Präventionsprojekt „Rundherum“ Hüsede sucht Kooperationspartner

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Die „Neuen“ im Rundherum-Team um die Vorsitzende Claudia Siefke sind Erziehungswissenschaftlerin Alina Agischew (links), und Sozialpädagogin Nina Gehring (rechts). Foto: Louisa RiepeDie „Neuen“ im Rundherum-Team um die Vorsitzende Claudia Siefke sind Erziehungswissenschaftlerin Alina Agischew (links), und Sozialpädagogin Nina Gehring (rechts). Foto: Louisa Riepe

Bad Essen. Wie funktioniert Liebe über die sozialen Netzwerke? Welche Rolle spielt die Körperhygiene in der Pubertät? Und wie kann man sich vor Geschlechtskrankheiten schützen? Über diese Fragen sollte an Schulen mehr gesprochen werden, finden die Mitarbeiterinnen vom Verein „Rundherum“ aus Hüsede. Deshalb haben sie ein sexualpädagogisches Präventionsprojekt entwickelt – und suchen nun nach Kooperationspartnern im Landkreis.

Zuständig für das Projekt sind die Erziehungswissenschaftlerin Alina Agischew und Nina Gehring, Erzieherin mit einer Zusatzausbildung als Sexualpädagogin. Beide sind erst Anfang 2018 zum Rundherum gestoßen. „Wir bekommen jetzt zwei statt vorher nur eine volle Stelle vom Landesamt gefördert“, erklärt Claudia Siekfe, die Vorsitzende des Vereins.

Suche nach Kooperationspartnern

Agischew und Gehring werden sich 25 beziehungsweise 28 Stunden pro Woche einbringen. Unter anderem mit dem neuen Präventionsprojekt, dass zum Portfolio der staatlich anerkannten und vom Land Niedersachsen geförderten Beratungsstelle gehört. In den letzten Monaten „haben wir ein Konzept und einen Flyer entwickelt, indem wir unsere Methodik und unsere Philosophie vorstellen“, sagt Agischew. Jetzt steht die Suche nach geeigneten Kooperationspartnern an.

Das können Oberschulen und Gymnasien, aber auch Grundschulen und sogar Kindergärten sein. Agischew und Gehring haben für die unterschiedlichen Altersstufen passende Themenbausteine entwickelt. Denn auch schon für kleine Kinder, versichern sie beide, spielen Fragen der Sexualität eine Rolle.

Schutz vor sexuellen Übergriffen

Zum einen natürlich, wenn es um die körperlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau geht, oder um die Entstehung des Menschen. Agischew weiß aus eigener Erfahrung um noch einen weiteren Aspekt. Ihr Sohn besucht einen Kindergarten, „und wir haben uns im Beirat die Frage gestellt: Wie können wir unsere Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?“

Die Antwort: Indem man ihr Selbstbewusstsein stärkt, sie ermutigt, Grenzen zu ziehen und auch mal „Nein“ zu sagen. „Zum Beispiel, wenn ein Fremder einfach über den Kopf des Kindes streicht. Da kann es ruhig sagen: ‚Ich möchte das nicht‘.“ Genau das will Agischew den Kindern spielerisch beibringen, zum Beispiel mit Hilfe von Handpuppen. Für einen Themenbaustein plant sie zwei Zeiteinheiten mit je 45 Minuten ein.

Bausteine für die Oberschule

In Grund- oder weiterführenden Schulen halten die Kinder auch eine 90-minütige Einheit durch. Dabei werden weiterführende Themen behandelt: von der Verhütung, über Körperhygiene bis zur Beziehungsgestaltung über die sozialen Netzwerke. Diese, und weitere Bausteine für die Oberschule hat Nina Gehring federführend entwickelt.

Sie will damit nicht den im Lehrplan vorgesehenen Sexualkundeunterricht ersetzen, nur ergänzen. Zum Beispiel im Rahmen von Projekttagen. „Im Schulunterricht geht es um die fachliche, sachliche Vermittlung“, sagt Gering. Außerdem sei der Lehrer „eine Autoritätsperson, der, der am Ende des Jahres eine Note gibt.“ Beides stehe im Widerspruch zu ihrem Ansatz, mit den Schülern ein vertrautes, intimes Gespräch zu führen, in dem auch Raum für die Fragen der Jugendlichen ist. Dazu will Gehring vor jeder Einheit eine Fragenbox aufstellen, und so herausfinden, welche Themen in der jeweiligen Gruppe gerade interessant sind.

Eltern und Lehrer mitnehmen

Außerdem will sie, gemeinsam mit Alina Agischew auch Elternabende und Informationsveranstaltungen für Fach- oder Lehrkräfte anbieten, um alle Beteiligten des Projekts mitzunehmen. Mitunter sind nämlich die konservativen Erwachsene hinter den Kindern und Jugendlichen das eigentliche Hindernis für eine moderne Sexualpädagogik. Deshalb wäre es wünschenswert, sagen die beiden Beraterinnen, dass sich jedes Kind auf seinem Bildungsweg einmal mit den Bausteinen des Präventionsprojekts von Rundherum beschäftigt.


Der Rundherum e.V. ...

... ist eine staatlich anerkannte Stelle für Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung. Die vier Mitarbeiterinnen Alina Agischew, Nina Gehring, Claudia Siefke und Sabine Reinholz helfen angehenden Eltern, solchen die es werden wollen, und jungen Familien in finanziellen, rechtlichen und persönlichen Fragen. Bei ungewollter Schwangerschaft beraten sie über einen möglichen Abbruch und seine Alternativen und stellen darüber den nötigen Beratungsschein aus.

Darüber hinaus bietet der Rundherum auch Einzel-, Paar- und Elternberatung an. Es gibt es eine Mutter-Kind-Gruppe, die sich jeden Freitag von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr im „Trio“ in Bad Essen trifft. Trauerbegleitung für Eltern, die ihr Kind verloren haben, gehört genauso zum Portfolio wie verschiedene Informationsveranstaltungen, unter anderem auch zum Thema Sexualprävention.

Der Rundherum wurde im August 2014 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Bad Essen-Hüsede, am Wiesenrain Nummer 15. Reguläre Sprechzeiten sind montags bis freitags zwischen 9 bis 12.30 Uhr, sowie dienstags und mittwochs zwischen 13.30 und 18 Uhr. Eine Terminvereinbarung ist unter der Telefonnummer 05472-949924 oder per Mail an kontakt@rundherum-beratung.de möglich. Darüber hinaus gibt es Beratungsstellen in Georgsmarienhütte, Belm und Wallenhorst. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite des Vereins unter www.rundherum-beratung.de.

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