Serie „Die Kunden und ich“ Diese Wäscheverkäuferin weiß, was die Wittlager drunter tragen

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Sie kennt sich aus mit Slip, BH und Nachthemd: Esther Mathussek führt in zweiter Generation das Geschäft „Wäsche Mode“ in Bohmte und Bad Essen. Foto: Louisa RiepeSie kennt sich aus mit Slip, BH und Nachthemd: Esther Mathussek führt in zweiter Generation das Geschäft „Wäsche Mode“ in Bohmte und Bad Essen. Foto: Louisa Riepe

Bad Essen. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 12: eine Wäscheverkäuferin.

Esther Matuhssek gehören die beiden „Wäsche Mode“ Geschäfte in Bad Essen und Bohmte. Sie hat sie ab dem Jahr 2000 nach und nach von Ihrer Mutter übernommen. Insgesamt versorgen Mathusseks die Wittlager also seit 40 Jahren mit Unterwäsche, Schlafanzügen und BHs.

Frau Mathussek, Sie müssen es wissen: Was tragen die Bohmter und Bad Essener im Schlafzimmer?

Meistens sind es ganz normale Baumwoll-Nachtwäsche-Teile. Nachthemden und Schlafanzüge halten sich die Waage. Das hat jeder so, wie er es mag. Es ist meistens doch eher so das Praktische.

Und was ist mit dem Erotischen?

Das ist weniger geworden. So vor 10 Jahren wurden auch schon mal Negligés oder Trägernachthemdchen gekauft, und gerade auch verschenkt. Mittlerweile ist es eher der Flanell-Schlafanzug – also das komplette Gegenteil.

Wie sieht es beim Kauf eines BHs aus?

Die Farbe oder die Optik sind erst mal ein Kriterium, wenn die Kundin so ganz unbedarft hier rein kommt und erst mal gucken will. Wenn es dann in die Kabine geht, zum Anprobieren, dann rate ich immer, alles mitzunehmen, was irgendwie in Frage kommt. Oft gefällt der Kundin ein BH auf dem Bügel ganz toll, aber angezogen passt er dann doch zu ihren Körperproportionen. Es kommt aber auch vor, dass ein BH, der erst nicht in der engeren Wahl war, dann angezogen doch überzeugt. Für mich steht die Passform im Vordergrund.

Das Geheimnis des passenden BHs

Wie viele Frauen tragen überhaupt einen passenden BH?

Es gibt Studien, die aussagen, dass etwa 80 Prozent der Frauen eine falsche BH-Größe tragen. Viele tragen die BHs einfach viel zu locker unter der Büste, und im Cup zu klein. Man kann nicht einfach messen und sagen: ‚Das ist jetzt Ihre BH-Größe, für immer‘. Das hat auch mit Material und Schnittform zu tun, die Firmen schneiden unterschiedlich, und mal passt bei dem einen BH die eine Größe und dann beim anderen Modell die Alternative.

Wodurch zeichnet sich der perfekt sitzende BH aus?

Wichtig ist, dass der Bügel die Büste komplett umschließt und nicht eindrückt. Dann muss sich der BH rundherum auf waagerechter Höhe befinden, er darf nicht hinten hochrutschen. Wenn die Träger zu stramm sind, hat man schnell das Gefühl, dass der BH nicht sitzt, wenn sie zu locker sind auch nicht. Für das Anprobieren muss man sich schon Zeit nehmen.

Die Durchschnittsdeutsche trägt eine Körbchengröße 80 C. Ist die auch bei Ihnen am beliebtesten?

Bei uns ist die meistverkaufte Größe eine 80 B und 85 B. Das entspricht etwa Konfektionsgröße 40 und 42. Was wir aber im Laufe der Jahre bemerkt haben, ist, dass viele junge Frauen auch schon gleich einen großen Busen haben. Als meine Mutter anfing, vor 40 Jahren, da waren C und D so das größte. Jetzt sind E, F und G wirklich alltäglich. Wir verkaufen auch BHs bis Körbchengröße H. Als Fachgeschäft haben wir eine große Auswahl bei den Randgrößen. Die kann man eben nicht im Vorbeigehen kaufen oder beim Discounter vom Grabbeltisch.

Vom Bustier zum Push-Up

Besonderer Beratungsbedarf besteht wahrscheinlich auch bei jungen Mädchen, die ihren ersten BH bei Ihnen kaufen.

Die kommen meist in Begleitung der Mutter. Gerade jüngere Kundinnen haben oft Hemmungen, in ein Fachgeschäft zu gehen. Die möchten eigentlich lieber anonym gucken und für sich wurschteln und gar nicht so die persönliche Beratung. Ich bin dann immer ganz vorsichtig und stürze nicht in die Kabine. Es ist übrigens total unterschiedlich, was die jungen Mädchen wollen: Manche möchten nur ein Bustier oder etwas ganz Leichtes, eigentlich noch gar nichts zeigen. Andere sind schon gleich ganz selbstbewusst und da soll der erste BH ein Push-Up-BH sein.

Fortgeschrittenere Kundinnen kommen zu Ihnen, um einen BH für die Hochzeit zu kaufen. Darf es da auch etwas Verspielteres sein?

Auch die Bräute haben eher die Passform im Kopf. Ganz oft wählen sie einen schlichten BH, cremeweiß oder weiß, oft ja auch trägerlos. Da geht es dann darum, dass das Kleid gut sitzt. Es sind ja manchmal auch raffinierte Ausschnitte, da muss man dann gucken, wie man das mit den Trägern löst. Dafür nehmen sie hin und wieder mal einen Spitzen-Slip oder auch ein Strumpfband, so etwas Neckisches.

Männer mögen Spitze

Kaufen auch Männer bei Ihnen Wäsche?

Das kommt dann tatsächlich häufiger zu Weihnachten vor. Manche Männer sind sehr gut vorbereitet, die haben zu Hause in den Wäscheschrank geguckt und wissen, welche Größen ihre Frau da so drin hat. Viele Kundinnen kennen wir auch schon aus dem Geschäft. Und ansonsten bieten wir auch an, dass die Frau einfach noch mal mitkommt und wir zusammen gucken. Die Männer wünschen sich übrigens meistens ein bisschen Spitze an irgendeinem Wäscheteil, am BH oder eben am Slip.

Und die Frauen nicht?

Die Frauen mögen es gerne, wenn der BH im Körbchenbereich schlicht ist. Wenn man eng anliegende Oberbekleidung trägt, dann sollen sich eben keine Spitze und keine Nähte abzeichnen. Die Wäsche soll unauffällig eine schöne Figur machen und dabei nicht einengen.

Gilt das auch beim Slip?

Der normale Slip ist natürlich immer mit dabei, aber der String-Tanga wurde durch den sportlicheren Panty so ein bisschen abgelöst. Beim Panty oder Hipster ist der Po einfach etwas mehr bedeckt und die Frau fühlt sich ein bisschen mehr angezogen. Es gibt jetzt auch ganz viele nahtlose Slips, die unter einer engen Jeans auch nicht so auffallen.

Welche modischen Trends gibt es im Wäschebereich sonst noch – bezüglich Mustern und Schnitten?

Bei den BHs sind gerade die Spacer-Cups sehr beliebt. Das ist ein atmungsaktives Abstands-Gestrick, das nicht so steif die Form vorgibt, wie ein BH mit Schaumstoff-Einlage, sondern durch die eigene Büste geformt wird. Die sind super bequem, bedecken trotzdem schön die Büste und machen eine natürliche Form machen.

Nicht zu heiß waschen

Wie wäscht frau ihre BHs richtig?

Ich empfehle meistens allen Kundinnen, die Haken zuzumachen und im Wäschesäckchen zu waschen bei 30 Grad, maximal 40 Grad. Und nicht mit Hosen oder Handtüchern zusammen, also bei niedriger Schleuderzahl. Dann passiert auch bei einem Bügel-BH normalerweise nichts. Am meisten schädigt man die Miederwaren mit zu heißen Waschtemperaturen, weil dann die Materialien vergrauen.

Ihr Geschäft feiert in diesem Jahr 40. Jubiläum. Was hat sich seit dem verändert?

Unser Warenangebot hat sich verändert. Meine Mutter hat 1978 in Bohmte angefangen und da war auch noch Aussteuer mit im Angebot, das heißt Kittelschürzen, Bettwäsche, Handtücher, Tischwäsche. Ein breit gefächertes Angebot, weil man aus der Unterwäsche kein ausreichendes Einkommen erzielen konnte. Später haben wir dann mehr Augenmerk auf die Unterwäsche und Nachtwäsche gelegt und heute stehen die Miederwaren im Vordergrund.

Wie groß ist Ihr persönlicher Wäscheschrank?

Ich habe ziemlich viel im Wäscheschrank. Wenn man so an der Quelle sitzt, und immer die schönen, neuen Sachen sieht, das verleitet dann natürlich schon, sich auch immer mal wieder was Schönes zu gönnen. Es macht einfach Spaß, schöne Wäsche zu tragen.


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