Eine Betroffene berichtet Barrieren abbauen im Wittlager Land

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Altkreis Wittlage. Katrin Achberger ist Diplom-Kauffrau (FH) und 39 Jahre alt, sie arbeitet in Osnabrück. Sie findet: Nur wer sich wirklich mit Barrieren auseinandersetzt, kann sie auch abbauen – deshalb spricht sie darüber. Katrin Achberger hat von Geburt an eine Spastik und ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Im Gespräch berichtet sie vom Leben mit der Behinderung.

Katrin Achberger ist eine lebensfrohe und pragmatische Frau, schon immer gewesen: Nach der Grundschule setzte sie mithilfe ihrer Eltern durch, dass sie auf einer Regelschule unterrichtet wird, studierte anschließend Verwaltungsmanagement, um finanziell unabhängig zu sein – „ich konnte ja schlecht Dachdeckerin werden“, grinst sie.

Assistenz im Alltag

Das Studium meisterte sie mit einer persönlichen Assistenz an ihrer Seite, auch zuhause begleitet sie eine Assistenz im Alltag. „Nur dadurch kann ich wirklich selbstständig sein und alleine wohnen“, erklärt Achberger. Bis dahin allerdings war es ein langer Weg: Nach dem Abschluss ihres Studiums war Achberger acht Jahre lang arbeitslos.

Berührungsängste

Einstellungsstopps in der Verwaltung waren der Grund, aber auch Berührungsängste, sagt sie: „Viele Arbeitgeber sehen erst den Rollstuhl und dann die Probleme, die auf sie zukommen. Die Person und das Potenzial interessieren dann nicht mehr. Ich musste mich mein ganzes Leben lang beweisen und für Anerkennung kämpfen“, sagt sie. Die hat sie 2012 bekommen: Bei der OsnabrückMarketing und Tourismus GmbH war sie als Projektleiterin für den Barrierefreien Tourismus in Osnabrück und im Osnabrücker Land tätig , erstellte in Zusammenarbeit mit der Firma Neumann Consult aus Münster einen Praxisleitfaden und überprüfte, inwiefern Ausflugsziele für Menschen mit Behinderung barrierearm zugänglich sind.

Patsy & Michael Hull Foundation

Seit August arbeitet Achberger beim Patsy & Michael Hull Foundation e.V. in Osnabrück, einer Stiftung, die inklusive Projekte in Kultur, Tanz und Bewegung initiiert und fördert. Im Projekt „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird, arbeitet sie im Peer Counseling, der Beratung anderer Menschen mit Behinderung. „In der Beratung unterstütze ich Menschen mit einer Behinderung dabei, ihr Leben selbstbestimmt zu führen – durch berufliche Teilhabe oder Hinweise auf Förderangebote. Barrieren, die Menschen mit Behinderung die Teilhabe erschweren, sind nämlich noch immer vorhanden“, erzählt Katrin Achberger.

Besser als vor 20 Jahren

Dennoch sei die Situation heute deutlich besser als vor 20 Jahren: „Bei Neubauten gibt es Auflagen zum barrierefreien Bauen, große Unternehmen müssen barrierefreie Toiletten vorhalten. Eingänge sind heute vielfach auch für Menschen im Rollstuhl passierbar und immer mehr Kommunen achten auf abgesenkte Bordsteine.“

Einen Tag im Rollstuhl verbringen

Und: „Der Inklusionsgedanke ist stärker ausgeprägt.“ Gerade auf dem Land müsse aber noch mehr sensibilisiert werden: Menschen, die barrierefreie Angebote bräuchten, würden sich oft nicht überwinden, entsprechende Angebote einzufordern. Katrin Achberger: „Das kostet täglich Kraft! Jeder Nicht-Behinderte sollte mal einen Tag im Rollstuhl verbringen oder mit verbundenen Augen den Alltag bestreiten, um die vielen Barrieren nachvollziehen zu können. Es muss einfach selbstverständlich werden, dass auch Menschen mit einer Behinderung am beruflichen und gesellschaftlichen Alltag teilnehmen können!“


Am gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Leben teilhaben, das geht alle an: Menschen mit Behinderung genauso wie Senioren oder Familien mit Kindern, ungeachtet ihres Geschlechts, ihres Alters oder ihrer Herkunft. Das Regionalmanagement Wittlager Land hat in Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln deshalb des Projekt „Barrieren abbauen“ initiiert, um für das Thema zu sensibilisieren, Perspektiven zu erweitern und Barrieren in den Köpfen abzubauen. Teil des Projekts ist eine vierwöchige Presseserie, in der verschiedene Menschen und Initiativen zu Wort kommen, die Barrieren abbauen – auf ganz unterschiedliche Weisen.

Mehr zum Thema auch unter www.wittlagerland.eu/barrieren-abbauen.

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