Konzert mit dem Kammerchor Kant Klassisches und Folkloristisches in Bad Essen

Von Conny Rutsch

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Bad Essen. Gänsehaut pur verursachte der Kammerchor Kant aus Gusev, der am Donnerstagabend in der St.-Nikolai-Kirche gastierte. Der Chor ist auf Konzertreise in Deutschland unterwegs, und weil ein angesetztes Konzert ausfiel, bot die Bad Essener Kirchengemeinde einen Ersatztermin an.

Der Laienchor aus dem früheren ostpreußischen Gumbinnen hatte ein dreiteiliges Programm mitgebracht. Und schon der Beginn mit geistlichen Liedern beeindruckte die Zuhörer in der sehr gut besuchten Kirche. Einen Zusammenklang erzeugten die 14 Sänger – neun Frauen und fünf Männer – , wie es ein Profichor nicht besser machen könnte.

Dynamische Gestaltung

Mit unglaublich feinsinniger dynamischer Gestaltung brachte der Chor ein „Parce domine“ des polnischen Komponisten Feliks Nowowiejski oder ein „Vater unser“ des Brasilianers Heitor Villa-Lobos zu Gehör. Nahezu überirdisch schön klangen die geistlichen Gesänge durch das Kirchenschiff. Die Dirigentin des Chores, Tatjana Matwejewa, formte die Musik förmlich mit den Händen. Eine Besonderheit machte die musikalische und stimmliche Ausdruckskraft der Sänger deutlich: die Dirigentin gab den Stimmen ihre Töne an, die diese jedoch nicht ansummten, sondern rein aus der Vorstellungskraft und lupenrein umsetzten.

„Ännchen von Tharau“

Den zweiten Teil des Programms prägten lyrische Lieder, anrührend angeführt vom ostpreußischen Volkslied „Ännchen von Tharau“. Es folgten Schlager und Ohrwürmer, zum Teil in russischer Sprache, die die unglaubliche Wandlungsfähgikeit des Chores zeigten, bis hin zum auf Deutsch gesungenen alten Hit „Tulpen aus Amsterdam“, in den die Zuhörer begeistert einstimmten.

„Hinter dem Fluss“

Selbstverständlich bediente der Chor in seinem riesigen musikalischen Spagat auch die Klischees, die ein deutsches Publikum von einem russischen Ensemble erwartet. Nun nicht mehr in klassischer Chorkleidung, sondern in folklorischen Kostümen und Kleidern, erzählten die Sänger musikalisch aus ihrer Heimat. Vom traurigen Liebeslied, über Volksweisen bis hin zu dem Kosakengesang „Hinter dem Fluss“ erklang die gesamte Bandbreite der russischen Volksmusik.

Während die Sänger ihre Stimmen zu Beginn des Konzertes ganz klassisch führten, nutzten sie nun die Klangfülle ihrer Bruststimmen, die den russischen Stimmklang so besonders macht.

Eine innige Beziehung

Der Kammerchor Kant ist auf eigenes finanzielles Risiko in Deutschland unterwegs, wird eingeladen von Deutschen, die eine innige Beziehung zum früheren Ostpreußen pflegen. Und die Moderatorin des Abends, Vera Kurzonowa, erzählte in den Umzugspausen der Sänger, dass der Chor auch internationale Festivalteinahmen und Preise vorweisen kann.

Mit dem deutsch gesungenen „So ein Tag, so wunderschon wie heute“ verabschiedeten sich die Sänger mit ihrer beeindruckenden Musikalität und ihrem höchstprofessionellen und doch so unprätentiösem Auftritt aus Bad Essen.


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