Werbegemeinschaften und Handel Barrieren abbauen im Wittlager Land

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Für viele Geschäfte ist es eine Herausforderung einen barrierrefreien Zugang – so wie hier in Bad Essen – zu schaffen. Foto: Rainer WestendorfFür viele Geschäfte ist es eine Herausforderung einen barrierrefreien Zugang – so wie hier in Bad Essen – zu schaffen. Foto: Rainer Westendorf

Altkreis Wittlage. Ein selbstbestimmtes Leben ist nur möglich, wenn unser Alltag barriereärmer wird. Im Gespräch mit Michael Kleine-Heitmeyer, Vorsitzender des Gewerbevereins Bad Essen, Christine Bullermann, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Hunteburg und Wolfgang Tullney, Sprecher der Einzelhändler-Initiative „Ostercappelner Kaufhaus“, erklären Einzelhandelsvertreter, wie das Wittlager Land in Sachen Barrierefreiheit aufgestellt ist.

Der Status Quo kann sich sehen lassen: „In Ostercappeln wurde erst vor wenigen Jahren zahlreiche Eingänge und der Kirchplatz barrierefrei gestaltet, unter anderem mit Mitteln aus der Dorfentwicklung und dem Förderprogramm ‚Zukunftsfonds Ortskernentwicklung 2.0‘ des Landkreises Osnabrück“, erklärt Wolfgang Tullney.

Ein Bring-Service

In Bad Essen bieten Einzelhändler unterschiedliche Service-Leistungen an, die Barrieren abbauen: Der Edeka-Markt sowie mehrere Apotheken verfügen beispielsweise über einen Bring-Service. Christine Bullermann betont: „Jeder Betrieb in Hunteburg schafft mit Services und Dienstleistungen individuelle Barrierefreiheit für seine Kunden.“

Nicht aktiv eingefordert

Die konkrete Nachfrage sei aber erstaunlich gering: barrierearme Zuwegungen, Einkaufs-Services oder Informationen in leichter Sprache würden von der Bevölkerung angenommen, aber nicht aktiv eingefordert. Das mag auch daran liegen, dass die Ladengeschäfte im Wittlager Land größtenteils barrierearm sind. Drei Viertel der Mitgliedsunternehmen des Gewerbevereins Bad Essen und des Ostercappelner Kaufhauses verfügen zumindest über barrierearme Ein- und Ausgänge, schätzen die Vorsitzenden.

Christine Bullermann rechnet für die Mitglieder der Hunteburger Werbegemeinschaft sogar mit rund 80 Prozent – der deutschlandweite Anteil liegt nur im niedrigen zweistelligen Bereich. Komplizierter wird es hingegen bei behindertengerechten Sanitäranlagen; der Anteil sei geringer.

Gesetzgeber ist in der Pflicht

Der Willen sei zwar vorhanden, bauliche Anpassungen aber nicht immer einfach möglich: Ladenlokale mit steilen Treppen oder engen Stufen, gerade in älteren Häusern, könnten aus Denkmalschutzgründen nicht barrierefrei umgebaut werden, für behindertengerechte Toilettenräume sei oft nicht ausreichend Platz vorhanden. Innovative Ansätze gebe es zwar, strenge Vorschriften erlaubten aber oft keine alternative Lösungen: „In der Bad Essener Kaufmannschaft gibt es durchaus den Willen, weiter Barrieren abzubauen.

Ein Bäcker will zum Beispiel seine WCs durch eine behindertengerechte Unisex-Toilette ersetzen – das ist aber nicht erlaubt, weil per Gesetz nach Geschlechtern getrennte Toilettenräume vorgehalten werden müssen“, erzählt Michael Kleine-Heitmeyer. Die Werbegemeinschaften und Einzelhändler sehen daher auch den Gesetzgeber in der Pflicht, die notwendigen Rahmenbedingungen für den Barrierenabbau zu schaffen.

Das Ile-Regionalmanagement

Gleichzeitig wollen sie weiterhin selbst aktiv bleiben: Der Gewerbeverein Bad Essen plant derzeit eine Mitgliederbefragung, um Barrieren zukünftig koordiniert und gemeinsam abzubauen. Das Ile-Regionalmanagement Wittlager Land wird dieses Vorhaben im Rahmen des Projekts „Barrieren abbauen“ unterstützen.


Das Projekt „Barrieren abbauen“

Am gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Leben teilhaben, das geht alle an: Menschen mit Behinderung genauso wie Senioren oder Familien mit Kindern, ungeachtet ihres Geschlechts, ihres Alters oder ihrer Herkunft. Das Regionalmanagement Wittlager Land hat in Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln deshalb des Projekt „Barrieren abbauen“ initiiert, um für das Thema zu sensibilisieren, Perspektiven zu erweitern und Barrieren in den Köpfen abzubauen. Teil des Projekts ist eine vierwöchige Presseserie, in der verschiedene Menschen und Initiativen zu Wort kommen, die Barrieren abbauen – auf ganz unterschiedliche Weisen.

Mehr zum Thema auch unter www.wittlagerland.eu/barrieren-abbauen

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