Historischer Markt in Bad Essen Warum der Marktmeister auch nach 21 Jahren noch mit Herzblut dabei ist

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Robert Wellmann hat den Überblick. Der Marktmeister weiß genau, wo welcher Stand auf dem historischen Markt in Bad Essen steht. Foto: Nadine GrunewaldRobert Wellmann hat den Überblick. Der Marktmeister weiß genau, wo welcher Stand auf dem historischen Markt in Bad Essen steht. Foto: Nadine Grunewald

Bad Essen. Die Vorbereitungen für den historischen Markt in Bad Essen laufen auf Hochtouren. Mittendrin: Marktmeister Robert Wellmann. Im Gespräch mit unserer Redaktion hat der 56-Jährige erzählt, was noch alles zu tun ist – und warum er auch nach 21 Jahren noch mit Herzblut dabei ist.

In ein paar Tagen fällt der Startschuss für den historischen Markt in Bad Essen, in diesem Jahr zum 44. Mal. Die Veranstaltung steht bei Marktmeister Robert Wellmann derzeit im Fokus – und ist auch in dessen Büro im Bad Essener Rathaus unübersehbar präsent. Über mehrere Papierseiten erstreckt sich an der großen, schwarzen Magnetwand der Lageplan des historischen Marktes. Jeder der etwa 150 Stände ist darauf eingezeichnet. Ein Werk, das der 56-Jährige im Laufe der Monate zusammen mit dem Marktausschuss erstellte. 20 Personen, darunter zahlreiche Ehrenamtliche, erarbeiten Jahr für Jahr zusammen mit Wellmann den Ablauf der Veranstaltung, zu der immer wieder massenweise Besucher strömen. Genaue Zahlen gebe es nicht, Schätzungen von Händlern zufolge seien es zwischen 50.000 und 55.000, so Wellmann.

Ab Dienstag wird aufgebaut

Besonders wichtig wird der Lageplan in der kommenden Woche. Am Montag markieren Mitarbeiter des Bauhofs die einzelnen Standplätze, damit jeder Betreiber weiß, wo genau seine Bude während des Marktes von Freitag, 24. August, bis Sonntag, 26. August, stehen darf. Wellmann wird die Bauhof-Mitarbeiter begleiten. Weniger um selbst Markierungen aufzutragen, als vielmehr Anwohner zu beruhigen oder Geschäftsleuten zu erklären, warum vor ihrem Schaufenster eine Bude stehen darf. 

Dienstag und Mittwoch beginnen die ersten Aufbauarbeiten auf dem Kirchplatz. „Dann werden die Stände aufgebaut, die stehen müssen, bevor andere dazu kommen können", erklärt Wellmann. Dazu gehören beispielsweise die Bühne und die direkt daran angrenzende Dorfschmiede. An dieser werden die weiteren Stände ausgerichtet. Am Donnerstag beginnt der offizielle Aufbau. (Weiterlesen: Historischer Markt 2018 in Bad Essen: Infos zum Programm)

Ein Puzzlespiel

Auch ohne die Standmarkierungen wissen die meisten Betreiber, wo sie aufbauen müssen. Sie sind seit Jahren dabei und stehen meist an der gleichen Stelle. „Etwa zehn Prozent der Aussteller wechseln jedes Jahr", sagt Wellmann. Alles kein Problem – solange niemand absagt. Mittlerweile sei es schwierig geworden, Handwerker zu finden, die das alte Handwerk beherrschen. Und wenn ein Ersatz gefunden ist, beginne das puzzeln: Ist der neue Stand größer als der zunächst eingeplante, müsse man sehen, wo oder wie man diesen unterbringe. Denn viele alteingesessene Standbetreiber wollten am angestammten Platz und neben ihren bekannten Nachbarn bleiben. 

„Damals war der Markt noch ein anderer."Marktmeister Robert Wellmann

Doch auch darin hat Wellmann inzwischen Übung. Vor 21 Jahren übernahm der Ordnungsamtsleiter den Posten des Marktmeisters. „Damals war der Markt noch ein anderer. Inhaltlich war er gleich; aber 1998 waren nur 88 Aussteller dabei, der Markt fand nur am Freitag und Samstag zwischen dem Rathaus-Kreisel und dem Kirchplatz statt", blickt er zurück. Mit der Ausweitung auf drei Tage sei die Veranstaltung für viele neue Aussteller interessant geworden. Im Vergleich zu damals sei auch der Aufwand deutlich gestiegen.

Seit 21 Jahren ist Marktmeister Robert Wellmann für den historischen Markt in Bad Essen zuständig. Er freut sich auf die 44. Auflage. Foto: Nadine Grunewald

Obwohl zahlreiche Abläufe mittlerweile automatisiert seien, gibt es einen Einsatzplan für die letzten Tage vor dem Markt sowie die drei Markttage, damit nichts schief läuft. Darin kann jeder Helfer einsehen, wann er was erledigen muss. Bei einer Vorbesprechung am Donnerstagabend werde über letzte Details gesprochen.

Mit Herzblut dabei

Wie viele Stunden Arbeit Wellmann jährlich in die Vorbereitungen für den historischen Markt steckt, könne er nicht sagen. Insgesamt ist in der Gemeinde eine komplette Stelle dafür vorgesehen, die sich Wellmann zu je einem Drittel mit zwei Kolleginnen teilt. Dazu kommt die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer. Und: „Wenn ich nur Dienst nach Vorschrift machen würde, würde das auch nicht funktionieren", sagt der 56-Jährige. „Man würde es merken, wenn ich kein Herzblut reinstecken würde."

An den Markttagen selbst muss Wellmann zwar nicht körperlich arbeiten, wie er sagt. Anwesend sein wird er aber. „Ich werde rumlaufen, präsent sein, Gespräche führen, schauen, dass alles klappt." Und morgens gebe er unter anderem den Kollegen vom Bauhof Kaffee und Brötchen aus, wenn diese den Veranstaltungsbereich gesäubert haben. „Das ist eine der vielen Traditionen, die sich im Laufe der Jahre gebildet haben und den Markt ausmachen." Der Kontakt zu den Menschen – davon lebe der Markt und der spiele auch für ihn selbst eine große Rolle. Er sei ein Grund, warum er diese Arbeit gerne mache.

„Ich merke die körperliche Anstrengung, aber ansonsten empfinde ich die Arbeit nicht als Stress." Marktmeister Robert Wellmann

Doch nicht nur in den letzten 14 Tagen vor dem Markt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Auch zwischendurch gebe es immer wieder Phasen, in denen einiges zu tun sei. Im Oktober, November würden die Aussteller angeschrieben, im Frühjahr die Einladungen an Programmteilnehmer verschickt, die regelmäßig dabei sind. Stress verspüre Wellmann allerdings nicht – auch nicht im Hinblick auf die kommende Woche. „Ich merke die körperliche Anstrengung, aber ansonsten empfinde ich die Arbeit nicht als Stress." 

Marktvorbereitungen statt Sommerurlaub

So viel Spaß ihm diese Arbeit auch bereite, ein paar Abstriche müsse er in Kauf nehmen. „Seit ich das mache, habe ich keinen Sommerurlaub mehr gemacht. In den drei Monaten vor dem Markt kann ich ja nicht einfach wegfahren. Aber das gehört eben dazu." Aufhören wolle er dennoch nicht – auch wenn er bereits häufiger gesagt habe, dass die Organisation eigentlich mal jemand anderes übernehmen müsste. „Irgendwann kann man selber eben nicht mehr viel neues machen. Für mich ist der Markt in Größe und Dauer ausgereizt. Da würde ich nichts mehr dran ändern." Doch dass vieles jedes Jahr gleich sei, das mache den Markt auch aus: „Deshalb fahren die Leute hin. Der Markt hat seinen ganz speziellen Charakter. Und darum geht es: Diesen immer wieder aufs Neue zu erschaffen."

Das will Robert Wellmann auch im kommenden Jahr erreichen. Die ersten Vorbereitungen für die 45. Auflage des historischen Marktes laufen bereits seit Ostern.


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