Operation am Offenen Rücken Heithöfer Feuerwehr spendet für Notfall in Gambia

Von Gertrud Premke

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Ein süßer Fratz – und wieder gesund ist die kleine Evet Borry aus Gambia. Foto: Familie JattaEin süßer Fratz – und wieder gesund ist die kleine Evet Borry aus Gambia. Foto: Familie Jatta

Heithöfen. Angesichts der vielen Menschen, die durch Kriege, Naturkatastrophen und Hungersnöte unserer Hilfe bedürfen, vergisst man oft, dass hinter jedem Hilferuf ein Einzelschicksal steht. Und Einzelfallhilfe ist von vielen Organisationen offenbar schwer zu leisten, hier helfen oft nur persönliche Kontakte, wie die Geschichte unserer Mitarbeiterin Gertrud Premke zeigt. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass ein schwer krankes Mädchen in Afrika geheilt werden konnte.

Gambia, mit 80 Kilometern Küste am Atlantik gelegen, auch „Smiling Coast“ genannt, schlängelt sich als schmaler 350 Kilometer langer schmaler Streifen entlang des Gambia Flusses als Einschnitt in den Senegal in Westafrika. Es ist das kleinste Land Afrikas mit ungefähr zwei Millionen Einwohnern, und gleichzeitig eines der ärmsten Länder Welt, da keine nennenswerten Rohstoffvorkommen vorhanden sind. Wichtigster Wirtschaftsfaktor ist die Produktion von Erdnüssen. Das Durchschnittseinkommen lag im Jahre 2017 bei unter 1.000 US Dollar pro Einwohner. Die Malaria stellt für die Bevölkerung ein hohes Gesundheitsrisiko dar, hauptsächlich in der schwül-heißen Regenzeit.

Hohe Transportkosten

Gambias Hauptstadt Banjul liegt am Atlantik. Hier wurde im Januar in einem Krankenhaus die kleine Evet Borry Jatta mit einer Spina Bifida geboren, im Volksmund „Offener Rücken“ genannt. Hierbei handelt es sich um eine Entwicklungsstörung der Embryonalanlage, genauer gesagt einer Störung des Schließungsprozesses im Embryonalstadium der so genannten Neuralplatte, der ersten Anlage des späteren Zentralnervensystems. Ursache hierfür kann ein Folsäuremangel in der Schwangerschaft sein.

Bei dem kleinen Mädchen aus Gambia wurde eine Spina Bifida Cystica diagnostiziert und eine Operation „overseas“, also in Übersee, empfohlen. Denn die im Durchmesser vier Zentimeter große Zyste im unteren Rücken war nur mit einer hauchdünnen Membran überzogen und hochinfektiös. Und eine Operation wäre eigentlich bereits sofort nach der Geburt angezeigt gewesen, und zwar von einem Neurochirurgen, den es aber in Gambia nicht gibt. Und so erreichte die Verfasserin dieses Berichts Ende April ein Hilferuf des Vaters Nicholas Jatta, eines Lehrers an der katholischen St. Josephs’s School in Banjul, an deren Erweiterungsbau die Verfasserin von 2002 bis 2005 ehrenamtlich mitgewirkt hatte.

Sofort wurden bekannte nationale und internationale Hilfsorganisationen kontaktiert. Erfolglos, denn fast alle reagierten mit der negativen Antwort, dass man keine Einzelschicksale unterstütze. Hilfe sagten jedoch die Niels-Stensen-Kliniken zu: Dr. Martin Gerdes, Chefarzt am Krankenhaus Ostercappeln, hatte von seinem Kollegen am Marienhospital Osnabrück, dem Neurochirurgen Professor Christoph Greiner, die Zusage einer kostenlosen OP erhalten. Doch wer hätte die hohen Kosten für einen Krankentransport von Westafrika nach Deutschland getragen? Die Option, das kleine Mädchen hier operieren zu lassen, musste somit verworfen werden.

Hilfe aus Belgien

Dennoch hatte die kleine Evet Borry Glück im Unglück und ihr Schicksal nahm letztendlich doch eine günstige Wendung. Die Mitarbeiter der kontaktierten Hilfsorganisation „Child-Help“ mit Sitz in Belgien, die sich um an Spina Bifida erkrankte Kinder in der Dritten Welt kümmert, fanden heraus, dass es einen Neurochirurgen an der Universität in Dakar im Senegal gibt. Und in Heithöfen, dem Wohnort der Verfasserin, tat sich auch etwas: Während des Gemeindefeuerwehrfestes im Mai kam durch den Verkauf von Ansichtskarten, durch private Spenden und nicht zuletzt durch Spenden der Freiwilligen Feuerwehr Heithöfen eine für gambische Verhältnisse stattliche Summe zusammen, die anschließend zu Händen des Lehrers nach Banjul überwiesen wurde. Die Summe reichte immerhin, um Professor Youssoupha Sakho, Neurochirurg an der Uniklinik in Dakar, die Reise vom Senegal nach Gambia zu ermöglichen, wo er schließlich die kleine Evet in ihrem Geburtskrankenhaus in Banjul wenige Tage später erfolgreich operieren konnte. Allerdings musste ihr Vater noch einen Kredit von rund 1.500 Euro aufnehmen, um weitere laufende Arzt- und Krankenhauskosten zu begleichen, denn die Krankenversicherung in Gambia ist äußerst unzureichend. In einer Mail bedankte er sich jetzt sehr herzlich für die Unterstützung aus dem Wittlager Land und teilte mit, dass sich seine kleine Tochter auf dem Wege der Besserung befinde, was auch das der Mail angehängte Foto aufs Schönste belegt. – Weitere Information über eine Spendenmöglichkeit für Evet Borry können bei Gertrud Premke, Telefon 05745/478, erfragt werden.


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