Serie „Die Kunden und Ich“ Wenn Bad Essener bei der Tourist-Info Geld abheben wollen

Von Svenja Kracht

Luisa Korte von der Tourist-Info Bad Essen. Foto Svenja KrachtLuisa Korte von der Tourist-Info Bad Essen. Foto Svenja Kracht

Bad Essen. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 11: bei der Tourist-Info in Bad Essen.

Luisa Korte arbeitet seit vier Jahren in der Tourist-Info in Bad Essen und liebt das Osnabrücker Land. Die 25-Jährige zeigt den Touristen die vielen Attraktionen des Kurgebietes.

Was war die kurioseste Anfrage, die Sie bearbeiten mussten?

Kurios ist es immer, wenn Menschen hier rein kommen, direkt auf uns zu kommen und sagen, dass sie Geld abheben wollen. Ganz früher war in diesen Räumlichkeiten nämlich die Oldenburgische Landesbank. Das sind meistens etwas ältere Leute, die nicht darauf achten, dass draußen an der Tür jetzt ein anderes Schild hängt.

Welche Menschen besuchen denn Bad Essen?

Wir haben natürlich viele Kurgäste, aber eigentlich kommen die Besucher, die für einen Wochenendtrip hier her kommen, um sich ein paar schöne Tage zu machen, von überall her. Viele Touristen kommen aus den benachbarten Niederlanden. Die Kurgäste sind meistens etwas älter, die anderen Besucher fangen ab Mitte 30 in etwa an.

Und wie müssen Sie Ihnen in der Regel weiterhelfen?

Die Menschen kommen meistens rein und fragen, was man in der Umgebung machen kann und was sehenswert ist. Außerdem fragen viele dann noch, wo man hier am besten einen Kaffee trinken und ein leckeres Stück Kuchen essen kann. Das sind so die Klassiker, die nachgefragt werden.

Und was sagen Sie den Touristen dann?

Der Kurpark und die Solearena sind natürlich sehr schön und etwas Besonderes. Alle, die noch gar nichts von Bad Essen gesehen haben, schicken wir meistens erst einmal in die Richtung. Gerade für Familien gibt es dort einiges zu erleben mit dem Familienpark. Die Himmelsterrasse und die Wassermühle sind dort auch, das ist dann eine schöne Runde, die man zu Fuß gehen kann. Wir haben viele schöne Fachwerkhäuser in Bad Essen und unsere Schlösser Ippenburg und Hünnefeld. Ein paar Ausflugsziele, die etwas weiter weg sind, nennen wir dann natürlich auch: Die Saurierspuren in Barkhausen oder die Varusschlacht.

Wo liegt der Unterschied zu einer Tourist-Info in Berlin – oder gibt es gar keinen?

Ohne jetzt die Tourist-Info in Berlin zu kennen, würde ich sagen, dass wir hier vielleicht ein Stück persönlicher sind. Wir sind zertifiziert im Bereich Service und Qualität, also speziell darin ausgebildet, besonders serviceorientiert zu sein.

Wie haben sich die Touristen in Bad Essen in den letzten Jahren verändert?

Da gibt es eigentlich keine große Veränderung, außer dass die Gäste etwas jünger geworden sind. Wir haben mehr Aufmerksamkeit bekommen, dadurch, dass wir die Landesgartenschau hier hatten und nun Cittaslow und Fairtrade Town sind. So kommen auch Menschen aus einer größeren Entfernung zu uns, die sonst nichts von uns gehört hätten und neugierig auf gerade diese Inhalte sind. Unsere Gäste bleiben keine Woche mehr und sie möchten von allem etwas erleben! Wandern, radeln, Kultur, entspannen, genießen!

Und wie hat sich Bad Essen für Touristen verändert?

Wir machen jetzt mehr im Bereich Social-Media, um die Zielgruppe anzusprechen, die online unterwegs ist. Auf unserer Facebookseite posten wir alles, was für Bad Essen wichtig ist: Neuerungen in der Stadt und Veranstaltungstipps beispielsweise. Wir merken, dass die Resonanz dort immer weiter steigt. Auch bei dem Osnabrücker Land Blog sind wir richtig gut vertreten. Wir entwickeln uns immer weiter, damit wir sowohl für die Menschen, die hier wohnen als auch für die Touristen attraktiv bleiben und lassen uns oft auch Aktionen einfallen, wie die gerade laufende Holunderverlosung auf Facebook.

Welcher Merchandise-Artikel von Bad Essen ist der Bestseller?

Die Hollunderbonbons und das Bad Essener Salz gehen super. Wir haben die cittaslow-Artikel neu im Angebot. Eine kleine Schnecke als Anhänger, als Plüschtier oder als Schneidebrett. Die sind auch sehr beliebt, wenn Einheimische etwas zum Verschenken suchen.

Mit welchen Fragen kann man Sie nerven?

Uns kann man gar nicht nerven. (lacht) Es gab wirklich noch keine Frage, die mich genervt hat. Wir sind ja auch da, um die Fragen der Menschen bestmöglich zu beantworten – auch wenn der Zehnte am Tag die gleiche Frage stellt, das ist völlig normal. (lacht)

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spaß?

Es ist einfach sehr abwechslungsreich – das hätte ich früher niemals gedacht. Wir machen eben viel mehr als die Fragen von Touristen zu beantworten. Wir planen zum Beispiel auch Veranstaltungen, entwickeln neue Angebote, präsentieren uns auf Messen und und und. Dabei hat man mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun, sowohl persönlich als auch am Telefon.

Und was weniger?

(Überlegt lange) Mir macht alles Spaß. Das klingt jetzt total klischeehaft, aber es ist so. (lacht) Natürlich gibt es stressige Tage, die anstrengend sind, aber es macht trotzdem Spaß.

Gehen Sie im Urlaub selbst in Tourist-Infos?

Ehrlich gesagt nicht. (lacht) Ich gehe aber an ihnen vorbei, um mir anzuschauen, wie die aussehen.