Tagung der deutschen Mitglieder Viele Bad Essener kennen bereits die Initiative Cittaslow

Von Karin Kemper

Erstmals war die Gemeinde Bad Essen, die seit dem Jahr 2015 Mitglied ist, Gastgeber für die Cittaslow-Jahrestagung. Dabei wurde Manfred Dörr (Sechster von rechts) für weitere drei Jahre zum Präsidenten von Cittaslow Deutschland gewählt. Foto: Karin KemperErstmals war die Gemeinde Bad Essen, die seit dem Jahr 2015 Mitglied ist, Gastgeber für die Cittaslow-Jahrestagung. Dabei wurde Manfred Dörr (Sechster von rechts) für weitere drei Jahre zum Präsidenten von Cittaslow Deutschland gewählt. Foto: Karin Kemper

Bad Essen. Ein dickes Kompliment hatte Manfred Dörr, Präsident von Cittaslow Deutschland, im Anschluss an die Mitgliederversammlung in Högers Hotel für die Gastgeber parat: „Bad Essen passt sehr gut zu Idee und Netzwerk von Cittaslow, das sich den Erhalt kleinerer Städte auf die Fahnen geschrieben hat.“

Mit dem Fokus auf Kommunen mit weniger als 50.000 Einwohner verfolgt das Netzwerk das Ziel, in einer globalisierten und immer hektischer werdenden Welt die lokale Identität und Unverwechselbarkeit zu bewahren und weiterzuentwickeln. Dörr, der Bürgermeister der Cittaslow-Stadt Deidesheim ist, fügt hinzu: „Ich hatte gute Erinnerungen an die Zertifizierung Bad Essens und bin gerne wieder hergekommen.“

Treffen bei neuen Mitgliedern

Die Frage, wie es zum Tagungsort Bad Essen gekommen war, beantwortet er kurz und bündig: „Das wurde in der Versammlung im Vorjahr beschlossen. Wir treffen uns regelmäßig bei neuen Mitgliedern.“ So ist 2019 Maikammer/Pfalz an der Reihe, eine Gemeinde, in der die Weinkultur eine wichtige Rolle übernimmt und die zwei Jahre nach Bad Essen zum Netzwerk Cittaslow gestoßen ist.

Übrigens: In der neuen Cittaslow-Broschüre, die den Untertitel „Internationale Vereinigung der lebenswerten Städte“ trägt, heißt es zu Bad Essen „Tief durchatmen im Sole-Kurort“. Und weiter: Der Charme der Gegensätze: entspannt und sportlich, alt und neu, Gebirge und Flachland.

Studie vorgestellt

Vorgestellt wurde bei der Zusammenkunft der deutschen Cittaslow-Vertreter eine Studie zum „Tourismus und Lebensqualität in Cittaslow-Städten“. Untersucht wurde von Projektteilnehmern der Fachhochschule Westküste, Institut für Management und Tourismus aus Heide die soziale Nachhaltigkeit in den Cittaslow-Städten Bad Essen, Deidesheim und Meldorf. Zu den Kernergebnissen gehört, dass die Bürger der drei Kommunen gerne in ihren Städten und Gemeinde leben. Untersuchungsschwerpunkte waren die Rolle des Tourismus in den drei ausgewählten Cittaslow-Städten, deren Eigenschaften, die Wichtigkeit und Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten und die Frage nach der Bekanntheit der Initiative Cittaslow. Im Durchschnitt der drei Orte ist laut repräsentativer Umfrage Cittaslow zu zwei Dritteln bekannt. Ein weiteres Kernergebnis dr Studie: „Für ein Drittel der Bevölkerung der drei Kommunen ist seit der Mitgliedschaft eine Verbesserung der Lebensbedingungen eingetreten.“

Eine historische Ortsführung (bei Aprilwetter ausgestattet mit Regenschirmen) gehörte ebenso zu der Tagung in Bad Essen, wie Wahlen zum Präsidium. Somit bleibt Manfred Dörr Präsident von Cittaslow Deutschland. Gleichberechtigte Stellvertreter sind Achim Deinet (Bürgermeister von Bad Schussenried), Jens Kamin (Penzlin/Mecklenburg-Vorpommern) und – neu – Anke Cornelius-Heide (Bürgermeisterin Meldorf/Schleswig-Holstein).

Und Dörr ist sich sicher: „Die zunehmende Digitalisierung und ihre Folgen werden uns als Thema in Zukunft verstärkt beschäftigen.“


Cittaslow

Weltweit gibt es derzeit 236 Mitgliedsstädte in 30 Ländern. Entstanden ist die Bewegung „Cittaslow“, die Internationale Vereinigung der lebenswerten Städte, 1999 in Italien. Die Internationalisierung folgte 2001 in Deutschland, Großbritannien und Norwegen. Heute sind in Deutschland 21 Städte und Gemeinden (darunter Bad Essen) Mitglieder im Netzwerk. Ein umfangreicher Kriterienkatalog regelt die Zertifizierung als Mitglied im Netzwerk. Der Weg zur lebenswerten Stadt wird in der Folge alle fünf Jahre überprüft.