„Urmeersole“ als Therapie Gesundheit kommt in Bad Essen aus 800 Metern Tiefe

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Arbeiten tagtäglich mit der Sole: Physiotherapeutin Marita Lorenz-Rutenberg und Unternehmer Wilhelm Grönemeyer sitzen hier gemeinsam in der Sea Climate Kabine und genehmigen sich einen Sole Trunk. Foto: Louisa RiepeArbeiten tagtäglich mit der Sole: Physiotherapeutin Marita Lorenz-Rutenberg und Unternehmer Wilhelm Grönemeyer sitzen hier gemeinsam in der Sea Climate Kabine und genehmigen sich einen Sole Trunk. Foto: Louisa Riepe

Bad Essen. Sie machte Bad Essen einst zum Kurort: die Sole, das stark salzhaltige Wasser eines Urmeeres, das seit 220 Millionen Jahren in 800 Meter Tiefe unter dem heutigen Ortsteil Harpenfeld lagert. Für Kuranwendungen wird sie längst nicht mehr genutzt. Aber die Bad Essener haben andere Verwendung für ihr regionales Gesundheitsprodukt gefunden.

Es herrscht gedämpftes Licht, sanft hört man das Meer rauschen. Die Luft ist seltsam schwer, aber weder feucht, noch schmeckt sie salzig. Eigentlich überraschend, denn über ein kleines Loch in der Ecke des Raumes schwebt eine Dunstwolke herein. Es handelt sich um Bad Essener Sole, fein zerstäubt durch Ultraschall. Wilhelm Grönemeyer und Marita Lorenz-Ruthenberg sitzen auf ihren Gartenstühlen und atmen sie ein. Der Salz-Produzent und die Physiotherapeutin sind von der gesundheitsfördernden Wirkung der Inhalation in der „Sea Climate“-Kabine überzeugt.

Therapie mit Sole

Will man wissen, wie die Sole angewendet wird, dann kommt man nicht darum herum, mit diesen beiden Bad Essenern zu sprechen. Treffpunkt ist das Sole-Spa an der Lindenstraße. Inhaberin Marita Lorenz-Ruthenberg und ihr Team benutzen das stark salzhaltige Wasser aus der Tiefe hier für verschiedene Anwendungen. Neben der Nebel-Kabine gibt es eine Sole-Sauna, ein Sole-Wannenbad und die sogenannte Photo-Sole-Therapie. Dabei nehmen die Patienten zunächst ein 15-minütiges Bad im hochprozentigen Salzwasser und begeben sich anschließend in eine Kabine mit UV-Strahlen.

Der Prozess wirkt erwiesener Maßen gegen Schuppenflechte. Und auch für Neurodermitiker ist die Behandlung nützlich, sagt der Bad Essener Hautarzt Dr. Antonius Schwaaf. Im Solebad würden die abgestorbenen Hautschuppen zunächst aufquellen und dabei gelöst. Außerdem lagert sich das Salz sich in der erkrankten Haut ab. Dadurch wird die UV-Strahlung anschließend „nach der Art von Prismen verstärkt und gezielt an die Entzündungsherde geleitet“. Anschließend können die betroffenen Stellen besser heilen, denn „die UV-Strahlen hemmen bestimmte Entzündungszellen und -mediatoren der Schuppenflechte in ihrer Wirkung und Ausbreitung“, so der Arzt.

Die Kosten übernimmt die Krankenkasse

Die Behandlungskosten werden für Patienten mit Schuppenflechte von den Krankenkassen übernommen. Die Therapie muss allerdings durch einen Mediziner verschreiben und begleitet werden. Die anderen Sole-Anwendungen, wie die „Sea Climate“-Inhalation, sind auch für Patienten ohne Rezept verfügbar. Das gilt auch für den Sole-Trunk, den Lorenz-Ruthenberg seit einiger Zeit an ihre Patienten ausschenkt. Dabei handelt es sich um einen Teelöffel Bad Essener Sole, der in 100 Millilitern warmen Wasser gelöst wird. Das Rezept und auch die Hauptzutat stammen von Wilhelm Grönemeyer. Gemeinsam mit seinem Sohn verkauft der Unternehmer seit 2008 „gesundes Salz“ – Bad Essener Sole, in Flaschen abfüllt oder zu Kristallen getrocknet. Neben dem „Geschmackserlebnis“ wirkt sie nach seiner Überzeugung eben auch gegen verschiedenste gesundheitliche Probleme.

So soll der Sole-Trunk, regelmäßig am Morgen eingenommen, unter anderem das Immunsystem stärken, den körpereigenen Mineralienhaushalt in Ordnung bringen und die Verdauung unterstützen, sagt Grönemeyer. Einige Heilpraktiker und Naturärzte setzen seinen Sole-Trunk sogar ein, um den Bluthochdruck ihrer Patienten zu senken. Neben der Inhalation oder dem Bad in der Sole empfiehlt Grönemeyer, die salzige Flüssigkeit als Nasenspülung benutzen, auf entzündete Gelenke zu reiben oder damit zu gurgeln. Er hat es ausprobiert und sagt von sich selbst: „Ich werde nie krank.“ Die Erklärung liegt für ihn in den besonderen Eigenschaften der Sole. Mit etwa 32 Prozent Salzgehalt ist sie hoch konzentriert und enthält mit Natrium, Magnesium und Kalzium, aber auch Eisen, Fluor und Zink viele Mineralien, die für den Körper wichtig sind. Außerdem ist die Sole in 800 Metern Tiefe vor Umweltverschmutzungen geschützt und deshalb besonders rein, erklärt Grönemeyer.

Kommunale Sole-Nutzung

Er und Physiotherapeutin Lorenz-Ruthenberg sind einzigen, die die Sole gewerblich nutzen dürfen. Eigentümerin der Urmeerwassers ist die Gemeinde Bad Essen selbst, und sie verwendet sie unter anderem in der Sole Arena und dem Sole Freibad. In der Arena wird die Sole, ähnlich wie in der Sea Climate Kabine, inhaliert. Im Freibad werden Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken mit verdünnter Sole gefüllt. 1,5 Prozent Salzegehalt hat das Wasser, mehr ist im neuen Edelstahlbecken nicht möglich. Die Konzentration reicht aber aus, damit die Badegäste die Sole nicht nur riechen und schmecken, sondern auch auf der Haut spüren können, so die Betreiber.

In der Inhalations-Kabine wirken Marita Lorenz-Ruthenberg und Wilhelm Grönemeyer inzwischen sehr entspannt. Die Sole einzuatmen, soll unter anderem eine regenerierende Wirkung auf die Schleimhäute haben. Und offenbar beruhigt es auch. „Die meisten meiner Patienten schlafen irgendwann auf ihren Stühlen ein“, sagt die Physiotherapeutin. Und Grönemeyer ergänzt: „Eine Stunde hier drin ist wie ein Tag am Meer.“ Beide würden wohl gerne sitzen bleiben. Aber sie wollen weiter daran arbeiten, dass die Bad Essener Sole wieder als regionales Gesundheitsprodukt wahrgenommen wird.

Der Sole Trunk besteht aus Bad Essener Urmeersalz, gemischt mit heißem Wasser. Foto: Louisa Riepe

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