Licht, Zeit und der Moment Sonia Wohlfarth Steinert stellt in Bad Essen aus

Von Christa Bechtel


Bad Essen. Bei Sonia Wohlfarth Steinerts Fotografien trifft das Sprichwort zu „Ein schöner Rücken kann auch entzücken“. Denn sie fotografiert Menschen ausschließlich von hinten – in Schwarz-Weiß. Aber sie leben, atmen, beanspruchen für sich einen breiten Raum, machen die verschiedensten Dinge.

Auf Einladung des Kunst- und Museumskreises stellt die Künstlerin einige ihrer Arbeiten unter dem Thema „Fotografie und Lichtkunst“ bis Mitte September im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße aus. Arbeiten aus ihren Fotoserien „words“, „serie a“ und „macro“. Darüber hinaus die beiden Kurzfilme „Ein Stück vom Licht“ und „memoria“.

Perfektes Zusammenspiel

Sonia Wohlfahrt Steinert erzeugt in ihren Fotografien das perfekte Zusammenspiel von Licht, Zeit und dem entscheidenden Moment. Mit der ursprünglichen Fotografie-Technik schafft sie in ihren Bildern eine ungeahnte Klarheit. „Fotos der Verwandtschaft und der Heimat in Thüringen, wo meine Eltern und Großeltern herkommen, waren bei uns allgegenwärtig“, erklärt die in Peru Geborene, dass sie mit Fotografien aufwuchs. Mit 14 Jahren bekam sie ihren ersten Fotoapparat. Aber: „Als Künstlerin habe ich jahrelang eher Textilobjekte und mit Licht ausgestellt.“ Nachdem sie 2012 auf dem U-Bahnhof Schönleinstraße in Berlin eine Einzelausstellung hatte, „ging das verstärkt mit der Fotografie los“, verweist sie auf Serien wie „Augenblick“ oder „Menschen in der Stadt“.

Farbe wegnehmen

Warum Schwarz-Weiß? Wohlfarth: „Das hat natürlich Retro-Charme und etwas Klassisches. Bei der Serie im Schafstall fand ich es als künstlerisches Medium gut, bei den Menschen die Farbe wegzunehmen; dadurch wird man nicht so abgelenkt. Aber in meiner Serie „macro“ geht es nur um Farben.“ Warum fotografiert sie ihre Personen von hinten? „Das hat sicherlich einen Datenschutzgrund. Aber man sieht von hinten interessanterweise eine Haltung. Wenn ich sie von vorne fotografiert hätte, wäre die Persönlichkeit des Menschen da; von hinten sind es eher Typen“, verdeutlicht sie, dass es zudem spontane Aufnahmen von Passanten seien. „Am liebsten ist mir, wenn da noch eine Situationskomik bei ist“, gibt sie schmunzelnd zu. Warum hat sie die Figuren freigestellt, sodass sie aus jedem Bezug herausgenommen sind? „Ich habe die Umgebung entfernt, um Freiraum zu schaffen. So können sich die Betrachter selbst Geschichten ausdenken“, wünscht sie sich für ihre Ausstellung.

Den Moment nutzen

Gerda Dingemann, die die Ausstellung vorbereitet und organisiert hat und die Künstlerin persönlich kennt, betonte denn in ihrer Begrüßung auch: „Deine Arbeiten nutzen den Moment und erforschen ihn. Das ist eine ganz zentrale Aussage über deine Kunst.“ Weiter erwähnte die KMK-Vertreterin nur eine kleine Auswahl an Ausstellungen, wie die Kunstmesse Leipzig, wo sich die in Osnabrück und zeitweise in Berlin lebende und arbeitende Fotografin präsentiert habe. „Die musikalische Umrahmung dieser Ausstellung hat wie immer sehr kompetent Hartwig Ventker übernommen“, so Dingemann, die an dieser Stelle Julia Ogrodnik, Saxofon, und Oskar Ogrodnik, Klavier, willkommen hieß.

Besondere Blickwinkel

„Sonia Wohlfarth Steinert macht in ihren Bildern den Betrachter auf Dinge aufmerksam, die wir längst verloren haben, die wir nicht sehen“, meinte Friederike von Behren vom Fachbereich Kunst/Kunstpädagogik, Abteilung Fotografie an der Universität Osnabrück, die die Einführung in die Ausstellung übernahm. So seien es in ihrer Fotoserie „Worte“ Rolltreppen, auf denen Texte aufgesprüht wurden. Drehe man diese Bilder um 90 Grad, würden aus den Worten tatsächlich Wörter, die auf Buchrücken stehen könnten. Von Behren: „Sonia Wohlfarth Steinert schaut mit einem besonderen Blickwinkel auf eine Realität, die uns ebenso vertraut wie unbekannt ist. Sie findet Kompositionen in vorhandenen Arrangements und Situationen, die sich oft erst durch den Sucher der Kamera als solches zeigen.“ Bis zum 16. September kann die Ausstellung donnerstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr im Bad Essener Schafstall besucht werden.


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