Erster Langstreckenflug Bad Essener fliegt mit Ultraleichtflugzeug nach Sizilien

Von Friedrich Lüke

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Bad Essen. Den 60. Geburtstag seines Bekannten auf Sizilien hat Jürgen Schnitker aus Bad Essen zum Anlass genommen, um endlich wieder zu fliegen. Nicht mit einer herkömmlichen Passagiermaschine, sondern eigenhändig mit dem Ultraleichtflugzeug der Wittlager Luftsportler.

Warum mit einem Ultraleichtflugzeug nach Sizilien? Schnitkers Kumpel, der seit über 20 Jahren auf Sizilien lebt, hatte zum 60. Geburtstag eingeladen – und für den Bad Essener Hobbypiloten war die anstehende Feier genau der richtige Anlass, um endlich seinen ersten eigenen Langstreckenflug anzutreten. Schnitker ist Hobbypilot. Bei den Wittlager Luftsportlern hat er vor über einem Jahr den Ultraleichtflugschein erworben.

Erste Pläne 2016

Bereits Ende 2016 reifte bei Schnitker der Plan, im Oktober 2017 mit dem Ultraleichtflugzeug, mit dem er das Fliegen erlernte, nach Sizilien zu reisen. Zwar fand sich passend zum Vorhaben 25 Kilometer von Palermo, dem Ort der Geburtstagsfeier, ein Landplatz für Ultraleichtflugzeuge, doch stand das Vorhaben des Bad Esseners vor einigen Hürden: So es nicht, nur Flugkarten zu besorgen, um die Ultraleichtflugplätze in Italien nutzen zu dürfen, sondern bedurfte auch der Genehmigung seines Flugvereins. Denn die Wittlager Luftsportler hätten, im Falle einer Genehmigung, zwei Wochen auf ihr Flugzeug verzichten müssen. Doch gaben Mitglieder und Vorstand am Ende grünes Licht.

Herausforderung

Die Reise galt durchaus als Herausforderung, denn Schnitker entschied sich, ohne Co-Pilot zu fliegen. Mit dem Vereinsultraleichtflugzeug vom Typ Comco C42 hob er vom Flugplatz in Bohmte schließlich am 5. Oktober ab. Das Ultraleichtflugzeug, das Schnitker als Transportmittel diente, hat einen 65-Liter-Tank, legt bei einem Verbrauch von 13 Litern 150 Kilometer die Stunde zurück und liegt maximal vier Stunden sicher in der Luft. Bedeutet: Die Route musste im Vorfeld festgelegt und passende Landeplätze ausgesucht werden, denn die Reise würde mehre Tage in Anspruch nehmen.

Auf Minimum beschränkt

Schnitker hatte sich während der Tour auf ein Minium beschränkt: Nur die nötigsten Kleidungsstücke waren eingepackt, Schlafsack und Zelt musste im Wittlager Land bleiben. „Ich wollte in Pensionen und Hotels unterkommen“, sagt Schnitker. Stattdessen befanden sich an Bord Verzurrmaterial für die Übernachtung des Fliegers im Freien sowie ein 20-Liter-Kanister mit Benzin. Letzter erwies sich auf der Reise als notwendig, denn auf vielen Landeplätzen in Italien gibt es keinen Sprit.

Über die Alpen

Am ersten Tag der Reise flog Schnitker vier Stunden Non-Stop eine Strecke von 600 Kilometern. Vom Zielflugplatz in Kempten-Durach in Südbayern ging es am nächsten Tag, entgegen der Vorhersagen, bei bestem Flugwetter weiter über die Alpen. „Ich hatte zu keinem Zeitpunkt bei der Überquerung Zweifel an meinem Vorhaben, falls das Wetter nicht mitspielen würde, wäre Plan B in Kraft getreten, nämlich zurück zum Startort zu fliegen“, so Jürgen Schnitker. Beim Flug über die Berge konnte der Bad Essener auf die Tipps einiger Piloten aus Bayern zurückgreifen, die sie ihm vor dem Start mit auf den Weg gaben. Nach drei Stunden Flugzeit landete er schließlich südlich der Alpen in Verona.

Am Flugplatz erwartet

Am dritten Tag flog Schnitker die Ostküste Italiens die Apenninen entlang, legte kurzzeitig einen Tankstop in Scalea ein, um anschließend direkt weiter zum Zielflugplatz Termini Imerese zu fliegen. Dort wurde er schon sehnsüchtig von seiner Frau, die die Reise mit der Passagiermaschine antrat, erwartet. Auch Schnitkers Bekannter aus Sizilien war vor Ort.

Besonderes Erlebnis

Nach einigen Tagen Aufenthalt in Italien gab es auf der Rückreise mit dem Ultraleichtflugzeug noch ein besonderes Erlebnis: Von einem Piloten auf dem italienischen Festland ist er zu dessen Ferienhaus eingeladen worden. Nach der Übernachtung flog dieser ihm am nächsten Morgen mit einem zweisitzigen Hubschrauber zurück zum Flugplatz. Am 16. Oktober kam der Bad Essener schließlich wohlbehalten auf dem Flugplatz in Bohmte an.

Nicht der letzte Flug

Die Reise, so Schnitker, soll nicht seine letzte gewesen sein: Er hat sich entschlossen, einen eigenen Ultraleichtflieger anzuschaffen. Bis zum 1. Mai soll der Flieger zusammengebaut sein. Dann wartet schon der nächste große Flug.


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