Premiere am 24. August Bad Essener führt an der Probebühne erstmals Regie

Von Christa Bechtel


Brockhausen. Matthias Hektor Ventker aus Brockhausen spielt leidenschaftlich gerne Klavier, ein bisschen Gitarre, mittlerweile auch etwas Schlagzeug, er komponiert und nimmt momentan Gesangsunterricht. Jetzt führt er an der Probebühne Osnabrück zum Stück „This Is War“ nach dem Drama „Hundegrab“ von Letizia Russo sogar Regie. Die Premiere ist am 24. August, 20 Uhr, in der Probebühne Wiesenstraße 1 in Osnabrück.

Matthias Ventker studiert Darstellendes Spiel in Hannover, ein Lehramtsstudiengang der Schauspiel, Regie, Dramaturgie, Theatergeschichte, Theaterwissenschaft und Pädagogik umfasst. Das Stück, also die Regie ist gleichzeitig seine praktische Bachelorprüfung für sein Studium in Hannover.

Die GBE-Theatergruppe

Warum gerade dieses Stück? „Wir haben von der GBE-Theatergruppe vor einigen Jahren die ‚Spieltriebe‘ in Osnabrück besucht, die alle zwei Jahre vom Theater Osnabrück organisiert werden. Da wurde dieses Stück in einem Auszug gespielt. Als ich jetzt zur Bachelorprüfung ein eigenes Stück machen musste, ist mir das wieder eingefallen, da es mich damals beeindruckt hat“, erklärt der Student.

. Würde er es jedoch in seiner eigentlichen Fassung auf die Bühne bringen, „würde es etwa vier Stunden dauern. So habe ich alles raus gestrichen, was für mich überflüssig war; nun geht es noch anderthalb Stunden“, sagt er.

Wie Marionetten

Was sind seine Aufgaben als Regisseur? „Es gibt ja dieses veraltete Bild vom Regietheater, dass der Regisseur die Spieler wie Marionetten herum führt. Das mache ich nicht, denn so verstehe ich Theater nicht. Ich probiere mit den Schauspielern zusammen, Szenen zu erarbeiten und sie zu ermutigen, Ideen einzubringen und Sachen auszuprobieren. Das war für einige neu, weil sie mit der Erwartung daran gegangen sind, dass ich alles vorgebe“, so Ventker, der zu Beginn jeder Probe immer zu Improvisationsübungen einlädt. Zu seinen weiteren Aufgaben gehören Bühne, Kostüme, Texte schreiben oder für Programmhefte sorgen. Mit den Vorbereitungen hat er vor über einem Jahr begonnen.

Alter von 21 bis 60 .

Zum neunköpfigen Ensemble, das seit Ende Januar probt, gehören Akteure von 21 bis 60 Jahren. Aus dem Wittlager Land sind zum Beispiel Alexander Wichers und Uwe Höppe vom Gymnasium Bad Essen sowie Matthias‘ Bruder Christian Ventker und Jannis Heidmann aus Brockhausen dabei. „Wir probieren mit dem Stück, dem Publikum auch moderne Theatermittel näherzubringen, die ja stellenweise keinen guten Ruf haben bei Leuten, denen es im Theater um Geschichten geht. Deshalb nutzen wir diese Mittel dafür, unsere Geschichte zu erzählen. Und die Probenarbeit ist demokratischer gestaltet als bei vielen anderen Produktionen“, veranschaulicht der junge Regisseur, der das ursprüngliche Drama als Komödie konzipiert hat.

Ein großer Appell

Warum? Venkter: „Ich möchte nicht, dass die Leute da reingehen, beklemmt sind und denken: das ist ja furchtbar. So funktionieren für mich auch nicht Emotionen. Ein richtig gutes Drama muss immer witzige Momente haben, wo man durchatmen kann. Damit die tragischeren Elemente und die traurigeren Emotionen oder letzthin die Bestürzung auch wirklich funktionieren können. Das war uns ganz wichtig.“ Letztendlich seien in dem Stück auch Zuschauer-Interaktionen enthalten. „Sie werden alle Rekruten, übernehmen also auch eine kleine Rolle“. Solche Elemente würden das Ganze auflockern. Denn: „Eigentlich ist das Stück ein großer Appell gegen eine Politik der Gewalt. Um das zu zeigen muss man stellenweise auch harte Szenen präsentieren. Aber es muss auch gelacht werden“, betont Ventker.

Aufführungsstermine

Nach der Premiere kann „This Is War!“ immer freitags am 31. August, 7. und 21. September, 19. und 26. Oktober sowie 2., 9., 16. und 23. November jeweils 20 Uhr auf der Osnabrücker Probebühne gesehen werden. Karten im Vorverkauf gibt es es in der Tourist Info Osnabrück, bei der NOZ oder man kann sie online bei adticket.de vorbestellen.


Zum Inhalt:

Es herrscht Krieg! Ein junger Mann versucht, seine Mutter durchzubringen und eine junge Frau wartet darauf, dass ihr Mann aus dem Krieg zurückkehrt. Eine schrullige Mutter nutzt jede Gelegenheit, um ausgiebig über Belanglosigkeiten zu plaudern und ein bester Freund findet tatsächlich eine Arbeit. In „This Is War!“ geht es um die Ausgemusterten, die Frauen, Kinder und Alten - die Übriggebliebenen. - Die Autorin Letizia Russo erkennt die feinen, dem Krieg zu Grunde liegenden Mechanismen und so fechtet jede Figur in diesem zugespitzten, auch augenzwinkernden Drama ihren eigenen Kampf aus. Genau wie wir. Denn „This Is War!“ beginnt und endet nicht auf der Bühne, wie auch Krieg nicht auf dem Schlachtfeld beginnt oder endet.

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