Tourismustag mit Referaten Pragmatische Lösungen in Bad Essen vorgestellt

Von Christa Bechtel


Bad Essen. Auf die Suche nach dem „guten Leben“ machten sich einige Referenten im Rahmen des 3. Bad Essener Slow-Tourismutages im Hotel „Haus Deutsch Krone“ in Bad Essen. Mitgebracht hatten sie praxistaugliche, pragmatische Lösungsansätze, Beispiele und jede Menge Erfahrung. Die Moderation übernahm Annette Ludzay, Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins Bad Essen.

„Ich bin immer gerne in Bad Essen, denn hier fühlt man sich einfach wohl, hier ist ‚gutes Leben‘“, gestand Judith Vollheim, Beraterin der Project M, Hamburg, die den Reigen der Referate eröffnete. Sie werde in das Thema einführen. „Alle anderen greifen dann vertiefende Themen auf“, erläuterte die Referentin, die mit drei Fragen startete: „Was ist das Gute?“, „Was ist das gute Leben?“ und „Was können Orte zum guten Leben tun, wie profitieren sie davon?“

Familie und Gesellschaft

In der Folge griff sie Ergebnisse eines Bürgerdialogs auf, was die in Deutschland lebende Bevölkerung als gutes Leben erachtet. Das seien Bereiche wie Gesundheit, Zusammenhalt in der Familie und Gesellschaft, gute Arbeit, gute Infrastruktur und bezahlbarer Wohnraum oder sicher, frei und gleichberechtigt leben. Doch was können Orte tun, um uns zu einem guten Leben zu verhelfen?

Zusammenhalt stärken

Hier nannte die Hamburgerin beispielsweise Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern und Bürgern, sie ernst nehmen, informieren, einbinden, aktivieren, aber auch das Ehrenamt fördern. Oder Orte der Begegnung schaffen, Zusammenhalt stärken, Gesundheit fördern, Lebensqualität erhalten. All das seien Ansätze, die mit Cittaslow verbunden sind, aber ständiges Engagement fordern würden, so Vollheim, die zusammenfasste: „Gut leben ist nicht nur eine Frage der Rahmenbedingungen, sondern auch Einstellungssache.“ Gerade Bad Essen habe sich durch zahlreiche Maßnahmen zu einem Wohlfühlort entwickelt, betonte sie.

Im digitalen Zeitalter

„Auf den Tourismus übertragen: Wenn wir die Gäste in die Region, in die Betriebe holen wollen, brauchen wir auch gute Arbeit, gute Betriebe. Selbstverständlich haben wir das in der Region“, stellte Falk Hassenpflug von der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim heraus, der zum Thema „Arbeitswelt 4.0 – Alles gut! – oder was?“ sprach. Dabei griff er die Frage auf „Wie verändert sich unsere Arbeitswelt?“, um daraus eine Brücke zu schlagen: „Was kann vielleicht auch der Tourismus dazu beitragen, dass es gute Arbeit wie auch ein gutes Leben gibt?“ Arbeit „4.0“ umspannt übrigens den Veränderungsprozess der Arbeitswelt im digitalen Zeitalter.

„Der Mensch als Teil des globalen Wandels – Herausforderungen und Lösungsansätze sozialer Nachhaltigkeit“ hatte Prof. Dr. Anja Wollesen von der Fachhochschule Westküste, Heide, als Thema gewählt. Ihr Schwerpunkt: soziale Nachhaltigkeit. So beleuchtete sie Fragen wie „Was ist das eigentlich wirklich?“, „Wie machen sich Lösungsansätze auf der lokalen Ebene bemerkbar?“ Dabei hob sie die Partizipation der einheimischen Bevölkerung hervor, „die in kleineren Orten fast selbstverständlich ist. Aber in der touristischen Entwicklung nicht vergessen werden darf, dass dort die Einheimischen stärker einzubinden sind“, sagte Wollesen.

Konzentrationssteigerung

Zu Beginn des zweiten Teils lernten die Teilnehmer mit Christian Tebben, Yogalehrer und Physiotherapeut im Aktivita Sole Spa Bad Essen, einige Achtsamkeitsübungen als Mittel zur Fokussierung und Konzentrationssteigerung aktiv kennen. Danach referierte Conny Holtmann zum Thema „Resilienz“. „Die wir als innere Widerstandskraft des Menschen bezeichnen“, sagte Holtmann. Resilienz helfe, gut durch Krisen durchzukommen, sie unbeschadet zu überstehen, bestenfalls, noch gestärkt daraus hervorzugehen.

Verein „Weg der Sinne“

Umweltpädagogin und Gartentherapeutin Carola Bartelheimer vom Verein „Weg der Sinne“ Bad Essen präsentierte die Angebote, die sie in diesem Jahr mit ihrer Kollegin, der Kräutergärtnerin Elke Fukking Interessierten anbieten wird. Wie zum Beispiel eine Blüten- und Kräuter Werkstatt oder einen November-Blues. „Die Botschaft ist, dass Gärten total entspannen, dass man einfach nur rausgehen muss, um Natur zu genießen“, ist sich Bartelheimer sicher.

Die ganze Palette an Möglichkeiten stellte Dirk Steinmeyer, Eine Welt Promotor, Süd Nord Beratung Osnabrück zum Standortfaktor „Fairer Handel“ mit Anreiz und Wirkung für Mensch, Region und die Eine Welt vor. Er findet es super, „dass man hier den regionalen Aspekt mit dem globalen Aspekt im fairen Handel in Verbindung bringt, sodass es ein rundes Konzept ist.“