CDU-Diskussionsveranstaltung Warum der Speicher Bad Essen abgerissen werden soll

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Der ehemalige Kornspeicher am Mittellandkanal in Bad Essen wurde 1938 errichtet. Foto: Oliver KratoDer ehemalige Kornspeicher am Mittellandkanal in Bad Essen wurde 1938 errichtet. Foto: Oliver Krato

Bad Essen. Warum hat die CDU-Gemeinderatsmehrheit beschlossen, dass der Speicher am Mittellandkanal abgerissen werden soll? Was kommt nach dem Rückbau des 80 Jahre alten Gebäudes? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Abends, zu dem die CDU Bad Essen eingeladen hatte.

„Feierabend am Speicher“, so war die Veranstaltung überschrieben. „Ein durchaus zweideutiger Titel“, so CDU-Fraktionssprecher Michael Kleine-Heitmeyer. Schließlich fand der Abend in der Marina Blue Bar neben dem Speicher statt und zudem soll ja „Feierabend“ für das Bauwerk sein.

Gerüchte und Halbwahrheiten

Der geplante Abriss ist ein Thema, das viele Bürger bewegt. Entsprechend groß ist die Zahl der Kommentare und Veröffentlichungen, vor allem in den sozialen Netzwerken. „Es sind viele Gerüchte und Halbwahrheiten unterwegs“, merkte Kleine-Heitmeyer an. Auch das war ein Grund, die Veranstaltung zu organisieren.

Bad Essens Ortsbürgermeister Jens Strebe blickte daher noch einmal auf das 2008 begonnen Verfahren „Sanierungsgebiet Hafenstraße“ zurück. Kernpunkt waren drei Bereiche: das Neubaugebiet auf der ehemaligen Industriebrache, die Anlage der Marina und die Sanierung und Neunutzung des großen Kornspeichers. Wohngebiegt und Marina wurden bekanntlich realisiert. Die Bemühungen, den Speicher umzubauen, sind bislang gescheitert.

Mehr als zehn Millionen Euro

„Eine Sanierung des Speichers in eigener Regie durch die Gemeinde stand nie zur Diskussion“, betonte Strebe. Die Kosten würden – trotz Zuschussmöglichkeiten – zehn Millionen Euro deutlich übersteigen. „Die Suche nach einem professionellen Investor mit schlüssigem Konzept war immer das einstimmig erklärte Ziel des Gemeinderates“, sagte Strebe. In den vergangenen Jahren haben sich insgesamt fünf Investoren an dem Projekt versucht. Darunter war das Konzept „Mast und Segel“ von Hoff & Partner, das nur teilweise den Umbau vorsah und einen Neu-/Anbau am Speicher vorsah. „Es kam aufgrund fehlender Vermarktungschancen aber nicht zum Tragen“, so Strebe. Zuletzt war Werner Steinemann der Interessent, aber auch er wagte den Umbau nicht.

„Kann das Investment aufgehen?

„Kann das Investment aufgehen?“ Diese Frage habe sich der Kommunalpolitik gestellt. Die Antwort der CDU sei ein „Nein“, so Kleine-Heitmeyer. Zumal die Förderperiode bald ende und ein Umbau ohne Zuschüsse umgesetzt werden müsse. Der Beschluss, den Speicher abzureißen, kam nicht plötzlich, betonte Kleine-Heitmeyer. Schon nach dem gescheiterten Versuch mit Hoff & Partner sei diese Variante diskutiert worden. Und nach dem Rückzug Steinemanns wurde der Abrissbeschluss dann schließlich getroffen.

Verkehrssicherungspflicht

Wie teuer ist der Rückbau? Rund 600.000 Euro. Das Gebäude stehen zu lassen, koste übrigens ebenfalls Geld. Die Gemeinde müsse ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen. Zudem sei eine Dach- und Fassadensanierung erforderlich, sagte Strebe. Daher, so argumentierte dann Kleine-Heitmeyer, mache es keinen Sinn, 500.000 Euro in die Instandhaltung zu investieren, um das Gebäude später dann doch abzureißen. Was der Fall wäre, wenn weiter (vergeblich) nach einem Investor gesucht werde. Der Rat trage nämlich auch die Verantwortung für die kommunalen Finanzen.

Neuerlicher Wettbewerb

Nun gelte es, an Stelle des Speichers etwas Neues zu schaffen. Die Platzgestaltung und ein künftiges Gebäude müssten dem „tollen Ort hier gerecht werden“, sagte Kleine-Heitmeyer. Unter Einbeziehung des Gestaltungsbeirates der niedersächsischen Architektenkammer wurden auf Basis der aktuell gültigen Beschlusslage, die den Abriss des Speichers vorsieht, inzwischen die ersten Ideen zur Vorbereitung eines neuerlichen Wettbewerbs entwickelt. „Dabei gibt es ausdrücklich keine gesetzten architektonischen Konzepte oder Vorgaben“, so die CDU Bad Essen.

Die künftige Nutzung

Dass der Speicher abgerissen werden soll, ohne dass Klarheit über die künftige Nutzung des gut 4,5 Hektar großen Areals herrscht, kritisierten mehrere Veranstaltungsteilnehmer. Auch das angestrebte Bürgerbegehren war Diskussionsthema. Die Entscheidung darüber trifft der Verwaltungsausschuss in seiner nächsten Sitzung


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