Diskussionsabend bei der SPD Soll der Speicher in Bad Essen erhalten werden?

Von Rainer Westendorf

Der Hafenspeicher an der Marina in Bad Essen. Die Zukunft des Gebäudes und des Areals waren Themen einer Diskussionsveranstaltung im Hotel Haus Deutsck Krone.Foto: Jörn MartensDer Hafenspeicher an der Marina in Bad Essen. Die Zukunft des Gebäudes und des Areals waren Themen einer Diskussionsveranstaltung im Hotel Haus Deutsck Krone.Foto: Jörn Martens

Bad Essen. Was wird aus dem Gelände des Speichers am Mittellandkanal nach dem vom Gemeinderat beschlossenen Abriss des Bauwerks? Kann das historische Gebäude vielleicht doch erhalten werden? Über diese Fragen diskutierten auf Einladung der SPD Bad Essen die Teilnehmer einer Veranstaltung am Mittwochabend im Hotel Haus Deutsch Krone.

Im März hatte der Gemeinderat Bad Essen mit der Mehrheit der CDU-Stimmen beschlossen, den Speicher abzureißen. „Der Beschluss heißt aber nicht, dass wir das gut finden“, merkte SPD-Ortsvereinsvorsitzender Axel Gruczyk einleitend an. Jetzt gehe es um die Frage, wie es auf dem Gelände künftig aussehen könnte. „Und je mehr Bürger bei diesen Überlegungen mitmachen, desto besser.“

Ein-Stimmen-Mehrheit

„Speicher weg und was dann?“, so war der Abend überschrieben. Um das „Was dann?“ ging es allerdings erst gegen Ende der rund zweistündigen Veranstaltung. Nahezu alle Teilnehmer sind für den Erhalt des Gebäudes. Tenor: Der 80 Jahre alte Kornspeicher ist ein Wahrzeichen des Ortes Bad Essen und darf nicht abgerissen werden, egal welche Nutzung realisiert wird. Heftige Kritik äußerten mehrere Bürger. „Der Abrissbeschluss war plötzlich und unerwartet“. Die CDU habe mit ihrer Ein-Stimmen-Mehrheit die Entscheidung durchgezogen und die Bürger nicht eingebunden. Zwar habe es auch in der CDU-Mitglieder gegeben, die für den Erhalt des Bauwerks seien. Diesen fehlte aber der Mut, ihre eigene Meinung zu sagen. Letztlich gehe es der Partei nicht um die Sache, sondern um die Macht, mutmaßten einige Besucher des Treffens.

Gespräche und Verhandlungen

Hintergrund: Die Ideen zum Erhalt und zur Modernisierung des 35 Meter hohen ehemaligen Kornspeichers sind bereits seit den vorbereitenden Untersuchungen zum Sanierungsgebiet Hafenstraße im Jahre 2003 verfolgt worden. In den zurückliegenden Jahren gab es viele Kontakte, Gespräche und Verhandlungen mit Interessenten. Geplant waren von Anfang an Wohnungen, Gewerbe und Gastronomie. Potenzielle Investoren sind aber niemals bis an den Punkt der Bauantragstellung gelangt. Sämtliche Investoren, die sich im Lauf der Jahre mit dem Projekt beschäftigt haben, sind abgesprungen.

Notarielle Auflösung

Zuletzt, im Januar 2018, hatten sich Gemeinde und der Investor Werner Steinemann über die notarielle Auflösung des ein Jahr zuvor geschlossenen Kaufvertrags geeinigt. Speicher und Grundstück sind also wieder in kommunalen Besitz. Der Rückzug des letzten potenziellen Investors war für die CDU wie berichtet der Anlass war, jetzt den Abriss zu forcieren und eine Neuüberplanung des Areals zu starten. Das Ziel ist vorgegeben worden, dass eine markante Bebauung entstehen und ein neues Wahrzeichen für Bad Essen an die Stelle des Speichers treten soll.

Elke Matthey, Sprecherin der SPD/FDP/Bündnis-C-Gruppe im Rat, wies auf ein grundlegendes Problem hin: Bei allen Überlegungen und Plänen in den vergangenen Jahren war die Voraussetzung der Speichererhalt mit einer Nutzung für Gastronomie, Büroräume und Wohnungen im oberen Bereich. Dieses Konzept habe sich nicht verwirklichen lassen. Aber über eine alternative Nutzung des Bauwerks wurde niemals ernsthaft nachgedacht. Das sollte aber nun geprüft werden; und zwar vor einem Abriss. „Wir sollten das Ganze auf Null drehen und von vorne anfangen“.

Ein Kontrapunkt

Der Speicher stehe seit gut 80 Jahren am Mittellandkanal. „Da kommt es jetzt auf ein paar Jahre mehr auch nicht an“, sagten mehrere Veranstaltungsbesucher. Klaus Haasis, SPD-Ratsmitglied, führte an, dass der Speicher in den bisherigen Plänen ganz bewusst als „Kontrapunkt“ zu der anderen Bebauung am Kanal gesehen wurde. Dass wenig Vorschläge für die Geländenutzung ohne das Bauwerk gemacht wurden, wunderte Haasis nicht. Das zeige doch nur, wie wichtig vielen Bürgern der Erhalt des Gebäudes sei.

Am 23. Mai kommt erstmals ein „temporärer Beirat für Baukultur in Bad Essen zusammen. Zu diesem Beratungsgremium gehören mehrere Architekten. In einem Workshop dieses Beirates werden Vertreter aus Politik und Verwaltung mit der fachlichen Unterstützung der Architekten wegweisende Empfehlungen erarbeiten, wie das Hafengelände weiterentwickelt werden kann. Die Ergebnisse können dann als Grundlage für einen sich aller Wahrscheinlichkeit nach anschließenden Investorenwettbewerb für das Grundstück dienen.

Arbeit ist ergebnisoffen

Die Arbeit ist ergebnisoffen. Das heißt, es ist durchaus denkbar, dass die Mitglieder den Erhalt des Speichergebäudes empfehlen. Darauf setzen nun viele der Versammlungsteilnehmer ihre Hoffnungen. Das würde allerdings auch bedeuten, dass der Ratsbeschluss vom März, den Speicher zurückzubauen, wieder aufgehoben werden müsste.


Gestaltungsbeirat

Ein „temporärer Beirat für Baukultur“ (Gestaltungsbeirat) trifft sich am 23. Mai, in Bad Essen. Das ist ein Instrument, das die Architektenkammer Niedersachsen kleineren Kommunen anbietet. Mitglieder sind mehrere Architekten sowie Vertreter der Verwaltung und der Bauaussschuss der Kommune. Der Beirat soll Empfehlungen erarbeiten, wie die künftige Nutzung des Areals aussehen könnte und sozusagen mit dem Architektenblick von außen Ideen entwickeln. Denkbar ist übrigens auch, dass der „temporärer Beirat für Baukultur“ sich für den Erhalt des Speichers ausspricht.