Auf Rasensprengen verzichten Trotz Trockenheit: Keine Wassernot im Wittlager Land

Von Kerstin Balks


Bad Essen/Belm/Bissendorf. Viele leiden unter der Sommerhitze, die Waldbrandgefahr ist hoch, Gewässer zeigen Niedrigststand. Noch fließt unser Wasser zuverlässig aus dem Hahn – und so wird es wahrscheinlich auch bleiben, wie Uwe Bühning, Geschäftsführer des Wasserverbandes Wittlage im Gespräch mit unserer Redaktion versicherte. Dennoch: Verschwenderisch sollte man mit dem erfrischenden Nass nicht umgehen.

Herr Bühning, die anhaltende Trockenheit macht vor allem den Landwirten zu schaffen. Stellt sie auch für den Wasserverband Wittlage ein Problem dar?

Ja, gewissermaßen schon. Wir hatten in den vergangenen zwei Monaten eine Reihe von Tagen, an denen die Wasserabgabe 70 Prozent über dem durchschnittlichen, täglichen Verbrauch gelegen hat. Die acht Wasserwerke unseres Verbandes versorgen rund 52.000 Einwohner in den Gemeinden Bad Essen, Belm, Bohmte und Ostercappeln mit Trinkwasser. Dessen Gewinnung erfolgt aus 26 Förderbrunnen in den einzelnen Trinkwassergewinnungsgebieten. Für jedes Trinkwassergewinnungsgebiet und jeden Förderbrunnen liegt eine wasserrechtliche Bewilligung vor, in der die maximalen täglichen und stündlichen Entnahmemengen festgelegt sind. Auch dies bedarf bei einer längeren Trockenperiode besonderer Beachtung.

Wie macht sich das in den Wasserwerken bemerkbar?

Die Wasserwerke sind für eine bestimmte Förderleistung ausgelegt und dimensioniert. Hierbei ist sehr wohl berücksichtigt, dass in den Sommermonaten und bei anhaltender Trockenheit deutlich höhere Verbräuche anzunehmen sind als in den Wintermonaten. Steigen die Verbräuche wie in den vergangenen Wochen drastisch, sind die Wasserwerke vollständig ausgelastet. Sie stoßen an ihre hydraulischen Grenzen, wobei es auch zu Druckschwankungen kommen kann. Bisher ist es uns jedoch noch gelungen, unsere Speicherbehälter über Nacht wieder zu befüllen, um die Wasserversorgung am Folgetag zu sichern. Generell wird im Frühjahr übrigens mehr Wasser genutzt als im Hochsommer, weil sich viele Familien in der Ferienzeit im Urlaub befinden.

Könnte der Verbraucher mit Einschränkungen konfrontiert sein?

Wasser ist grundsätzlich genug vorhanden. Das Grundwasser in 30 bis 80 Meter Tiefe, aus denen die Wasserwerke überwiegend fördern, bildet sich in erster Linie im niederschlagsreichen Winterhalbjahr. Bei einer weiteren Verschärfung der Verbrauchssituation bzw. einem nochmals deutlichen Anstieg des täglichen Wasserbedarfs können öffentliche Wasserversorger aufgrund der „Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser“ die Wassernutzung einschränken. Beispielsweise könnte das Rasensprengen und das Befüllen von privaten Schwimmbecken untersagt werden.

Was sollte der Verbraucher beachten? Gibt es Tipps für wassersparende Gießen?

Der Verbraucher sollte sich darauf besinnen, das nur unbedingt Notwendige in Maßen zu bewässern. Dazu gehört definitiv nicht das Rasen sprengen.

Könnte es auch dazu kommen, dass ein Wassernotstand ausgerufen würde und wenn ja, wie würde die Bevölkerung informiert?

Dass ein Wassernotstand ausgerufen wird, schließe ich derzeit aus. Die vorhandenen Grundwasserressourcen und Förderbedingungen sind beim Wasserverband Wittlage so leistungsfähig, dass eine ausreichende Wasserversorgung auf Basis der im Jahresmittel durchschnittlich täglichen Abgabemenge jederzeit gewährleistet ist. Sollte es aufgrund hoher Spitzenverbräuche notwendig sein, Verbote oder Appelle auszusprechen, würde dies ortsüblich bekannt gemacht, das heißt über die Presse oder die Homepage der Gemeinden und des Wasserverbandes, notfalls auch über das Radio.

Gäbe es Ausnahmegenehmigungen, etwa für Einrichtungen im Gesundheitswesen, Landwirte oder Gewerbetreibende?

Die Versorgungssicherheit für Einrichtungen im Gesundheitswesen hat natürlich oberste Priorität. Auch für die Landwirtschaft, insbesondere für die tierhaltenden Betriebe, ist die Wasserversorgung von besonderer Bedeutung und zwingend aufrecht zu erhalten. Bei der Bewässerung von Sonderkulturen ist besondere Sensibilität geboten, eine etwaige Feldbewässerung hiervon erfolgt in enger Abstimmung mit dem Verband in abgestimmter Menge und in einem definierten Zeitfenster.

Man hört ja immer wieder, dass Wasser direkt aus Bächen und Seen entnommen wird. Ist das erlaubt und wenn nein, wird dagegen vorgegangen?

Grundsätzlich ist bei jeder Wasserentnahme, unabhängig davon ob sie aus dem Grundwasser oder aus einem Oberflächengewässer erfolgt, eine wasserbehördliche Erlaubnis erforderlich. Unberechtigte Wasserentnahmen liegen aber nicht im Zuständigkeitsbereich des jeweiligen Wasserversorgers, sondern der Unteren Wasserbehörde, also beim Landkreis.

Ist dieser Sommer eine Ausnahme oder haben Sie schon vergleichbare Jahre erlebt?

Wir haben es in der Vergangenheit schon häufiger erlebt, dass es in den Monaten Juli/August sechs Wochen sehr trocken gewesen ist und keine Niederschläge gefallen sind. In diesem Jahr verschärfte sich die Situation aber bereits Anfang Mai durch die anhaltende Trockenheit, insbesondere während der Hauptvegetationszeit.


Wasserverband Wittlage

Dem Wasserverband Wittlage gehören neben den Gemeinden des Altkreises Wittlage, also Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln, auch die Gemeinden Bissendorf und Belm an. Damit versorgt der kommunale Zweckverband 52.000 Einwohner mit Trinkwasser und stellt die Abwasserentsorgung für 67.000 Menschen sicher. 65 Mitarbeiter kümmern sich um ein weitläufiges Netz von acht Wasserwerken, zahlreichen Brunnen und 700 Kilometern Versorgungsleitungen sowie 800 Kilometern Schmutzwasserkanäle auf einer Gesamtfläche von 457 Quadratkilometern.

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