Ausbau statt Aus für Homann in Lintorf Betriebsversammlung: Müller verschiebt 150 Stellen nach Bad Essen

Von Jean-Charles Fays, André Partmann, Louisa Riepe und Rainer Westendorf

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Lintorf. Aufatmen nach der Betriebsversammlung bei Homann in Lintorf am Freitag: Der Produktionsstandort des Müller-Konzerns wird, anders als noch im letzten Jahr angekündigt, nicht geschlossen. Stattdessen soll er sogar ausgebaut werden. So reagieren Belegschaft und Politik.

Gerüchteweise waren die Neuigkeiten in den letzten Wochen schon durchgedrungen. Aber so richtig daran glauben wollte noch niemand – weder in der Belegschaft von Homann noch in der Ortschaft Lintorf. Doch jetzt ist es offiziell: Der Standort bleibt erhalten. Das verkündete der Konzern im Rahmen einer Betriebsversammlung am Freitagmittag.

Die Entscheidung

Demnach übernimmt das Bad Essener Werk die Dressingproduktion aus Dissen. In Lintorf soll sich die Mitarbeiterzahl so von aktuell 200 auf voraussichtlich rund 350 erhöhen. Dafür werde die Belegschaft am Standort Dissen von aktuell rund 1000 Mitarbeitern auf 850 reduziert. Insgesamt will Müller 200 Millionen Euro in seine Tochter Homann investieren, die neben Lintorf und Dissen auch in Bottrop und Rogätz Produktionsstätten betreibt.

Die Geschichte

Noch im vergangenen Jahres hieß es, dass Müller die Produktion seiner Feinkost-Tochter nach Leppersdorf (Sachsen) verlagert. Daraufhin war bereits ein Interessenausgleich und Sozialplan für die von den Schließungen betroffenen Standorte Dissen und Lintorf ausgehandelt worden. Jetzt die 180-Grad-Wende.

Die Reaktionen

„Wir freuen uns, dass wir bleiben und weiterarbeiten dürfen“, sagte Hartmut Klausing vom Betriebsrat des Lintorfer Produktionsstandortes kurz nach der Betriebsversammlung gegenüber unserer Redaktion. Er könne sich sogar vorstellen, dass Mitarbeiter, die aufgrund der befürchteten Schließung gekündigt hätten, aus alter Verbundenheit zum Unternehmen zurückkehren könnten. „Die Ersten, die eigentlich wegwollten, haben schon wieder angefangen, hier zu arbeiten“, so Klausing. Zwischenzeitlich hatte Homann den Betrieb auch mit Leiharbeitskräften aufrechterhalten. Wie sich die Verlagerung der Arbeitsplätze aus Dissen und die angekündigten Investitionen konkret auf das Werk in Lintorf auswirken, dazu wollte er noch nichts sagen. „Die Pläne liegen mir noch nicht vor.“

„Die Freude in Lintorf ist groß“, bestätigte auch die Ortsbürgermeisterin Edith Elsner, kurz nachdem die Neuigkeiten bekannt wurden. „200 Arbeitsplätze weniger im Ort, das hätten wir alle gemerkt“, erklärte sie. Traditionell sei ein großer Teil der Mitarbeiter des Produktionsstandortes direkt aus dem Ort gekommen. Und insbesondere die älteren Arbeitnehmer wären bei einer Schließung auf der Strecke geblieben, fürchtete sie. Im Hinblick auf die zusätzlichen Arbeitsplätze und die angekündigten Investitionen forderte Elsner aber auch, „dass wir über die Verkehrsführung im Ort sprechen müssen“. Bereits jetzt klagen die Anwohner der Lintorfer Straße, die zum Werksgelände führt, über den Lärm, der durch den Schwerlastverkehr verursacht wird.

Erleichtert zeigten sich die Mitarbeiter beim Schichtwechsel über die jüngsten Entwicklungen. Foto: André Partmann

Bad Essens Bürgermeister Timo Natemeyer bewertet die Entscheidung von Müller positiv: In Lintorf „findet Homann motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen und seinen Produkten identifizieren, sowie ein wirtschaftsfreundliches Umfeld“, teilte er mit. Politik und Verwaltung der Gemeinde Bad Essen würden jetzt in enger Abstimmung mit dem Unternehmen die Rahmenbedingungen für einen zukunftsfähigen Standort schaffen, versprach er. Die Erleichterung nach den jüngsten Entwicklungen war auch der Belegschaft nach der Betriebsversammlung in Lintorf ins Gesicht geschrieben. „Endlich haben sie es eingesehen“, hieß es während des Schichtwechsels im Gespräch zwischen den Mitarbeitern.

Der Ausblick

Sowohl aus der Bad Essener Politik als auch aus der Belegschaft ist zu hören, dass Homann am Stadtort Lintorf ein neues Hochregallager bauen könnte. Öffentlich dazu äußern wollte sich allerdings noch keiner unserer Gesprächspartner. Erst müsse die Entscheidung des Konzerns abgewartet werden, hieß es. Wie volatil die mitunter sein können, das hat Müller mit dem Hin und Her rund um die Homann-Werke deutlich gemacht.


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