„Tiny Houses“ Thema Innovative Ideen zum Miteinanderleben in Bad Essen

Von Christa Bechtel

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Bad Essen. Sein exzellenter Ruf war dem deutschen Architekten und Künstler laotischer Herkunft, Van Bo Le-Mentzel, offensichtlich vorausgeeilt, denn der Bad Essener Schafstall war sehr gut gefüllt. Im Rahmen der Schafstall Regionale referierte der Berliner dort zum Thema „Die neue Einfachheit – Tiny Houses“, um nachhaltige, innovative Ideen zum Miteinanderleben vorzustellen.

„Damit haben wir gar nicht gerechnet“, freute sich Annette Ludzay, Geschäftsführerin des veranstaltenden Kur- und Verkehrsvereins, die nicht nur den Architekten, sondern auch Udo Holtkamp von der Recycling-Börse Herford willkommen hieß.

Weiter sagte sie: „Ich interessiere mich seit Jahren für Tiny Houses, finde das ganz spannend, auch andere Wohnformen zu erleben.“ Als alternative Übernachtungsmöglichkeiten könnte man sie sich in Bad Essen für Gäste vorstellen, „die mal besonders übernachten möchten“, so Ludzay.

Kleinste Form von Wohnhäusern

Van Bo Le-Mentzel wurde 1977 in Laos geboren. Bekannt wurde er durch die Entwicklung der Hartz-IV-Designermöbel zum Selbstbau mit geringem Kostenaufwand. Seinen drei Stunden-Vortrag gestaltete er in drei Themenblöcke – und begann mit den „Tiny Houses“, was übersetzt „winzige Häuser“ bedeutet, also die kleinste Form von Wohnhäusern. „Was ist daran neu, was besonders?“, warf er gleich als Frage auf. Von der technischen Umsetzung und der räumlichen Anwendung sei es nicht neu. „Es ist so alt wie es Holz, Menschen gibt“, stellte der Architekt heraus. Aber: „Der Zeitpunkt ist sehr explosiv“, wies er auf die Tiny Houses-Bewegung, die vor zwölf Jahren in den USA begann.

Zu wenig Fantasie

Van Bo Le-Mentzel hat die kleinste Wohnung Deutschlands auf 6,4 Quadratmetern in Berlin gebaut. „Wir haben nicht zu wenig Wohnraum, sondern wir haben zu wenig Fantasie. Uns fehlt einfach völlig die Vorstellungskraft, wie wir mit Raum intelligent umgehen“, die Maxime des Architekten, der Menschen mit wenig Geld, aber Stilbewusstsein dazu motivieren will, selbst Hand anzulegen. So will er mit seinen Minihäusern aus Holz, die eine Höhe von 3,20 Metern – daher kann eine zweite Etage entstehen - und Fenster aus Plexiglas haben, zum neuen Nachdenken über das Wohnen anregen. Sicher auch ein Beitrag zu Ökologie und Nachhaltigkeit.

Auf fahrbarem Untersatz

„Sind sie auch Altenkompatibel?“, kam als Frage aus dem Publikum. Was sich nach den Ausführungen von Le-Mentzel, der für eine anregende, zeitweise auch kontroverse Diskussion sorgte, als unrealistisch erwies. „Die Leute, die in Tiny Houses leben, sind fast nie da“, nur eine Aussage. Auch die Frage „Ist es erlaubt, in einem Tiny House zu wohnen?“, beantwortete der Berliner mit einem klaren „Nein, da man in Deutschland nur in Wohnungen wohnen darf. Aber man darf dort leben.“ Reizvoll ist sicher, dass die Häuser keinen Bauantrag benötigen (da unter 10 Quadratmeter), auf einem fahrbaren Untersatz stehen, somit jederzeit standortmäßig versetzt werden können.

Bauhaus Campus in Berlin

Zweiter Themenblock war die Tiny House Design-School, die Van Bo Le-Mentzel 2017 am Bauhaus Campus in Berlin auf zehn Quadratmetern gegründet hat; gesponsert wurde sie von Ikea. Hier seine Frage: „Wie viel Quadratmeter braucht Wissen, Austausch, Anerkennung?“ Aber das Zauberwort für den Künstler ist „Gemeinschaft“. „Wohnen in einem Umfeld, das Spaß macht. Und Gemeinschaft zu wechseln, da steckt auch eine große Qualität der Freiheit dahinter“, betonte er.

Gemacht für Großstädte

Wie viel Bedeutung dieses Kollektiv hat, wurde durch Le-Mentzels drittes Thema, dem Co-Being House deutlich. Ein Typenhaus, ein serielles Projekt, das schnell und relativ günstig umgesetzt werden kann. „Gemacht für Großstädte, wo die Mieten nicht mehr bezahlbar sind“, erläuterte der Architekt seine Idee. In der Mitte hat es einen Gemeinschaftsbereich, den er „Co-Being Space“ nennt, was soviel heißt, dass man einfach dort sein kann.

Je nach Lebenssituation

„In diesem Haus finden die Ärmsten der Armen Unterschlupf, da die Miete bei 100 Euro warm liegt (pro Parzelle)“, stellte er die vielen Gesichter des Co-Being Houses vor. Je nach Lebenssituation kann man dort seinen Wohnraum anpassen, also weniger oder mehr mieten. Wer sich für diese Lebensformen interessiert, sollte im Internet „Van Bo Le-Mentzel“ googeln.


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