Erziehungstipps für Eltern Jan-Uwe Rogge trifft in Bad Essen den richtigen Ton

Von Lars Herrmann

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Bad Essen. Eltern können sehr wohl über ihre Fehler und Schwächen lachen – zumindest wenn Jan-Uwe Rogge ihnen den pädagogischen Spiegel vor das Gesicht hält. Der Erziehungsberater war jetzt zum zweiten Mal auf Einladung des Fortbildungszentrums Haus Sonnenwinkel in der Aula des Gymnasiums Bad Essen zu Gast.

Die 200 Mütter und Väter mussten aber erst einmal zusammenrücken, da die Tonanlage nach der Begrüßung durch Nadine Münstermann den Dienst verweigerte. Das Thema des Abends lautete: „Wie Sie reden, damit Ihr Kind zuhört und wie Sie zuhören, damit Ihr Kind redet.“ Und für beides hatte Rogge zahlreiche lustige Anekdoten und Beispiele parat. Sein Tipp: „Sagen Sie bitte, wenn es sich um eine Bitte handelt. ,Räum dein Zimmer auf‘ ist eine Anweisung. Wenn Ihr Kind etwas will, sagt es ja auch: Ich will eine Playstation.“ Mit guten Worten komme man eher nur in ein Drama mit vier Akten. „Am Ende flippen Sie aus und Ihr Kind weiß: In zehn Minuten kommen meine Eltern angekrochen, es tut ihnen leid, und ich kann alles von ihnen haben“, so Rogge.

Unterschiede

In der Erziehung gebe es natürlich Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. „Buben bilden Banden, Mädchen Terrorgruppen“, scherzte der Erziehungsberater. Eine Bande bestehe aus einem Chef, seinen beiden Stellvertretern und dem Fußvolk. Mädchen seien anders aufgestellt. „Es sind drei Gleichberechtigte – und eine heult immer. Kraftausdrücke fehlen fast ganz, Mädchen sind wortgewaltiger: ,Du bist nie mehr meine Freundin‘ oder ,Ich lade dich nie mehr ein‘ heißt es da“, sagte Rogge.

Ein Leben lang sitzen

Manche Kinder, vor allem Jungen, seien in den ersten Jahren Schnecken. Rogge: „Hannes sieht in drei Metern Entfernung ein Glas Orangensaft. Er ist zu träge, um es sich selbst zu holen. Also sieht er es sehnsüchtig an. Seine Mutter bemerkt diesen Blick und fragt: ,Möchtest du das Glas haben?‘ Hannes nickt und schon flitzt sie los. Ab diesen Moment weiß er, dass er sein ganzes Leben lang nur sitzen und gucken muss – einer läuft immer. So funktioniert es das ganze Leben lang, oder was meint ihr Väter?“

Starke Persönlichkeit

Mit den Worten „Ich“ und „Nein“ kommen Kinder zwischen zwei und fünf Jahren gut durch die Welt. „Und zwischen 12 und 15 auch“, ergänzte Rogge. Kinder seien nun einmal erst egozentrisch und müssten zu sozialen Wesen werden: „Das klappt nicht immer, der Präsident von Amerika hat es mit 71 Jahren noch nicht geschafft.“ Wenn man die Antwort höre „Ich habe keine Lust aufzuräumen“ solle man entgegnen: „Dann räumst du heute halt ohne Lust auf.“ Sein Rat: „Du wirst den pädagogischen Oscar nicht bekommen. Aber sei eine Persönlichkeit. Wenn du das bist, wird sich auch mal an deiner Persönlichkeit gerieben.“

Kooperation bei Verständnis

Ein „Nein“ sei auch nicht grundsätzlich Widerstand. Im Alter zwischen zwei und vier Jahren entwickeln Kinder ein Zeitgefühl. Wenn sie nicht die Zähne putzen möchte, solle man den Zeitpunkt zur Diskussion stellen: „Ihr könnt eure Kinder fragen, ob sie vor oder nach der Gute-Nacht-Geschichte die Zähne putzen möchten. Wenn sie das Gefühl haben, dass man sie versteht, dann kooperieren sie.“

Kinder Zeit geben

In der Pubertät öffnen sich Kinder aber lieber Freunden als den Eltern. „Sie kommen von der Schule nach Hause und werden sofort ausgefragt. Geben Sie Ihren Kindern Zeit, sich zu öffnen. Dann erzählen sie das, was ihnen wichtig ist. Aber das ist nicht unbedingt das, was den Eltern wichtig ist“, sagte der Erziehungsberater. Großeltern stünden hoch im Kurs, weil sie das gelebte Leben repräsentieren, Eltern dagegen das „gelaberte Leben“. Rogge dazu: „Seid nicht immer so pädagogisch wertvoll. Seid mal anarchisch, tut das, was eure Kinder nicht erwarten. Zeigt ihnen, dass Eltern auch witzig sein können.“