Einschränkungen im Alltag So barrierefrei ist der Kurort Bad Essen

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Glatte Gehwege statt Kopfsteinpflaster: Rollstuhlfahrern und Menschen mit Rollatoren soll so der Zugang zum Kirchplatz in Bad Essen ermöglicht werden. Foto: André PartmannGlatte Gehwege statt Kopfsteinpflaster: Rollstuhlfahrern und Menschen mit Rollatoren soll so der Zugang zum Kirchplatz in Bad Essen ermöglicht werden. Foto: André Partmann

Bad Essen. Die Theorie ist einfach: Mit Rollstuhlrampen, großen WCs, ausgewiesenen Parkplätzen und extra breiten Gehwegen soll Behinderten der Alltag erleichtert werden. Die Realität sieht oft aber anders aus – auch in Bad Essen? Wie behindertengerecht ist der Kurort?

Die Diagnose traf Uwe Sahlberg unerwartet: Als die Ärzte ihm im Dezember 1999 Multiple Sklerose diagnostizierten, hatte er Gewissheit. Das Taubheitsgefühl in den Beinen, das ihm seit Monaten zu schaffen machte, wird nie wieder verschwinden. Uwe Sahlberg war damals Ende 30. Das Thema Barrierefreiheit, es schien bisweilen so weit weg - und plötzlich war es doch da.

Heute kann Sahlberg seinen Alltag noch größtenteils selbst bewältigen, doch ohne Rollator geht bei ihm nur wenig. Das Problem bei seinen Ausflügen: Überall dort, wo Rollstuhlrampen und Aufzüge fehlen, Gehwege zu schmal sind und Hindernisse, seien sie noch so klein, auftauchen, stößt er an seine Grenzen. „Ich würde lügen, wenn ich sage, es gäbe kein Nachholbedarf“, sagt er.

Positive Ansätze

Auch in Bad Essen? Als Kurort zieht die Stadt viele Touristen an, unter ihnen auch viele Menschen mit Behinderung. Wer genauer hinschaut, erkennt, dass sich in den vergangenen Jahren einiges in puncto Barrierefreiheit im Ort getan hat. Die Verwaltung zeigt sich bemüht: Der Kirchplatz etwa ist nach seiner Umgestaltung barrierefrei zugänglich, Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren können auf glattem Geläuf statt unebenen Kopfsteinpflaster laufen. Auch wurden einzelne deklarierte Parkplätze im Ort geschaffen, zum Beispiel vor der Lindenapotheke, um Behinderten den Einkauf zu erleichtern. „Das sind durchaus positive Ansätze“, bemerkt Sahlberg. „Ich freue mich sehr, wenn sich sehe, dass sich etwas tut.“ Doch die angeführten Maßnahmen reichen noch nicht.

Umsetzung mangelhaft“

Der Schuh drückt leider nach wie vor viel zu oft, meint Sahlberg. Untermauern kann er das mit konkreten Beispielen: „Es fängt bei einfachen Gehwegen an“. Überall dort, wo die Wege stark frequentiert werden, können Behinderte nicht laufen. „Die glatten Gehwege auf dem Kirchplatz sind eine nette Idee - aber viel zu schmal“. Es handelt sich dabei um ein grundsätzliches Problem, meint Sahlberg. „Viele Bau- und Umgestaltungsmaßnahmen rühmen sich, behindertengerecht zu sein.“ Der Wille ist in der Regel erkennbar, die Umsetzung allerdings mangelhaft. „Ich habe in einem Neubau im Ort gesehen, in dem zwar eine Rollstuhlrampe vorhanden war, diese aber niemals genutzt werden konnte, weil sie zu klein war.“

Vom Alltag ausgeschlossen

Wenngleich die Kommune sich bemüht, die Rahmenbedingungen für ein behindertengerechtes Bad Essen zu schaffen, so groß sind oft die Hürden, die außerhalb des Zuständigkeitsbereich der Verwaltung fallen: „Es gibt nur sehr wenige Cafés, die ausreichend große Behinderten-WCs besitzen und wenn, dann sind sie im Keller“, erklärt Sahlberg. Er könne verstehen, dass manche Gewerbetreibende vor Ort nicht das Geld aufbringen wollen, um ihre vorhandenen Toiletten umzubauen, schließlich sei die Anzahl der Kunden mit Behinderung gering. „Auch, wenn viele es sicherlich nicht so meinen, die Behinderten werden dadurch vom Alltag ausgeschlossen.“ Gleiches gilt für die Händler im Ort. „Viele beschweren sich über die Konkurrenz im Internet, auf der anderen Seite ist ihr Laden nicht barrierefrei.“

Richtig ärgern könnte Sahlberg sich auch über die Rücksichtslosigkeit einiger Zeitgenossen in Bad Essen. „Die Ignoranz mancher Leute, wenn sie unerlaubt auf dem Behindertenparkplatz parken, ist unerträglich“, sagt er. Barrierefreiheit bedeute eben nicht nur, die Infrastruktur anzupassen, sondern sie müsse auch gelebt werden: „Das beginnt in den Köpfen der Menschen und hört bei einem barrierefreien Zugang des Rathauses auf.“


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