Ippenburger Naturschutzprojekt In Lockhausen wird‘s wild

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Lockhausen. Auf Schloss Ippenburg wird Wildnis vorbereitet: Dieser Tage stellten Vertreter des Verschönerungsvereins Harpenfeld-Lockhausen im hinteren Bereich des Schlossgartens Insektenhotels auf, ganze Wälle aus Schutt, Wurzeln und Reisig wurden errichtet und Viktoria von dem Bussche säte Wildblumen aus. Alles Maßnahmen zu Naturschutz und Umweltbildung, einm großen Thema des Ippenburger Gartenjahres.

Der Naturschutz ist in der Satzung des Verschönerungsvereins Harpenfeld-Lockhausen fest verankert und er steht nicht nur auf dem Papier: Regelmäßig pflegen die Vereinsmitglieder Feuchtbiotope, hängen Nistkästen auf und stutzen Kopfweiden. Auf Initiative von Jürgen Frieler sind jetzt die Insektenhotels auf Schloss Ippenburg hinzugekommen. Doch zuvor haben sich die Verschönerer sachkundig gemacht, denn bei der Gestaltung eines solchen Zufluchts- und Nistortes für Insekten kann der Laie viel falsch machen. „Auf farbliche Gestaltung sollte man verzichten, Tannenzweige haben im Insektenhotel nichts verloren, da das Harz die Tiere und ihre Larven verkleben könnte, und die Nisthilfen sollten immer nach Süden ausgerichtet sein“, nennt Frieler nur ein paar der Dinge, die es zu beachten gilt. Viele durchaus brauchbare Bauten gebe es fertig oder als Bausatz im Handel. Dass die Verschönerer die Hotels selbst gebaut haben, ist aber Ehrensache. „Damit konnten wir auf die unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Arten noch besser eingehen “, sagt Vereinsvorsitzender Erhard Klausmeyer.

Worauf Florfliegen fliegen

Wie vorbildliche Insektenhotels aussehen, kann man also demnächst auf Ippenburg sehen. Da ist eines mit angebohrten Hölzern für die Wildbienen bestückt, eines mit Lehm für die Mörtelbienen, ein anderes mit Stroh und Schilfhalmen – jedem Tierchen sein Pläsierchen. Für die Florfliegen wurde ein Kasten mit Lamellen errichtet, der noch rot angestrichen werden soll. „Es ist der einzige Kasten, der gestrichen werden darf und auch nur in der Farbe Rot, die auf Florfliegen anziehend wirkt,“ weiß Frieler um die Vorlieben der grünlich-dünnhäutigen Insekten, die uns im Kampf gegen Blattläuse unterstützen. Für die Mörtelbienen, die zum Bohren der Nistlöcher in ihr Haus aus Lehm Wasser benötigen, aber gerne trockenen Fußes an die Wasserstelle gelangen, wurden sogar einige Natursteine am Uferbereich verlegt. Unterstützung hatten die Vereinsmitglieder durch den ökologisch interessierten Nachwuchs: Manja Freyer, Lelia Konya, Til und Milla Vonderlind nutzten ihre Ferien, um beim Bau der Nisthilfen mitzutun. Überhaupt ist die Umweltbildung ein Anliegen des Verschönerungsvereins, der ab April in der Dorfschmiede Harpenfeld für Kinder und Jugendliche entsprechende Angebote machen will. Genaue Termine werden im Wittlager Kreisblatt bekannt gegeben.

Gesunde Mischkost für Insekten

Ihren reich gedeckten Tisch werden die Insekten gleich neben ihrem Hotel finden: Hier hat Viktoria von dem Bussche einen breiten Blühstreifen angelegt, auf dem gesunde Mischkost für Insekten angeboten wird. Damit sich das Saatgut, eine Kombination aus Phacelia-, Klee-, Lupinen- und Wildblumensamen, besser verteilen lässt, hat sie es mit Sand gemischt und bringt es großzügig aus – getreu dem Motto eines ihrer Bücher „Wir müssen noch Unkraut pflanzen“. Die gesamte Anlage ist nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch Teil des Kunst- und Wildnisprojekts „Ein Geheimer Garten – Ein Wilder Ort“, einem der Schwerpunkte der Ippenburger Festivalsaison 2018. Auf einer Fläche von mehr als zwei Hektar können die Besucher einen verwunschenen, kleinen Park und einen Tummelplatz für Singvögel und Insekten entdecken. Gemeinsam mit der Künstlerin Bärbel Hische hat Viktoria von dem Bussche nicht etwa einen verwilderten Garten „wieder schön gemacht“, sondern einen scheinbar verlassenen Garten inszeniert, indem die Rückeroberung durch die Natur bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzt wird. – Info: Das Ippenburger Sommerfestival findet in diesem Jahr am Fronleichnamswochenende, also von Donnerstag, 31. Mai, bis Sonntag, 3. Juni, statt und steht unter dem Motto „Kunst & Wildnis, Kraut & Rosen, Prinzessinnen & Mätressen, Grill & Chill“.


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