Projektarbeit mit der „Hebelkiste“ Wie Mammut und Nussknacker Bohmter Grundschüler für Technik begeistern

Von Louisa Riepe

Wie viele Menschen müssen auf die Wippe, damit das Mammut hochgedrückt wird? Lukas und Leonie versuchen es herauszufinden, während Lehrerin Dorothea Henrichs ihre Fortschritte beobachtet. Foto: Louisa RiepeWie viele Menschen müssen auf die Wippe, damit das Mammut hochgedrückt wird? Lukas und Leonie versuchen es herauszufinden, während Lehrerin Dorothea Henrichs ihre Fortschritte beobachtet. Foto: Louisa Riepe

Bohmte. Grundschülern ein Interesse für Naturwissenschaften und Technik zu vermitteln – dieses Ziel verfolgt die VME-Stiftung Osnabrück-Emsland mit ihrem Projekt „Hebelkiste“. Dabei handelt es sich um ein Set mit Unterrichtsmaterial für die dritte und vierte Klasse. Eines davon kommt derzeit an der Erich Kästner-Schule in Bohmte zum Einsatz.

Ganz anders als normalerweise – so läuft diesem Dienstag der Sachkundeunterricht für die dritte Klasse der Erich-Kästner-Grundschule in Bohmte ab. Erstens findet er nicht im Klassenraum, sondern im Musikzimmer statt. Zweitens ist es ausdrücklich erwünscht, dass die Schüler mit ihren Klassenkameraden reden und sich quer durch den Raum bewegen. Und drittens gehören ausnahmsweise Playmobilfiguren und Schleichtiere zum Unterrichtsmaterial.

Der Hebel begegnet den Kindern im Alltag

Der Grund: Die Bohmter Grundschule hat sich eine „Hebelkiste“ ausgeliehen. Dabei handelt es sich um ein Unterrichtskonzept und entsprechende -materialien, die von Universität und Medienzentrum Osnabrück entwickelt wurden. Die Stiftung des Verbands der Metall- und Elektroindustrie (VME) stellt sie seit 2010 für Grundschulen in ganz Niedersachsen kostenlos zur Verfügung. Die Kisten sollen den Kindern der dritten und vierten Klasse einen spielerischen Zugang zu naturwissenschaftlichen und technischen Themen ermöglichen. Dazu eignet sich das Prinzip des Hebels optimal, „da es schon kleinen Kindern täglich im Alltag begegnet“, so die Stiftung.

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In Bohmte kommt an diesem Vormittag nur ein Teil des Materials zur Anwendung, die sogenannten „Aha-Stationen“. Zehn Verschiedene sind in der Hebelkiste enthalten, und heute im Musikraum der Grundschule aufgebaut. Auf den Tischen stehen schon unterschiedliche Wippen, auf einem anderen liegen Hammer und Zange, eine improvisierte Schubkarre aus einem Bücherkasten und einem Holzstiel steht auf dem Boden. An jeder Station finden die Kinder außerdem eine laminierte Karte mit der Arbeitsanweisung. „Die sollt ihr erst lesen. Dann könnte ihr es ausprobieren“, erklärt Lehrerin Dorothea Henrichs. Die Frage, die ihre Schüler dabei beantworten sollen, schreibt sie in Schreibschrift an die Tafel: „Wie können wir unsere Kraft verstärken?“

Ein Mammut hochheben

Ob Leonie und Lukas daran noch denken, als sie nach der Erklärung endlich an die erste Station stürmen? Wohl eher nicht, denn dort finden sie viele spannende Gegenstände: eine Spielfigur in Form eines Mammuts, eine große Holzwippe und verschiedene Playmobil-Menschen. „Setzt das Mammut auf die eine Seite der Wippe und vier Menschen auf die Andere“, steht in der Anleitung. Leonie und Lukas befolgen sie noch willig. „Wie viele Menschen müssen auf die Wippe, damit das Mammut hochgedrückt wird?“ Hier weicht Leonie vom Plan ab. Denn sie hat schnell erkannt, dass sich ein Übergewicht des Tieres auch anders ausgleichen lässt. Sie zieht den Splint in der Mitte der Wippe heraus und versetzt kurzerhand die Tragfläche um ein gutes Stück. Jetzt ist die Seite, auf der das Mammut steht, deutlich kürzer. Und schon lässt es sich leicht von den vier Menschen hochdrücken.

Auf dem Arbeitspass können die Schüler eintragen, welche Stationen sie schon durchlaufen haben. Foto: Louisa Riepe

„Geschafft!“. Leonie und Lukas machen auf ihrem Arbeitspass einen Haken an die erste Station und ziehen weiter. Zum Nussknacker, zum Hammer und ganz zum Schluss auch zur Schubkarre. Was die beiden jetzt noch nicht ahnen: Jedes ihrer Experimente lässt sich mit der Hebelwirkung erklären. Zu dieser Erkenntnis will Lehrerin Henrichs die Kinder aber erst in den nächsten Tagen führen. Dann werden sie die Stationen, die ihnen am besten gefallen haben, zuerst in ein Forscherheft malen. Im nächsten Schritt sollen sie versuchen, Erklärungen für ihre spielerischen Beobachtungen zu finden.

Experimente mit Lernfaktor

Insgesamt plant Henrichs für die Hebelkiste drei Doppelstunden im Unterricht ein. Wie genau sie die gestalten kann, hat sie zuvor bei einer Lehrerfortbildung der VME-Stiftung gelernt. Davon profitieren nicht nur die Drittklässler. „Auch die anderen Jahrgänge sollen mit der Hebelkiste experimentieren“, so Hendrichs. Vier Wochen steht sie nun schon in Bohmte, damit wäre die Leihfrist eigentlich abgelaufen. „Wir müssen eine Verlängerung beantragen“, lacht die Lehrerin. So gut kommt das Programm bei Schülern und Lehrern an.

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Henrichs persönlich gefällt daran „total gut, dass das Programm schon alles beinhaltet“. Sie selbst muss nur noch wenig Zeit in die Vorbereitung des Unterrichts investieren. „Und den Kindern macht es auch Spaß“, so die Lehrerin. Das können Leonie und Lukas nur bestätigen. „Mir hat das Nüsseknacken am besten gefallen“, sagt Lukas. Bei Leonie ist es die Mammut-Wippe. „Man musste überlegen, wie man das machen kann, und auch Geduld haben“, erklärt die Schülerin. Vielleicht wird diese Erkenntnis für sie sogar einmal wichtiger sein, als das Wissen um die Hebelwirkung.