaudrucker (sein Stand befindet sich zwischen Restaurant „Athen“ und Elektro Hauber an der Lindenstraße) melden, damit der Experte das Material oder die Unterlage prüfen kann. Stark sagt: „Wir müssen unser eigenes Kulturerbe mehr schützen. Sonst geht wichtiges Wissen verloren. Deshalb wird es auch ein Projekt mit der Universität Osnabrück geben, wo alter Blaudruck neu designet werden soll. Dort kann auch das Wittlager Land seinen Beitrag leisten. Deshalb mein Appell: Wer noch Unterlagen hat, der sollte sich melden.“

Blaudruck ist ein historisches Handwerk, in dem Muster im Handdruck auf Stoffe aufgedruckt werden. Im Blaudruck werden die Stoffe dann in der Küpe mit Indigoblau ausgefärbt, der Blaudrucker wäscht danach die gedruckten Muster ab und der Stoff zeigt weiße Blaudruckmuster auf blauem Grund.


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