Der Wirtschaftsfaktor „Bad“ Wie Bad Essen von seinem Status als Kurort profitiert

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Bad Essen profitiert wirtschaftlich davon, dass es seit 1902 ein Kurort ist. Archivfoto: Martin NobbeBad Essen profitiert wirtschaftlich davon, dass es seit 1902 ein Kurort ist. Archivfoto: Martin Nobbe

Bad Essen. Seit 1902 ist Bad Essen ein zertifizierter Kurort. Von diesem Status, der alle 10 Jahre erneuert werden muss, profitiert die Gemeinde bis heute. Denn er wirkt sich positiv auf den auf den Tourismus, auf Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft und sowie auf die Lebensqualität aus. Eine Datenanalyse.

Der wohl wichtigste Faktor dafür ist der Tourismus. Das zeigt sich an den Zahlen des Landes Niedersachsen aus dem Jahr 2016. In den 14 Beherbergungsbetrieben am Ort übernachteten demnach rund 160.000 Gäste – Klinikübernachtungen eingerechnet. Zum Vergleich: In der Gemeinde Bissendorf, die über ähnlich viel Einwohner verfügt, waren es nur 61.000. Im Landkreis Osnabrück zieht fast keine andere Gemeinde so viele Übernachtungsgäste an, wie Bad Essen. Bad Rothenfelde führt die Statistik unangefochten mit mehr als 530.000 Übernachtungen an.

Die Tagestouristen

Noch stärker profitiert Bad Essen von den Tagestouristen. Im Auftrag der Gemeinde hat das Unternehmen „Produkt und Markt“ zuletzt im Jahr 2009 erhoben, dass jährlich rund 400.000 Tagesgäste nach Bad Essen kommen. Die Industrie- und Handelskammer geht davon aus, dass sie dabei durchschnittlich 26,80 Euro pro Tag ausgeben. Deshalb rechnet die Gemeinde damit, dass Tagestouristen jährlich rund 11 Millionen Euro in Bad Essen ausgeben. Besonders beliebt für einen Besuch in Bad Essen ist laut Bürgermeister Timo Natemeyer der Sonntag. „Wir profitieren unheimlich von den Sonderöffnungszeiten“, sagt er. „Ich kenne viele Einzelhändler, für die der Sonntag der umsatzstärkste Tag der Woche ist.“

Wie sich das finanziell auswirkt, ist nur schwer zu beziffern. Sicher ist: Die Gemeinde Bad Essen steht wirtschaftlich gut dar. Ein Indiz dafür sind die Gewerbesteuereinnahmen. Im Jahr 2017 hat die Gemeinde von ihren Einwohnern durchschnittlich rund 615 Euro pro Kopf kassiert. Das ist um die Hälfte mehr, als die anderen Kommunen im Land bekommen. Der gute Wert liegt sicherlich nicht nur an Gesundheitsbranche und Tourismus, betont Natemeyer. „Wir haben in der Gemeinde viele tolle Unternehmen wie Kesseböhmer, Agro, Wiechmann, 3M oder Argelith“, so der Bürgermeister.

Positive Pendlerbilanz

Diese Unternehmen sind auch der Grund dafür, dass Bad Essen eine positive Pendlerbilanz hat. 2016 kamen täglich rund 3.600 Menschen zum Arbeiten in die Gemeinde. Etwa 3.400 fuhren heraus. Unter dem Strich steht ein positives Saldo. Die Arbeitslosenquote liegt in Bad Essen kontinuierlich bei rund drei Prozent – es herrscht also nahezu Vollbeschäftigung. Dazu trägt auch der Gesundheitssektor bei: rund 1.200 Arbeitsplätze schafft er nach Daten der Bundesagentur für Arbeit in Bad Essen. Das macht fast 20 Prozent aller Arbeitsplätze in der Gemeinde aus. „Eingerechnet sind allerdings auch andere soziale Berufsgruppen wie die Kindergärtnerinnen“, erklärt Natemeyer.

Gleichzeitig verursacht der Status als Kurort natürlich auch Kosten, denn er ist an Kriterien geknüpft. Alle 10 Jahre muss sich Bad Essen der Kurortzertifizierung unterziehen und beispielsweise nachweisen, dass die Sole als regionales Gesundheitsprodukt vor Ort zu therapiezwecken angewandt wird. Dazu musste seinerzeit extra eine Leitung von der Solequelle in Harpenfeld direkt in das Therapiezentrum in Eilstädt verlegt werden. Ein weiteres Beispiel: In die Sanierung des Sole-Freibads sind zuletzt 4,3 Millionen Euro investiert worden. „Das hätten andere Kommunen, die nicht den Status als Bad haben, sich sicherlich zwei Mal überlegt“, meint Natemeyer.

Weiter investieren

Auch in Zukunft wird er investieren müssen, um den Status quo zu erhalten. Für die nächsten zwei Jahre steht im Haushalt der Gemeinde ein Minus von insgesamt 200.000 Euro allein für die Pflege des Kurparks. „Die letzten 10 Jahre konnte das aus den Überschüssen der Landesgartenschau bezahlt werden“, erklärt Natemeyer. Jetzt ist das Polster aufgebraucht. Außerdem steht für 2020 die nächste Zertifizierung durch den Heilbäderverband an. „Dafür müssen wir auf eigene Kosten ein Luftqualitätsgutachten erstellen“, sagt Natemeyer.

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All der Aufwand, da ist sich der Bürgermeiser sicher, kommt aber letztendlich nicht nur den Touristen zu Gute, sondern auch den Bad Essenern. „Gastronomie, Gesundheitsangebote, oder auch die Marina sorgen für eine höhere Lebenqualität“, findet er. Darin sieht er den eigentlichen Profit für die Gemeinde. Und offenbar empfinden das die Bewohner genauso. „Die Menschen kommen sogar von außerhalb nach Bad Essen, um hier zu Wohnen“, so Natemeyer. Gestützt wird seine Aussage durch die Zahlen des Landkreises. Der sagt der Gemeinde eine positive Bevölkerungsentwicklung voraus.


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