Bauausschuss Keine Diskussion über das Parkhotel-Gelände in Bad Essen

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Bad Essen. Der Bauausschuss der Gemeinde Bad Essen wollte in seiner kommenden Sitzung eigentlich das „Bebauungskonzept ‚Auf der Breede‘“ diskutieren. Nach acht Jahren Stillstand war es der erste Vorschlag für eine Neunutzung des Geländes, auf dem einst das Parkhotel stand. Doch der Tagesordnungspunkt wurde kurzfristig wieder abgesetzt.

Auf dem aufgewühlten Boden türmen sich Holzschnitzel. Es sind die Überreste von Bäumen und Sträuchern, die hier in den letzten Wochen gefällt, beziehungsweise radikal gekürzt worden sind. Damit sich niemand an den übrigen Stämmen bedient, ist die Einfahrt zum Gelände durch zwei dicke Betonrohre versperrt. Direkt daneben erinnert eine alte, überwucherte Mauer an das Gebäude, das früher hier, in Sichtweite des Kurparks und der Wassermühle, stand: das Parkhotel.

Besitzerwechsel im Mai 2017

Seit Mai 2017 gehört das 2,2 Hektar Grundstück der BR Teutoburger Immobilien GmbH aus Hilter. Gekauft wurde es offenbar mit dem Ziel, darauf Wohnhäuser zu erreichten – zumindest reichte der Investor zuletzt einen entsprechenden Vorschlag bei der Gemeinde Bad Essen ein. In seiner Sitzung am 19. April sollte der Bauausschuss eigentlich über die Pläne diskutieren. Doch nach fraktionsübergreifenden Vorbesprechungen wurde der Tagesordnungspunkt Nummer 4 wieder abgesetzt. „Die Mehrheitsfraktion hält an der jetzigen Planungslage fest“, sagte Fachbereichsleiter Andreas Pante auf Nachfrage. Und die sehe derzeit eben nur eine Nutzung des Geländes für den Hotel- oder Kurbetrieb vor.

Schon vorher war allen Beteiligten klar, dass es sich um eine sensible Angelegenheit handelt. Denn das Grundstück hat Geschichte: 1880 baute der vermögende Reeder Peter Rickmers hier sein Sommerhaus. 1967 eröffnete die Gemeinde an gleicher Stelle ihr Parkhotel. Nach zahlreichen Besitzerwechseln wurde es 2005 von einem NPD-Mann gepachtet, der in den Räumlichkeiten unter anderem rechtsradikale Musikgruppen aufspielen lassen wollte, und damit Polizeieinsätze provozierte. Nach der Übernahme des Parkhotels durch die gemeindeeigene Immobiliengesellschaft IBE wurde das Parkhotel 2008 an eine russisch-griechische Investorin verkauft, die den Komplex zwar vertragskonform abriss, aber nie die versprochene Hotel- und Gastronomieanlage baute. Seit 2010 ist buchstäblich Gras über die Sache gewachsen.

Pläne veröffentlicht

Dann übernahm die Teutoburger Immobilien GmbH und veröffentlichte ihre Pläne für eine Bebauung mit Wohnhäusern. Die Ideen stammen aus Feder des Architekten Michael Mäscher vom Planungsbüro „Finke Baukunst“ aus Hopsten und sind auf der Internetseite der Gemeinde öffentlich einzusehen. Demnach sollte die Straße „Auf der Breede“ auf dem ehemaligen Hotelgelände U-förmig weitergeführt werden, und in einem Wendehammer enden. Nördlich der Straße sollten fünf Doppelhaushälften errichtet werden, südlich davon am Hang gelegen zwei Mehrfamilienhäuser. Am Ende der Straße waren ein weiteres Mehrfamiliengebäude und ein Einfamilienhaus vorgesehen. Entlang der Erschließungsstraße könnten außerdem vier weitere Grundstücke frei bebaut werden. Die Fläche dafür sei derzeit im Gemeindebesitz und hätte im Zuge der Baumaßnahmen vermarktet werden können, hieß es aus der Veraltung.

Doch dazu wird es nicht kommen, nicht einmal zu einer öffentlichen Diskussion im Bauausschuss. Eine mehrheitliche Empfehlung des Gremiums an den Gemeinderat, den Flächennutzungsplan sowie den Bebauungsplan der Flurstücke 19/7 und 19/10 zu ändern, sei nicht abzusehen, erklärte Andreas Pante. Dementsprechend sagte er den geplanten Termin mit dem Architekten Michael Mäscher wieder ab. „Es macht keinen Sinn, etwas vorstellen zu lassen, wenn das Ergebnis schon vorher klar ist.“

Kein Notstandsgebiet

Der Auffassung ist auch Bad Essens Bürgermeister Timo Natemeyer. Er stellt klar: Die Kommune habe dem Investoren von Anfang an signalisiert, dass eine Änderung des Flächennutzungsplans in Absprache möglich, aber nicht das erklärte Ziel gewesen sein. Andere Interessenten hätten daraufhin Abstand vom Kauf genommen, nicht so die Teutoburger Immobilien GmbH. „Der Investor hat ein bisschen gepokert“, befindet Natemeyer. Er habe offenbar gehofft, dass sich die Kommune auf Basis eines konkreten Vorschlags zur Wohnbebauung auf eine Änderung einlassen würde.

Eine Nachfrage für entsprechenden Wohnraum sei sicherlich gegeben, sagt der Bürgermeister. Persönlich findet er den Vorschlag des Architekten aus Hopsten auch nicht schlecht – zumindest als Diskussionsgrundlage für ein Bauleitverfahren. Allerdings „muss zuerst die Grundsatzentscheidung getroffen werden, was da oben passieren soll. Und so weit sind wir noch lange nicht“, so Natemeyer. An das „Filetstück“ oberhalb des Kurparks wolle die Kommune derzeit nicht heran. „Und wir haben Zeit, wir sehen das Grundstück jetzt nicht als städtebauliches Notstandsgebiet an.“

Enttäuschung bei Architekt und Investor

Architekt Mäscher zeigte sich am Telefon enttäuscht darüber, dass er seine Ideen nicht einmal erklären und zur Diskussion stellen darf. Ob die Investoren von der BR Teutoburger Immobilien GmbH jetzt umschwenken, und statt einer Wohnbebauung einen Hotelkomplex planen, dazu wollte Geschäftsführer Viktor Ring noch keine Stellung nehmen. „Wir sind überrascht und müssen erst mal überlegen, wie es weitergeht“, so der Investor. Er kündigte an, sich erst in den nächsten Wochen zu seinen weiteren Plänen äußern zu wollen.


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