Festival lockt 600 Besucher „Wege durch das Land“ führen nach Schloss Ippenburg

Von Christa Bechtel


Lockhausen. Für drei Tage sprach der Ippenburger Parkplatz Bände, da sich dort Autos aus Herford, Bielefeld, Lippstadt, Paderborn, aber auch aus Hamburg, Essen, Münster, Düsseldorf… „versammelten“. Anlass für diese Präsenz war das 19. Literatur- und Musikfest „Wege durch das Land“.

Seit Mai traten 147 Künstler aus 22 Nationen in Schlössern und Mühlen, Gutshöfen, in Industriehallen, unter freiem Himmel, erstmalig auch in einem Kino auf – jedoch in Ostwestfalen-Lippe. Nun kam das Festival über die Landesgrenze nach Niedersachsen. Das dreitägige Finale fand erstmals zum Schloss Ippenburg in Lockhausen statt.

Historische Gemäuer

„Ich bin Abonnentin des Newsletters von ‚Wege durch das Land‘ und habe in den vergangenen Jahren zum Beispiel auf Gut Böckel schon wunderbare Veranstaltungen erlebt. Ich fand das immer faszinierend, weil es in historischen Gemäuern ist, sodass es eine zauberhafte Atmosphäre war. Dass sie jetzt in diesem Jahr nach Bad Essen auf Schloss Ippenburg ‚gehüpft‘ sind, hat mich total gefreut. Und dann noch mit dieser wunderbaren Schauspielerin Birgit Minichmayr – das finde ich für Schloss Ippenburg und Bad Essen eine ganz große Ehre“, erklärte Annette Ludzay, Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins Bad Essen.

Die Abschlussveranstaltung

„Es ist das erste Mal und auch gleich die Abschlussveranstaltung; das ist wirklich toll“, schwärmte Viktoria Freifrau von dem Bussche. Es sei schon etwas anderes, mal an einem Abend ein Konzert oder eine Lesung zu haben, „als wirklich am Stück.“ Alle rund 50 Künstler und Teams seien bei ihnen untergebracht. „Das belebt das Schloss“, so die Schlossherrin, die weiter schmunzelnd ergänzte: „Im Grunde genommen ist es gut, wenn Musik oder Literatur an einen Ort herangetragen wird, weil dann irgendwelche alten Geister wieder erwachen.“

Gastgeber waren wunderbar

Seit Monaten waren diese drei Veranstaltungen auf der Ippenburg mit etwa 600 Besuchern ausverkauft – eine Melange aus Literatur, Musik und leckerem Essen. In deren Mittelpunkt stand die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr, eine der profiliertesten Schauspielerinnen ihrer Generation, die sich ihre Rollen inzwischen aussuchen kann. Insgesamt weilte sie fast eine Woche mit ihrer Familie auf dem Schloss. Was sie sichtbar genoss. „Die Gastgeber waren wunderbar. Ich habe mich gut erholt“, sagte die Mutter von sieben Monate alten Zwillingen.

Den kühlsten Ort ausgesucht

Birgit Minichmayr, die diesjährige Schauspielerin in Residence, präsentierte in der Ippenburger Remise eigene Arbeiten, die entweder extra für „Wege durch das Land“ entstanden oder neu konzipiert und bearbeitet wurden. „Wer sie einmal auf der Bühne erlebt hat, ihre Präsenz, den ganz eigenen Raum, den sie sich nimmt und den sie auch für ihre Figuren herstellt – der vergisst das nie wieder“, meinte die künstlerische Leiterin Helene Grass. Ihr Kollege, der künstlerische Leiter Albrecht Simons von Bockum Dolffs, hatte am ersten Abend erklärt: „Wir haben den kühlsten Ort ausgesucht; das ist diese Scheune. Diesmal sind wir drei Tage hier zu Gast. Das ist eine große Herausforderung für jeden Gastgeber. Aber mit welcher Großzügigkeit und Herzlichkeit ihr uns aufgenommen habt, ist wirklich fantastisch; wir wissen das wahnsinnig zu schätzen – ihr habt alles möglich gemacht.“

Anspruchsvolle Kost

Während Birgit Minichmayr die ersten beiden Abende sehr anspruchsvolle Kost servierte, zeitweise auch etwas angespannt wirkte, brillierte sie zur letzten Veranstaltung geradezu. Denn Dorothy Parkers „New Yorker Geschichten“ standen auf dem Programm. Wandlungsfähig, mal zynisch, mal lieb, mal bitterböse oder sogar dem Weinen nahe spielte sie sich mit der entsprechenden Mimik und Gestik in die Herzen ihres Publikums.

Genial passte dazu die Musik des Classic-Jazz-Pianoduos Chris Hopkins & Bernd Lhotzky, die zu den weltweit führenden Vertretern des klassischen Jazz Pianos zählen. Ihre Auftritte, bei denen sie sich die Bälle der Improvisation nur so hin und her werfen, haben Kultcharakter. Und nachdem Birgit Minichmayr genial die betrunkene Dorothy Parker verkörpert hatte, floss an diesem herrlichen Sommerabend der Sekt auch für die Besucher…


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