„Blumiger Landkreis Osnabrück“ Bad Essener Kurpark: Wildblumen gegen das Insektensterben

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Sie säten gemeinsam die ersten Wildblumen im Kurpark aus: Bürgermeister Timo Natemeyer, Annette Ludzay von der Tourist-Information, Landschaftsarchitektin Mirja Müller-Dams und Kai Behncke (v.l.) von der Initiative „Blumiger Landkreis“. Foto: RiepeSie säten gemeinsam die ersten Wildblumen im Kurpark aus: Bürgermeister Timo Natemeyer, Annette Ludzay von der Tourist-Information, Landschaftsarchitektin Mirja Müller-Dams und Kai Behncke (v.l.) von der Initiative „Blumiger Landkreis“. Foto: Riepe

Bad Essen. Es summt und brummt nicht mehr – das fällt in diesem Frühjahr nicht nur Hobbygärtnern und Naturliebhabern auf, sondern auch den Aktivisten von „Blumiger Landkreis Osnabrück“. Sie wollen etwas gegen das Insektensterben unternehmen und säen deshalb auf insgesamt 12 Hektar Fläche Wildblumen aus – unter anderem auch in Bad Essen.

Für die Aktion wurde eine kreisrunde Fläche im Kurpark auserkoren. Der Fußweg führt vom Berg hinunter und mitten hindurch, „das wird sicher ein toller Anblick für die Spaziergänger, wenn die Blumen erst blühen,“ freut sich Mirja Müller-Dams. Die Landschaftsarchitektin ist für die Pflege und Gestaltung des Kurparks zuständig und war sofort überzeugt von der Idee, dort eine Wildblumenwiese einzurichten.

Darauf gekommen ist Annette Ludzay von der Tourist-Information Bad Essen, durch einen Aufruf in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Darin hieß es, dass der Verein „Umweltschutz und Lebenshilfe“ aus Melle und der BUND-Kreisgruppe Osnabrück „nach Flächen suchen, auf denen bunte Blumenwiesen entstehen und zahlreiche Insekten summen können“. Das Ziel ist, den Insekten auf diese Weise eine Nahrungsquelle zu bieten, die sie in den „Monokulturen der Landwirtschaft, der flurbereinigten Landschaft sowie den klinisch-reinen, sterilen Gärten“ sonst nicht mehr finden, so die Initiative.

Blumige Citta Slow

Eine gute Sache, befand Ludzay: „So eine Wiese passt gut nach Bad Essen, und zu unserem Konzept als Citta Slow.“ Und auch Bürgermeister Timo Natemeyer hatte sofort Interesse an dieser „sympathischen Aktion“, genau wie viele andere Bürgermeister, Unternehmenschefs und Schulleiter aus dem Landkreis. „Nach dem Aufruf in der NOZ wurden wir gerade zu überrannt, von Leuten, die uns Flächen angeboten haben“, berichtet Kai Behncke, der Gründer der Organisation. Den ersten 40 Interessenten gab er den Zuschlag, „mehr wäre nicht zu schaffen gewesen“, sagt Behncke. So oder so musste er sich zwei Wochen Urlaub von seinem Job als Programmierer nehmen, um durch das Osnabrücker Land zu fahren.

Nach Bad Essen kommt er mit Fräse, Haken und Walze. Denn er muss den Boden für die Wildblumen vorbereiten, einfach auf die Rasenfläche streuen kann er die Samen nicht. „Das Gras hat eine feste Wurzelstruktur, da hätten die Blumen keine Chance“, erklärt Müller-Dams, während Behncke den Boden lockert. Zuerst fräst er die Grasnarbe an, dann hakt er gründlich durch. Anschließend wird er das Saatgut verstreuen.

Saatgut ist teuer

Es ist der Hauptgrund, warum Behnckes Initiative nicht nur auf die ehrenamtliche Arbeit, sondern auch auf Spenden angewiesen ist. Denn die Samen sind teuer: rund 1300 Euro kostet beispielsweise ein 10 Kilo Sack der zertifizierten „Osnabrücker Mischung“. Sie enthält Samen von über 40 Pflanzen, die in der Region auch natürlich vorkommen, darunter die Weiße Lichtnelke oder das Acker-Stiefmütterchen.

Pro Quadratmeter rechnet Behncke mit etwa zwei Gramm Saatgut. Für die Bad Essener Blühwiese mit ihren rund 400 Quadratmetern Fläche wird er also Samen im Wert von rund 100 Euro verbrauchen. Und etwa drei Stunden seiner Freizeit. So lange wollen Annette Ludzay, Mirja Müller-Dams und Bürgermeister Timo Natemeyer nicht warten. Sie greifen schon vorab in die großen weißen Säcke und verstreuen die ersten paar Handvoll Samen auf einem Teilstück.

Pflegeleichtes Biotop

Dann macht Behncke alleine weiter. Schließlich ist die Fläche noch größer, und die Samen müssen anschließend auch noch angedrückt werden. Dann braucht es vor allem viel Sonne, damit die zarten Pflanzen sprießen. Bis die ersten Blumen blühen, werden laut Behncke etwa sechs Wochen vergehen. Dann wird die Wiese, so prophezeit er, zum Anziehungspunkt für „Bienen, Schmetterlinge und Insekten aller Art, aber auch für Vögel und kleine Säugetiere.“

Das Biotop ist übrigens pflegeleicht: Zweimal pro Jahr muss die Wiese gemäht werden, am besten zweitversetzt je eine Hälfte, sagt Behncke. „Ansonsten fehlt den Insekten plötzlich die Nahrung.“ Mirja Müller-Dams will dafür sorgen, dass diese Arbeit von den Mitarbeitern des Bauhofs übernommen wird, „die müssen ja eh die Rasenfläche mähen“. Und im nächsten Frühjahr sollen die Blumen von ganz allein wieder wachsen, dank des mehrjährigen Saatguts. Das einzige, was noch fehlt, ist eine Informationstafel, die über das Insektensterben und den Zweck der Blumenwiese informiert. „Die bringen wir in den nächsten Wochen“, sagt Behncke.


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