Neue Hofkapelle zu Gast Immenser Klangzauber im Bad Essener Schafstall

Von Christa Bechtel

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Die Neue Hofkapelle Osnabrück konzertierte jetzt mit „Komponisten am Dresdner Hof“ im Bad Essener Schafstall. Foto: Christa BechtelDie Neue Hofkapelle Osnabrück konzertierte jetzt mit „Komponisten am Dresdner Hof“ im Bad Essener Schafstall. Foto: Christa Bechtel

Bad Essen. Bereits zur Pause bebte der Bad Essener Schafstall an der Bergstraße von Applaus und Stampfen, was das begeisterte Publikum am Ende eines fulminanten Konzertes wiederholte. Auslöser für diese Euphorie war die „Neue Hofkapelle Osnabrück“, die sich jedoch ohne Zugabe verabschiedete.

Was eigentlich auch verständlich war. Denn das zeitweise 15-köpfige Ensemble hatte im sehr warmen Schafstall ein Mammutprogramm geboten, was auch eine hohe physische Leistung bedeutete. Trotzdem hatten sich die Musikerinnen und Musiker mit ihrer mitreißenden Spiellaune als ein hervorragend ausbalancierter Klangkörper präsentiert, der virtuos einen immensen Klangzauber entfaltete.

Was sicher auch an den „Komponisten am Dresdner Hof“ lag. Nämlich Werke der Barockzeit, die sie in einer lebendigen und erfrischenden Weise erklingen ließen. Und wer dachte, man werde von der Musik dieser großen Hofkapelle „erschlagen“, irrte. Mit einer intensiven klanglichen Leuchtkraft, jedoch wohldosiert brachten sie die einzelnen Werke zu Gehör.

Aus Osnabrück und Umgebung

Die „Neue Hofkapelle Osnabrück“ besteht aus Berufsmusikerinnen und -musikern aus Osnabrück und Umgebung; sie wurde 2015 von Christian Heinecke gegründet. Seit 2017 wird das Ensemble von der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung gefördert. Die Mitglieder der „Neuen Hofkapelle Osnabrück“ knüpfen an die Tradition der „alten“ Hofkapelle Osnabrück an, die, auch wenn das Osnabrücker Schloss nur von 1673 bis 1679 als Residenz des Fürstbischofs Ernst August l. diente, als Ensemble mit vielfältigen musikalischen Aktivitäten das kulturelle Leben im Schloss bereicherte.

Ein fabelhafter Ruf

„Ein prall gefüllter Schafstall – das tut gut“, freute sich Hartwig Ventker, der im Namen des Kunst- und Museumskreises Bad Essen die Besucher willkommen hieß. Er habe einen Anruf aus Osnabrück bekommen. „Daher haben wir das Konzert ganz spontan mit ins Programm genommen. Denn der „Neuen Hofkapelle Osnabrück“ geht ein fabelhafter Ruf voraus: sie sind jedes Mal ausverkauft“, erklärte Ventker.

Energievoll und beschwingt

Francesco Maria Veracini (1690-1768) formte Harmonien, die ihresgleichen suchen. In Venedig schrieb der 26-Jährige seine sechs Ouvertüren, die damals schon Musiker und Publikum gleichermaßen aufhorchen ließen. Von ihm hatten die Osnabrücker die siebensätzige Ouvertüre Nr. 1, B-Dur mitgebracht. Zum Auftakt des zweiten Teils ließen sie Veracinis Ouvertüre Nr. 6, g-Moll meisterhaft erklingen. Leicht und transparent, energievoll und beschwingt schloss sich die Sinfonie op. 5 Nr. 6, g-Moll von Johann Adolph Hasse (1699-1783) an. Da erklang sogar von einer Besucherin ein spontanes „Klasse“.

Akribie und Spielfreude

Giuseppe Sammartini (1695-1750) wurde von seinen Zeitgenossen als einer der bedeutendsten Komponisten seiner Generation betrachtet. Mit Akribie und Spielfreude brachte die Hofkapelle von ihm erst das Concerto grosso op. 5 Nr. 4, a-Moll für 2 Violinen, Streicher und B.c. zu Gehör. Kurze Zeit später erklang dann von dem in Mailand geborenen Oboisten und Komponisten das Konzert für Oboe, Streicher und B.c., Es-Dur. Hier bestach als Solistin die Oboistin Clara Blessing, die unter anderem mit einigen der prominentesten Ensembles der Alten Musik-Szene konzertiert. Geschmeidig wie rhythmisch durfte das Publikum im zweiten Teil noch Sammartinis Concerto grosso op. 2 Nr. 1, A-Dur für 2 Violinen, Violoncello, Streicher und B.c. genießen.

Eine Langzeitwirkung

Als brillanten Schlusspunkt hatte die „Neue Hofkapelle Osnabrück“ von Jan Dismas Zelenka (1679-1745) die Simphonie à 8 concertanti in a-Moll, ZWV 189 gewählt, die er 1723 in Prag schrieb. Alles in allem ein Konzert, das bei den Besuchern sicher eine Langzeitwirkung entfaltet.


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