Ein Trio setzt sich ein Lintorf hat viele Osterbräuche zu bieten

Von Christa Bechtel


Lintorf. Wenn Bärbel Bokämper auf ihre Kindheit blickt und sie an Ostern denkt, fällt ihr spontan ein, dass sie bei Spaziergängen Ostermontag viele kleine bunte Eier im Wald fand. Dass der Osterbaum in Lintorf immer durch den Ort gefahren wird ist Erhard Henschen besonders haften geblieben. Reinhard Elsner, Erster Vorsitzender des Verschönerungsvereins Lintorf, denkt dabei sofort an das große Osterfeuer, von dem er 1965 fiel und sich den Arm brach.

Heute setzt sich das Trio für den Verschönerungsverein und den Förderverein Lintorf dafür ein, dass all die wunderbaren Osterbräuche in der Ortschaft erhalten bleiben. Natürlich mit etlichen tatkräftigen Mitstreitern an ihrer Seite. „Ostern findet mit diversen Gottesdiensten in der Kirche statt“, blickt Reinhard Elsner auf den ersten Osterbrauch. „Und das Osterfeuer, das uns ein Leben lang begleitet hat“, erklärt der gebürtige Eilstädter. Früher habe es an einem erhabenen Platz am Wald gestanden. „Es ist auch das letzte Osterfeuer, das immer noch auf vier Stelzen aufgebaut wird“, verdeutlicht Elsner.

Zwei konkurrierende Lager

Während der Aufbau des Osterfeuers Männersache ist, bleibt das Schmücken des Osterbaums den Frauen überlassen. Im 19. Jahrhundert soll es eine zeitlang in Lintorf sogar zwei Osterfeuer gegeben haben. Der damalige Bergbach teilte den Ort in zwei miteinander konkurrierende Lager. In dem einen saßen die „Düörpsken. Sie wohnten östlich des Baches. Die „Liärgersken“ hielten die Fahne des Ortswestteils hoch. „Beide bauten ein Osterfeuer auf, wobei an Größe natürlich einer den anderen zu übertrumpfen versuchte“, sagt Elsner lächelnd. Doch ab 1873 sei wieder Einigkeit im Dorf eingezogen.

Pflege des Dorfplatzes

„Fortan wurde nur noch ein Osterfeuer aufgebaut, das früher 12 bis 14 Meter hoch war“, so der 67-Jährige. Als man den Standort vom Wald auf den neuen Dorfplatz verlagerte, durfte es allerdings nur noch eine maximale Höhe von sieben Metern haben. Elsner: „Bis vor fünf Jahren gab es noch den Gesangverein, der das Osterfeuer umrahmte. Veranstalter ist stets die Ortschaft Lintorf.“ Den Erlös bekomme der Förderverein, der ihn wiederum der Pflege des Dorfplatzes zukommen lasse. Ebenfalls mit im Boot ist Jahr für Jahr die Feuerwehr, die nicht nur das Gerüst (Stelzen) aufbaut, sondern während der Veranstaltung auch für die nötige Sicherheit sorgt.

Für die Organisation des Osterfeuers laufen bei Erhard Henschen die Fäden zusammen. „Eine Woche vor Ostern werden die Stützen von Freiwilligen aus dem Wald geholt“, erläutert der gebürtige Lintorfer. Samstag vor Ostern werde dann das Brennmaterial angeliefert. Zum Osterfeuer würden auch die Tannenbäume von Weihnachten gehören, so der 56-Jährige.

Eier und Geldspenden

„Ich spreche die Vorkonfirmanden an, die dann im Ort die Eier und Geldspenden sammeln. In diesem Jahr ist das richtig toll gelaufen“, schwärmt Bärbel Bokämper, die für das Schmücken des Osterbaums zuständig ist. Das eingesammelte Geld werde für Zubehör für den Osterbaum und Verpflegung beim Schmücken ebenso verwandt, wie für die Helfer, die das Osterfeuer aufschichten sowie den Wachdienst, der stets mit Getränken und Speisen versorgt werde. Für das Einsammeln der Eier teilt Bokämper die Ortschaft in vier Teile, sodass die Kinder in bestimmten Straßen jeweils unterwegs sind. „Wir bekommen meistens rund 300 Eier zusammen.“ Die packt sie auf Paletten, die sie in die Autolackiererei Wlömer bringt.

Mit der Spritzpistole

Früher seien die Eier noch von den Vorkonfirmanden angemalt worden. „Das war auch ganz spannend, aber heute kann man die Kinder damit nicht mehr locken“, meint die 59-Jährige. Mit der Spritzpistole gehe es einfach schneller. Und die Lackiererei Wlömer besprühe die Eier seit Jahrzehnten kostenlos, freut sie sich sichtbar. Die bunten Kunstwerke werden dann in der Dorfplatzhütte von Frauen, manchmal auch einigen Kindern aufgefädelt und an den Osterbaum – eine Tanne, die meist gespendet wird ¨– gehängt. Ebenso wird der Baum mit Schleifen, Blumen und bunten Bändern wunderschön geschmückt.

Der schmucke Osterbaum

Einen Tag später wird er von Reinhard Elsner und Heinrich Böhning zum Edeka-Markt Lampe gebracht, wo er im Eingangsbereich bis Karsamstag bewundert werden kann. Der Höhepunkt: Ostersonntag ab 19 Uhr wird er auf einem landwirtschaftlichen Anhänger durch den Ort gefahren. „Auf dem Trecker sind immer etliche Kinder dabei, die mitfahren“, erzählt Elsner. Ziel sei der Dorfplatz. „Hier wird der Osterbaum von der Feuerwehr mithilfe einer Leiter oben auf das Osterfeuer angenagelt“, erwähnt der Verschönerungsvereins-Vorsitzende auch diese Tradition. Mit Einbruch der Dunkelheit wird das Feuer angezündet, sodass auch der schmucke Osterbaum mit verbrennt, was einige Kinder schon schade finden.

Kein Ostereiersuchen

„Eine Tradition, die wir gerne hochhalten“, betont Reinhard Elsner, der mit seinen Mitstreitern wieder mit nahezu 1000 Besuchern rechnet. Denn: „Es gibt in Lintorf zwei Gründe, nach Hause zu kommen: das ist Weihnachten zu den Eltern und Ostern zum Osterfeuer“, unterstreicht das Trio. Bis 2017 bot der Verschönerungsverein noch einen Ostermarsch an Ostermontag an, der mit Eiersuchen verbunden war. „In den letzten Jahren in Verbindung mit der Kindertagesstätte“, schildert Elsner. Da jedoch die Resonanz immer schwächer wurde, hat man sich für dieses Jahr entschieden, das Ostereiersuchen ausfallen zu lassen.